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Beurteilung der Schule«Fragebogen an die Eltern ist rausgeworfenes Geld»

Eltern können auf Fragebögen die Schulen ihrer Kinder beurteilen. Dass der Kanton Zürich diese teils schon zu Beginn des Schuljahres verteilt, stösst auf Unverständnis.

von
som
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Diese Fragebogen verschickt der Kanton Zürich an Eltern.

Diese Fragebogen verschickt der Kanton Zürich an Eltern.

Einige erhielten diesen schon kurz nach den Herbstferien. So etwa Eltern mit Schulkindern in Zürich-Seebach.

Einige erhielten diesen schon kurz nach den Herbstferien. So etwa Eltern mit Schulkindern in Zürich-Seebach.

Stadt Zürich
Diese kritisieren, dass der Fragebogen viel zu früh verschickt worden sei. So könnten Sie etwa nicht beurteilen, wie die Zeugnisnoten ihres Kindes zustande kommen.

Diese kritisieren, dass der Fragebogen viel zu früh verschickt worden sei. So könnten Sie etwa nicht beurteilen, wie die Zeugnisnoten ihres Kindes zustande kommen.

Erst diesen Sommer wurde die Tochter von T. M.* in Zürich-Seebach eingeschult. Schon kurz nach den Herbstferien erhielten sie und andere Eltern im Quartier einen mehrseitigen Fragebogen der Bildungsdirektion des Kantons Zürich. Darauf sollen die Eltern die Schulen oder Kindergärten ihres Nachwuchses beurteilen. Gefragt wird unter anderem, wie zufrieden die Eltern mit dem Schulklima, dem Unterricht und der Führung der Schule sind.

Eigentlich eine gute Sache, findet M.: «Allerdings ist der Zeitpunkt der Umfrage gut zehn Wochen nach Beginn des neuen Schuljahres viel zu früh.» Nach so kurzer Zeit könne sie einen grossen Teil der Fragen noch gar nicht beantworten. So musste M. oft «Ich weiss nicht» ankreuzen. Etwa, ob die Klassenlehrperson das Kind fair beurteile oder ob sie verstehe, wie die Zeugnisnoten zustande kommen. «Das bringt doch nichts.» Man sollte laut M. frühestens nach einem Semester oder noch besser am Ende des Schuljahres befragt werden.

Viele Fragen bleiben unbeantwortet

Auch B. T.*, eine Mutter eines Seebacher Kindergärtlers, hat etwa bei zwei Drittel der Fragen mit «Ich weiss nicht» geantwortet: «Ich kam mir etwas doof vor beim Ausfüllen, aber eine differenzierte Beurteilung war unmöglich.» Grosse Erkenntnisse könne der Kanton daraus wohl kaum ziehen. «Im Endeffekt ist das rausgeworfenes Geld.»

Dass der Erkenntnisgewinn der externen Schulevaluation auch bei einer Befragung kurz nach den Herbstferien sehr wohl gross ist, findet hingegen Andreas Brunner, Leiter der Fachstelle für Schulbeurteilung der Zürcher Bildungsdirektion: «Im Verhältnis dazu ist der Aufwand gering.» Jedes Jahr werden laut Brunner rund 90 Schulen im Kanton beurteilt: «Bei dieser grossen Anzahl kann man den Fragebogen nicht an alle Eltern gleichzeitig verteilen.» Sonst würde man mit der Auswertung nicht nachkommen.

Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass die Fachstelle jede öffentliche Volksschule im Kanton alle fünf Jahre evaluiert, so Brunner: «Dabei werden der Schule ihre Stärken und ihr Entwicklungspotenzial zurückgemeldet.» Der Fragebogen an die Eltern sei eines von vielen Instrumenten. Die Schule und nicht einzelne Lehrpersonen werden dabei laut Brunner beurteilt: «Wird bei einer Schule in einem Qualitätsbereich eine ungenügende Praxis festgestellt, wird dies der Schulleitung und Schulpflege mitgeteilt.» Diese seien dann dafür verantwortlich, die notwendigen Massnahmen zu treffen.

*Namen der Redaktion bekannt

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