Fragezeichen hinter Exil für gewalttätige Jugendliche

Aktualisiert

Fragezeichen hinter Exil für gewalttätige Jugendliche

Wer prügelt fährt nach Sibirien. Zumindest in Deutschland, wo die Behörden im Falle eines gewalttätigen Jugendlichen zu dieser drastischen Massnahme gegriffen haben. In der Schweiz ist man skeptisch.

Der Zürcher Strafrechtler und SP- Nationalrat Daniel Jositsch bringt Vorbehalte zu den Besserungsmassnahmen im Falle eines gewalttägigen 16-Jährigen aus Deutschland an.

Der Fall des hessischen Jugendlichen, der immer wieder gewalttätig wurde, hatte auch ausserhalb Deutschland für grosses Aufsehen gesorgt. Zur Besserung war der 16-Jährige nämlich nach Sibirien geschickt worden. Er lebt dort ein Dreivierteljahr lang gemeinsam mit einem Betreuer unter einfachsten Bedingungen.

Die Behörden wollten nicht von einer Bestrafung sprechen. Es gehe vielmehr um eine «erlebnispädagogische Massnahme». Der Jugendliche solle einer «möglichst reiz- und konsumarmen Umgebung» ausgesetzt werden.

Jositsch bringt nun Vorbehalte an: Im Einzelfall könne eine unkonventionelle Massnahme zweckmässig sein. In den meisten Fällen aber sollten erzieherische Massnahmen in der Heimat stattfinden. Die Jugendlichen sollten ja hier und nicht in Sibirien integriert werden.

In Deutschland wird derweil wie in der Schweiz eine heftige Debatte über einen härteren Umgang mit jugendlichen Gewalttätern geführt. Hessens CDU-Ministerpräsident Roland Koch hat im Landtagswahlkampf eine härtere Gangart gefordert.

Die SPD als Koalitionspartnerin der Union lehnt die von der CDU geforderte Verschärfung des Jugendstrafrechts indes strikt ab. In Hessen wird am 27. Januar ein neuer Landtag gewählt. Umfragen zufolge droht Koch der Verlust der absoluten Mehrheit. (sda)

Deine Meinung