Fragwürdig: Im Netz den Zuhälter spielen
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Fragwürdig: Im Netz den Zuhälter spielen

Für einmal Zuhälter spielen: Auf einer von einem Lausanner Informatiker gestalteten Internetseite können Prostituierte gekauft, ausgebeutet, geschlagen und sogar getötet werden.

«Ich verstehe, dass das Spiel schockieren kann – jedoch ist niemand gezwungen, mitzumachen. Jedem seine Form von Humor», sagte Pierre-Dominique Vienne (25), der die Site gestaltet hat, gegenüber «Le Matin Dimanche».

Das Gratis-Internetspiel erlaubt es den Usern, für einmal in die Haut eines Zuhälters zu schlüpfen. Der Spieler muss «Nutten» kaufen, sie aufs Trottoir stellen und mit ihnen möglichst viel Geld machen. Verdienen die virtuellen Dirnen zu wenig, können sie geschlagen oder in die Schönheitschirurgie geschickt werden. Wegen den unfähigen Chirurgen sterben die Prostituierten aber oft – und der Spieler verliert Punkte. Die Opfer landen dann auf dem «Nuttenfriedhof». 8000 Spieler haben sich bereits registriert.

Laut dem Lausanner Richter Jean Treccani ist das Spiel zwar «widerlich», aber legal. «Es ist erschreckend, dass gesellschaftlich verwerfliche Sachen ohne strafrechtliche Folgen ins Internet gestellt werden können», empört sich auch SP-Nationalrätin Pascale Bruderer. Sie fragt sich, was in einem Menschen vorgeht, der eine solche Site erfindet. Das Spiel zeige aber auch, wie weit die Politik einer Internetregelung hinterherhinkt.

Cornelia Stauffer

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