Ignorante Eiferer: Fox News stolpert über «Muslim-Zonen»
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Ignorante EifererFox News stolpert über «Muslim-Zonen»

Der Sender Fox News hat behauptet, in Frankreich und Grossbritannien gebe es Gebiete, in die sich nur noch Muslime trauen. Nun muss er sich entschuldigen.

von
sut

Gleich zweimal sahen sich Fox-News-Moderatorinnen über das Wochenende veranlasst, Kreide zu schlucken. Erst entschuldigte sich Julie Banderas am Samstagabend für «bedauernswerte Irrtümer» in Sendungen über die muslimische Bevölkerung in Europa und danach Jeanine Pirro.

Banderas bezog sich auf die Behauptung, in Grossbritannien und Frankreich gebe es überwiegend islamische «No-go-Zonen», wo das Scharia-Recht gelte und aus denen sich die Polizei raushalte. «Um es klarzustellen», sagte Banderas, «eine formelle Bezeichnung dieser Zonen gibt es in keinem der Länder, und keine glaubwürdige Information weist darauf hin, dass Gegenden in diesen Ländern Menschen wegen ihrer Religion ausschliessen.»

Premier Cameron: «Das ist ein Vollidiot»

Später am gleichen Abend doppelte Jeannine Pirro nach. Die ehemalige Staatsanwältin räumte ein, eine Woche vorher habe sich in ihrer Sendung ein Gast einen «schweren Faktenirrtum geleistet, den wir fälschlicherweise nicht in Frage stellten und unkorrigiert stehen liessen.» Der Gast, Terrorexperte Steve Emerson, hatte behauptet, die Stadt Birmingham sei «vollständig islamisch und ein Ort, wohin Nicht-Muslime nicht hingehen. Beides ist inkorrekt.»

Fox News sah sich zu den Entschuldigungen genötigt, nachdem die Idee von angeblichen «No-go-Zonen» in Europa für Kopfschütteln sorgte. Der «Experte» Emerson lieferte sich darüber auf Twitter einen Streit mit dem französischen Botschafter. Und von ITV darauf angesprochen, sah sich sogar Premierminister David Cameron zu einem Kommentar veranlasst. «Als ich das hörte, verschluckte ich mich fast an meinem Porridge und dachte, es sei der 1. April», sagte Cameron. «Dieser Typ ist eindeutig ein Vollidiot.»

Nicht nur der Experte

Die Entschuldigungen des konservativen US-Senders waren beachtlich vollständig. Aber sie liessen aus, dass nicht nur der Terrorexperte Emerson von «No-go-Zonen» in Europa gesprochen hatte. Vielmehr geistert dieser Begriff seit den Terroranschlägen auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» in zahlreichen Fox-News-Sendungen immer wieder herum.

Wie die «Washington Post» feststellte, hat insbesondere der ausgesprochen meinungsorientierte Moderator Sean Hannity

in seiner Sendung um 22 Uhr immer wieder von angeblichen Muslim-Zonen in Europa gesprochen. Am 7. Januar – drei Tage vor Emersons Auftritt – sagte Hannity: «Es gibt No-go-Zonen. Wer Nicht-Muslim ist, hat keinen Zutritt. Keine Polizei, nicht einmal die Feuerwehr, wenn ein Brand ausbricht. Scharia-Gerichte sind zugelassen, Gebetsteppiche gibt es in jedem Hotel.»

Entwaffnende Strassenumfrage in Paris

Mit solchen Behauptungen verraten die Fox-News-Leute, dass sie eine sehr beschränkte Kenntnis Europas haben. Wie es wirklich um die stark von Immigranten bewohnten Quartiere Frankreichs steht, machte das TV-Programm «Le petit journal» mit einer Strassenbefragung klar. Belleville sei eine No-go-Zone? «Da gehe ich einkaufen», sagte ein Passant mit Beret. Mit dem Irak oder Afghanistan lasse sich das Quartiert Barbès überhaupt nicht vergleichen, sagte ein anderer: «Wir sind in Frankreich.» Und eine Frau in Père Lachaise meinte dazu bloss: «Ihre Frage ist blöd.»

Die Umfrage der Sendung «Le petit journal»:

(Quelle: YouTube/M7 Online You love It)

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