Aktualisiert 23.07.2016 10:52

Es nimmt kein Ende

Fracking setzt womöglich auch Asthmatikern zu

Fracking ist nicht unumstritten. Nun zeigt sich, dass die Fördermethode wohl gesundheitliche Folgen für Asthmatiker hat.

von
Lindsey Tanner, AP
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Fracking bedeutet für die Gesundheit nichts Gutes: Laut einer Langzeitstudie verschlimmert die Fördermethode möglicherweise Asthma bei Kindern und Erwachsenen, die in der Nähe von Förderanlagen leben.

Fracking bedeutet für die Gesundheit nichts Gutes: Laut einer Langzeitstudie verschlimmert die Fördermethode möglicherweise Asthma bei Kindern und Erwachsenen, die in der Nähe von Förderanlagen leben.

AP/Charles rex Arbogast
Doch auch für Menschen, die keine Atemprobleme haben, kann das Verfahren Folgen haben. Laut US-Forschern sorgen die beim Fracking verwendeten Chemikalien bei Männern für Übergewicht, Herzprobleme und eine reduzierte Spermienproduktion.

Doch auch für Menschen, die keine Atemprobleme haben, kann das Verfahren Folgen haben. Laut US-Forschern sorgen die beim Fracking verwendeten Chemikalien bei Männern für Übergewicht, Herzprobleme und eine reduzierte Spermienproduktion.

/de Agostini Picture Library
Doch nicht nur für Männer ist die umstrittene Gasförderungstechnik problematisch. Auch Schwangere, die in der Nähe von Fracking-Anlagen leben, müssen mit Folgen rechnen.

Doch nicht nur für Männer ist die umstrittene Gasförderungstechnik problematisch. Auch Schwangere, die in der Nähe von Fracking-Anlagen leben, müssen mit Folgen rechnen.

Keystone/AP/jim lo Scalzo

Fracking verschlimmert möglicherweise Asthma bei Kindern und Erwachsenen, die in der Nähe von Förderanlagen leben. Das hat eine achtjährige Studie im US-Bundesstaat Pennsylvania ergeben. Patienten in der Nähe von grossen aktiven Bohrlöchern mussten demnach viermal so häufig behandelt werden wie Leidensgenossen, die weiter entfernt lebten. Die Studienautoren bewerten die Ergebnisse vorsichtig und plädieren für weitere Forschung.

Die Studie ist nach Darstellung der Autoren kein Beweis, dass Fracking direkt Asthma verursacht oder verschlimmert. Sie gibt auch keinen Aufschluss darüber, ob es Asthma-Patienten mit Fracking in der Nähe schlechter geht als denjenigen, die traditionellen Fördermethoden oder anderen industriellen Aktivitäten ausgesetzt sind. Doch erkennt Studienautorin Sarah Rasmussen von der Johns Hopkins University Hinweise, dass die Ergebnisse mit Luftverschmutzung und Stress in Verbindung stehen könnten.

Daten von 36'000 Patienten

In den USA leiden 25 Millionen Erwachsene und Kinder an Asthma, einer chronischen Verengung der Atemwege. Zu den Symptomen zählen Atemnot, Keuchen und Enge in der Brust. Sie werden bisweilen schlimmer, wenn der Erkrankte Staub, Schadstoffen in der Luft und Stress ausgesetzt ist. Frühere Untersuchungen haben ergeben, dass die Luft in Gebieten mit intensiver Öl-und Gasbohrung stark verschmutzt ist.

Die Forscher weisen in ihrer im Fachjournal «JAMA Internal Medicine» veröffentlichten Studie darauf hin, dass zwischen 2005 und 2012 in Pennsylvania mehr als 6000 Fracking-Löcher gebohrt worden seien. Anhand elektronisch gespeicherter Unterlagen machten sie fast 36'000 Asthma-Patienten aus, die in diesem Zeitraum im Rahmen des Geisinger-Gesundheitssystems, das über 40 Bezirke in Pennsylvania abdeckt, behandelt wurden.

Ursache und Wirkung ungeklärt

Unter anderem wiesen neue ärztliche Verschreibungen von Steroiden, Behandlungen in der Notaufnahme von Krankenhäusern und Klinikaufenthalte wegen Asthma auf akute Attacken hin. Im Zeitraum der Studie wurden mehr als 20'000 neue Rezepte für Steroide ausgestellt, es gab fast 5000 Einweisungen in Spitäler und fast 2000 Besuche in Notaufnahmen wegen Asthma.

Das alles kam bei Patienten in der Nähe von grösseren aktiven Fracking-Anlagen bis zu viermal häufiger vor als in Fällen, bei denen die Erkrankten weit entfernt davon lebten. Das höchste Risiko von Asthma-Attacken wiesen der Studie zufolge Patienten auf, die durchschnittlich etwa 19 Kilometer von gebohrten Löchern entfernt lebten, das geringste Menschen in einer durchschnittlichen Entfernung von 64 Kilometern.

Norman H. Edelman, ein führender wissenschaftlicher Berater der American Lung Association, nannte die Studie «interessant und provokativ». Aber er betonte, sie zeige nur eine Verbindung zwischen Fracking und Asthma auf, nicht «Ursache und Wirkung». Mehr intensive Forschung sei nötig. «Asthma ist ein grosses Problem», sagte der Experte. «Alles, was wir tun können, die Ursachen zu erhellen, wird sehr hilfreich sein.»

Grosse Befürchtungen

Grosse Befürchtungen

Die unkonventionelle Fördermethode für Öl und Gas wird in den USA schon seit Jahren angewendet, ist aber – wie in Deutschland – auch hier umstritten. Kritiker befürchten vor allem eine Belastung des Grundwassers und die Entstehung von Erdbeben. Unter hohem Druck werden Sand, Wasser und Chemikalien durch ein Bohrloch in Gestein gepresst, um dieses aufzubrechen. Das verursacht neben Lärm auch Abgase und Staub.

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