Audioporn – «Frank beschrieb, wie ich nackt auf einem Tisch liege»
Publiziert

Audioporn «Frank beschrieb, wie ich nackt auf einem Tisch liege»

Audioerotik ist im Kommen: Vor allem Frauen lassen sich von akustischen Reizen verführen. Eine 25-jährige Konsumentin erzählt.

von
Gabriela Graber
Deborah Gonzalez
1 / 8
Früher hat Anastasia* noch auf herkömmliche Videopornos gesetzt…

Früher hat Anastasia* noch auf herkömmliche Videopornos gesetzt…

Privat
… heute hört die 25-Jährige Audioporn.

… heute hört die 25-Jährige Audioporn.

Privat
Sie sagt: «Ich fand das überraschend sexy, wie eine tiefe, erotische Männerstimme, deren Besitzer Frank war, beschrieb, wie ich nackt auf einem Tisch liege und was er alles mit mir machte.»

Sie sagt: «Ich fand das überraschend sexy, wie eine tiefe, erotische Männerstimme, deren Besitzer Frank war, beschrieb, wie ich nackt auf einem Tisch liege und was er alles mit mir machte.»

Privat

Darum gehts:

  • Nicht nur durch Corona hat Audioporn vor allem bei Frauen an Beliebtheit gewonnen.

  • Männer bevorzugen nach wie vor herkömmliche Videosexfilme.

  • Eine 25-Jährige erzählt von ihrem Audioporn-Konsum.

Anastasia*, wie bist du auf Audioporn aufmerksam geworden?

Ich habe früher ganz normale Videopornos geschaut. Die Filmchen haben mir aber nach und nach immer weniger gefallen. Klar, visuelle Reize sind lässig, aber ich musste immer ewig suchen, bis ich einen Film gefunden habe, in dem mir alles gefiel. Also habe ich dann angefangen, nach Alternativen zu suchen und bin auf einem Sexportal per Zufall auf einen Audioporn gestossen.

In dem File beschrieb eine tiefe, erotische Männerstimme, die sich Frank nannte, wie ich nackt auf einem Tisch liege und was er alles mit mir macht. Ich fand das überraschend sexy. Von da an fing ich an, aktiv nach Audioporn zu suchen. Ich löste ein Abo bei der App «Dipsea», die hochwertige erotische Audios in verschiedenen Kategorien anbietet. Seither höre ich ungefähr zwei Mal pro Woche Audioporn, meistens zur Masturbation – Videopornos konsumiere ich mittlerweile kaum noch.

Was fasziniert dich daran?

Es ist das Gesamtprodukt. Es gefällt mir, dass meine Fantasie an der Hand genommen wird. Aber ich kann auch Szenen und Bilder zu Ende denken, ohne dass alles vorgegeben ist, wie bei normalen Pornos. Und bei Audiopornos ist praktisch alles möglich: Die Person, die spricht, kann Situationen beschreiben, die in der Realität nie nachstellbar wären. Ich finde, gerade das Tabulose hat seinen Reizso gibt es beispielsweise Audiopornos mit Monstern und Aliens, und sogar mit Inzest, was gewisse User*Innen antörnt, im normalen Leben aber so nicht stattfindet.

Welche Kategorien gefallen dir besonders?

Ich höre Frauen und Männer gleichermassen gerne. Allerdings finde ich es schön, wenn die Sprache etwas aggressiv ist: Grober Dirty Talk gefällt mir – der muss aber zwingend auf englisch sein, ich mag keinen Dirty Talk auf deutschdas turnt mich ab. Ausserdem kann man beim Audioporn wählen, ob man als «Voyeur*in» zuhören will, wie zwei Personen miteinander Sex haben, oder ob man lieber selbst mittendrin ist. Man kann sich nämlich von jemandem detailliert erzählen lassen, was diese Person gerade mit einem macht. Hier ist man selbst der Fokus der Geschichtedas gefällt mir besser als anonymes Zuhören.

Beim Audioporn wird man indirekt durch das Hören stimuliertähnlich wie beim Telefonsex. Hast du das auch schon probiert?

Nein, aber das sollte ich wohl wirklich mal testen! Wenn man aber niemanden kennt, mit dem man das machen könntewo meldet man sich dann als Frau? Wird Telefonsex für uns angeboten oder ist das etwa noch eine Marktlücke?

*Name geändert.

«Audioporn hat an Beliebtheit gewonnen»

Dania Schiftan, Psychotherapeutin und Sexologin

Dania Schiftan, Psychotherapeutin und Sexologin

Privat

Frau Schiftan, hören Ihre Klient*innen auch zunehmend mehr Audioporn?

Ja, gerade bei Frauen scheint Audioporn in den letzten Jahren an Beliebtheit zu gewinnen.

Wieso ausgerechnet bei Frauen?

Frauen haben einen total guten Zugang zu akustischen Reizen. So werden beispielsweise einige von tiefen Stimmen angetörnt. Frauen profitieren davon, wenn einer ihrer Sinne stimuliert wird, und sie gleichzeitig die Möglichkeit haben, sich im Kopf eine eigene Welt aufzubauen.

Hören auch Männer Audioporn?

Eher selten. Bei Männern, die etwa vom Konsum herkömmlicher Pornos wegkommen möchten, setze ich erotische Audios in der Therapie ein. Das klappt ganz gut. Zu Beginn haben sie jedoch oft das Gefühl, es müsse mehr passieren. Männer lassen sich leichter von visuellen Reizen wie Pornos oder Bildern erregen.

Sie sagten, dass Audioporn in den letzten Jahren beliebter wurde. Welche Rolle spielt hier Corona?

Der Porno-Konsum stieg merklich an. Generell hat die Corona-Pandemie viele dazu gezwungen, auf neue Ideen zu kommen, es kann gut sein, dass einige Konsument*innen gemerkt haben, dass ihnen dieser Konsum nicht gut tat, weshalb sie sich für Alternativen wie Audiopornos entschieden.

Können Audiopornos den Videoporn ablösen?

Das ist schwierig zu sagen. Aber aus sexologischer Sicht wäre es der bessere Zugang. Alles, was mit visuellen Reizen verbunden ist, hat grösseres Suchtpotenzial. Beim reinen Hören dagegen hat man eine Ebene weniger und muss die eigene Fantasie einschalten. Der Audioporno fordert die Zuhörer*innen auf, sich mehr Zeit zu nehmen: Während man sich bei einem normalen Porno innert 30 Sekunden bis drei Minuten einen runterholen kann, verlangt ein Audioporno mehr Zeit. Man muss sich mehr vorstellen, die Eigenleistung ist grösser. Aus sexologischer Sicht wäre es super, wenn Audiopornos allgemein bekannt – und als Weg, sich sexuell zu stimulieren, anerkannt würden. Das ist leider noch nicht der Fall.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

6 Kommentare