China attackiert Australien auf Twitter: Fotomontage von angeblicher Kindstötung erzürnt Australier
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China attackiert Australien auf TwitterFotomontage von angeblicher Kindstötung erzürnt Australier

Ein Sprecher der chinesischen Regierung hat ein auf Twitter bearbeitetes Bild veröffentlicht, um die Tötung afghanischer Zivilisten und Gefangener durch australische Soldaten anzuprangern. Der Post schlägt hohe Wellen.

von
Katja Fässler
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Dieses bearbeitete Bild (von der Redaktion zensiert) zeigt einen australischen Soldaten, der ein blutiges Messer an die Kehle eines Kindes hält. 

Dieses bearbeitete Bild (von der Redaktion zensiert) zeigt einen australischen Soldaten, der ein blutiges Messer an die Kehle eines Kindes hält.

Twitter
Australiens Premier Morrison bezeichnete Zhaos Tweet als eine skandalöse und widerliche Beleidigung der australischen Streitkräfte.

Australiens Premier Morrison bezeichnete Zhaos Tweet als eine skandalöse und widerliche Beleidigung der australischen Streitkräfte.

Reuters 
Für die chinesische Aussenministerin Hua Chunying ist die australische Empörung fehl am Platz. Einige australischen Soldaten hätten in Afghanistan schwere Verbrechen begangen.

Für die chinesische Aussenministerin Hua Chunying ist die australische Empörung fehl am Platz. Einige australischen Soldaten hätten in Afghanistan schwere Verbrechen begangen.

Reuters 

Darum gehts

  • Australische Spezialeinheiten sollen in Afghanistan zwischen 2005 und 2016 Zivilisten und unbewaffnete Gefangene getötet haben.

  • Dies ist das Ergebnis eines Untersuchungsberichts nach vierjährigen Ermittlungen.

  • Eine auf Twitter geteilte Fotomontage erzürnt nun die australischen Gemüter.

Der australische Premierminister Scott Morrison verurteilte am Montag den «skandalösen Tweet» des chinesischen Regierungssprechers Lijian Zhao und forderte Peking dazu auf, sich öffentlich zu entschuldigen. Zhao sorgte für Empörung, als er ein bearbeitetes Bild auf der Plattform teilte, auf dem ein australischer Soldat einem afghanischen Kind ein blutiges Messer an die Kehle hält. «Hab keine Angst, wir sind gekommen, um dir Frieden zu bringen», heisst es in der Überschrift der Fotomontage. Zhao schreibt dazu: «Wir verurteilen solche Handlungen und fordern, dass die Soldaten zur Rechenschaft gezogen werden.»

Der Post wurde Tage nach der Veröffentlichung eines Berichts über Kriegsverbrechen von australischen Soldaten in Afghanistan geteilt. Spezialeinheiten sollen zwischen 2005 und 2016 Dutzende Zivilisten und unbewaffnete Gefangene getötet haben. Das ist das Ergebnis eines Untersuchungsberichts, der nach vierjährigen Ermittlungen am 19. November vorgelegt wurde. Demnach zwangen hochrangige Befehlshaber junge Soldaten, die wehrlosen Menschen zu töten, erklärte der australische General Angus John Campbell.

Die Ergebnisse der Untersuchungen gingen von den schwerwiegendsten Verstössen gegen militärische Verhaltensregeln aus. «Das rechtswidrige Töten von Zivilisten und Gefangenen ist niemals zu akzeptieren», sagte er.

Angespannte Beziehung

Australiens Premier Morrison bezeichnete Zhaos Tweet als eine skandalöse und widerliche Beleidigung der australischen Streitkräfte. Er forderte Twitter auf, den Beitrag zu löschen. «Die chinesische Regierung sollte sich für diese Publikation schämen», so Morrison in einem Tweet, der innerhalb weniger Stunden Tausende von Reaktionen nach sich zog.

Die chinesische Aussenministerin Hua Chunying sieht jedoch keine Fehler im Verhalten der chinesischen Regierung. «Einige australische Soldaten haben in Afghanistan schwere Verbrechen begangen. Die Details sind entsetzlich und schockierend. Es gibt Berichte über 14-jährige Jungen, deren Kehle durchgeschnitten wurden, sagte die Aussenministerin in einem Fernsehauftritt gemäss «News.com.au». Die australische Wut über den Tweet sei fehl am Platz.

Die Beziehungen zwischen den Regierungen in Canberra und Peking haben sich in den letzten Monaten stetig verschlechtert. China, Australiens grösster Handelspartner, hat kürzlich gegen Canberra Vergeltungsmassnahmen ergriffen und die Einfuhr einer grossen Anzahl landwirtschaftlicher Produkte wie Rindfleisch, Gerste und Holz eingestellt.

Aggressive Kommunikation

Die staatlich kontrollierte chinesische Presse hat Australien in verschiedenen Bereichen mehrfach angegriffen. Australien hat seinerseits den chinesischen Telekommunikationsgiganten Huawei von der Bereitstellung des 5G-Netzwerks ausgeschlossen und eine unabhängige Untersuchung der Herkunft des Coronavirus beantragt.

Die Veröffentlichung des umstrittenen Tweets ist das jüngste Beispiel für ein neues Mass an aggressiver Kommunikation der chinesischen Regierung gegenüber dem Ausland. Seit letztem Jahr haben sich viele Diplomaten via Twitter geäussert (obwohl der Nachrichtendienst von China blockiert wird) und die Position ihrer Regierung manchmal vehement und kontrovers verteidigt.

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