Frankreich droht ein harter Arbeitskampf
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Frankreich droht ein harter Arbeitskampf

Erstmals seit dem Amtsantritt von Präsident Nicolas Sarkozy haben die mächtigen Eisenbahngewerkschaften in Frankreich zu landesweiten Streiks gegen seine Reformpolitik aufgerufen.

Sechs Arbeitnehmervertretungen bei der Staatsbahn SNCF sprachen sich bis Donnerstag für Arbeitsniederlegungen und Proteste am 18. Oktober aus.

Damit solle unter anderem der Druck auf die Verhandlungen mit der Regierung über die Abschaffung der Frühverrentung bei Staatskonzernen erhöht werden, sagte der Generalsekretär der Bahngewerkschaft CGT-Cheminots, Didier Le Reste.

Zwei weitere Eisenbahnergewerkschaften wollen sich noch mit ihren Gremien darüber beraten, ob sie sich dem Streik anschliessen. Auch eine Gewerkschaft der Energiebranche, die durch die Staatskonzerne EDF und GDF dominiert wird, sagte ihre Teilnahme zu.

Die Arbeitnehmervertreter bei den Pariser Verkehrsbetrieben RATP schlossen sich vorerst nicht an, aber auch dort hiess es, dies sei zu einem späteren Zeitpunkt nicht ausgeschlossen.

1,6 Millionen Menschen betroffen

Auch dort können Arbeitnehmer bisher teils schon mit 50 oder 55 Jahren zu äusserst günstigen finanziellen Bedingungen in Rente gehen. Rund eine halbe Million aktive Beschäftigte haben bisher noch dieses Recht; hinzu kommen 1,1 Millionen Menschen, die bereits frühzeitig in Rente gegangen sind.

1995 war ein Versuch der damaligen konservativen Regierung, diese Sonderregelungen zu verändern, an wochenlangen Massenprotesten und Streiks gescheitert.

Sarkozy macht Druck

Sarkozy hatte am Dienstag angekündigt, die Regierung wolle «ohne Verzögerung» die Regeln zur Frühverrentung bei Staatsbetrieben reformieren und an die Bestimmungen im öffentlichen Dienst und der Privatwirtschaft angleichen.

Dies soll bis Ende des Jahres erfolgen. Arbeitsminister Xavier Bertrand bekam zwei Wochen Zeit, sich mit den Gewerkschaften zu beraten, die sich aber vor vollendete Tatsachen gestellt sehen. (dapd)

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