Fragwürdige Fotos und tiefgekühlte Briefe
Aktualisiert

Fragwürdige Fotos und tiefgekühlte Briefe

Erneut ist ein Fall von Mobbing und mutmasslichen sexuellen Übergriffen an einer Zürcher Schule aufgetaucht. Der zuständige Stadtrat Lauber hat einmal mehr den Brief eines klagenden Lehrers übersehen. Mit der gleichen Ausrede wie in den früheren Fällen.

Wie «Facts» heute berichtet, ist am Schulhaus Friedrichstrasse in Zürich Schwamendingen ein Lehrer entlassen worden, obwohl er vor nicht ganz einem Jahr in der Mitarbeiterbeurteilung die Note «sehr gut» erhalten hatte. Dies von Schulpräsident Res Rikli, demselben Mann, der Lehrer F. nun entlässt.

F. hatte sich gegenüber dem Schulpräsidenten beklagt, dass Lehrer G., der in der Vergangenheit wiederholt Schülerinnen körperlich und mit der Kamera zu nah auf die Pelle gerückt war, weiterhin Schullager durchführen wolle und für Fototermine in die Schule gerufen werde.

Laut Lehrer F. «interessiert es Rikli nicht», dass ausgerechnet G. für Fotoaufnahmen der Schülerschaft gerufen wurde. Dieser mache das billiger als ein Fotograf, soll Rikli auf die Bedenken von F. gesagt haben.

F. wandte sich in Folge eines von Rikli abgewiesenen Gesuches um Weiterbildung im August 2006 an Stadtrat Lauber, mit dem Hinweis, er werde gemobbt und man werde ihn «auf Ende nächsten Schuljahres entsorgen». Lauber antworte auf den Brief erst am 6. Dezember 2006, mit dem Hinweis, der Brief sei in seinem Büro «unters Eis geraten».

Bereits in den Fällen im Schulkreis Uto, in denen im Borrweg eine Klasse sechs Lehrer zur Aufgabe trieb und im Bachtobel sämtliche Lehrer kündigten, beantwortet Lauber Hilferufe von Betroffenen erst nach Monaten. Die Begründung war die gleiche wie im Fall von F. Die Briefe seien unters Eis geraten, sagte Lauber (siehe Infobox).

SVP-Gemeinderat Roger Liebi, dessen Frau im Schulkreis Uto Schulpflegerin ist, geht nicht mehr von Einzelfällen von vergessenen Briefen aus. Wie der dem «Tages-Anzeiger» sagte, will er eine eine Geschäftsprüfungskommission einrichten lassen, welche sich mit den Fällen befasst.

Gerold Lauber war zur Stunde für eine Stellungnahme, was mit F.s Brief passiert war, nicht erreichbar. Das Schul- und Sportdepartement will im Verlaufe des Nachmittages die Öffentlichkeit informieren.

Haben Sie Erfahrungen mit fragwürdigen Praktiken von Lehrern im Umgang mit Schülerinnen am Schulhaus Friedrichstrasse? Oder Gerold Lauber einen Brief geschrieben, der nicht beantwortet wurde? Schreiben Sie uns:

feedback@20minuten.ch

Maurice Thiriet

Briefe «unterm Eis»

Schulhaus Friedrichstrasse:

Lehrer F. beklagt sich am 17.8.2006 schriftlich bei Stadtrat Lauber, er werde gemobbt.

Antwort am 6. Dezember von Lauber: «Am 18.8. ist ihr Brief bei uns eingetroffen. Leider geriet er dann irgendwie unters Eis.»

Schulhaus Borrweg:

Eltern beklagen sich per eingeschriebenem Brief vom 18. Februar bei Lauber über den Lehrerverschleiss einer Klasse.

Lauber sagt am 4. April gegenüber dem «Tages-Anzeiger»: «Es ist denkbar, dass dieser Brief nicht angekommen oder irgendwo untergegangen ist.»

Schulhaus Bachtobel:

Eltern orientieren Lauber in einem Brief vom 21. Dezember über die Spannungen unter der Lehrerschaft. Lauber meldet sich im März - zu spät. Als Ende April drei Lehrer künden, sagt Lauber gegenüber den Medien, er Brief sei «unters Eis geraten».

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