Aktualisiert 03.02.2011 20:26

WaffenschutzinitiativeFragwürdige Propaganda mit Schützenkönig

Abstimmen darf Robin Huber (13) noch nicht, werben aber schon. Initiativ-Gegner haben den Sieger des Knabenschiessens als Werbeträger entdeckt.

von
Ronny Nicolussi
Würde gegen die Waffenschutzinitiative stimmen - wenn er könnte: Robin Huber, Schützenkönig mit Jahrgang 1997.

Würde gegen die Waffenschutzinitiative stimmen - wenn er könnte: Robin Huber, Schützenkönig mit Jahrgang 1997.

Bis Robin Huber erstmals bei einer eidgenössischen Abstimmung einen Stimmzettel in die Urne werfen darf, dauert es noch viereinhalb Jahre. Aber bereits heute engagiert sich der Teenager gegen die Volksinitiative für den Schutz vor Waffengewalt. Der 13-Jährige, der im vergangenen September das Zürcher Knabenschiessen gewann, wirbt auf einem Flyer für ein Nein zur «nutzlosen Waffeninitiative».

Der amtierende Schützenkönig aus Guntalingen im Zürcher Weinland wird mit den Worten zitiert: «Wenn diä Initiative vom Volk aagnoh würdi, bin ich dä letscht Schützekönig am Zürcher Knabeschüsse gsi. Mir dörfed das schöni Fäscht nöd gfördä.» Ob das wirklich so ist, darüber ist sich Huber nicht so sicher, wie er auf Anfrage von 20 Minuten Online sagt: «Man hat mir gesagt, dass die, die nicht in einem Verein sind, künftig nicht mehr schiessen dürfen.» Was im Initiativtext steht, weiss der 13-Jährige nicht. Vom Fernsehen und aus Zeitungen wisse er aber schon, worum es gehe, so der Schützenkönig.

Offenbar wurde er von seinem Schiessverein angefragt, ob er für den Flyer posieren würde, und war damit einverstanden. Daraufhin habe er Besuch von Urs Stähli, dem Präsidenten des Zürcher Schiesssportverbands, erhalten. «Dieser hat ein paar Vorschläge gemacht, was man schreiben könnte, und ich habe gesagt, was ich davon halte», erzählt Huber.

Konsequenzen mit Familie diskutiert

Stähli räumt ein, dass das kantonalzürcherische Nein-Komitee den Schützenkönig und die anderen sechs Werbeträger angefragt habe, ob sie bereit wären, mit einer zu ihnen passenden Aussage gegen die Initiative hinzustehen: «Bei Robin haben wir zusammen mit seiner Familie auch die Konsequenzen diskutiert. Schliesslich waren alle einverstanden.»

Die Aussage, für die Robin Huber nun den Kopf hinhält, es werde bei einem Ja zur Waffenschutzinitiative kein Knabenschiessen mehr geben, ist jedoch fraglich. Zumal das Knabenschiessen mit Leihwaffen bestritten wird und nicht mit Armeewaffen, die im Zeughaus deponiert werden müssten. Stähli sieht das Problem aber weniger bei der Waffe als beim Initiativtext: «Die Initianten wollen den Gebrauch von Schusswaffen neben Händlern, Jägern, Sammlern und Menschen, die berufsbedingt eine Waffe brauchen, nur noch lizenzierten Schützen, welche einen Bedarfs- und Fähigkeitsnachweis erbringen können, erlauben.» Daher sei er klar der Meinung, dass Breitensportanlässe wie das Knabenschiessen massiv in Gefahr seien. Gleichzeit gibt er zu: «Ich behaupte damit aber nicht, dass es keine Ausnahmeregelungen geben könne.»

«Ein Schütze, der für unsere Sache einsteht»

Die Aussage des Schützenkönigs auf dem Flyer ist hingegen absolut. Dass ein 13-Jähriger für Politpropaganda missbraucht wird, weist Stähli aber entschieden zurück. Robin Huber sei Mitglied des Militärschiessvereins Guntalingen und wisse sehr wohl, worum es bei dieser Abstimmung gehe: «Er ist ein Schütze und steht für unsere Sache ein.»

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