Frankreich gedenkt der Opfer des Sklavenhandels
Aktualisiert

Frankreich gedenkt der Opfer des Sklavenhandels

Frankreich hat am Mittwoch zum ersten Mal in seiner Geschichte der Opfer des Sklavenhandels gedacht - 158 Jahre nach dem letzten Sklaventransport aus Afrika in die französischen Karibik-Kolonien.

Millionen von Opfern verdienten Erinnerung und Gerechtigkeit, sagte Staatspräsident Jacques Chirac am Mittwoch, einem neuen nationalen Gedenktag zur Sklaverei. Die Folgen der Sklaverei seien bis heute spürbar, sagte Chirac, und verwies auf rassistische Ideologien.

In zahlreichen Städten wurde mit Vorträgen, Konzerten und Ausstellungen an das dunkle Kapitel der französischen Geschichte erinnert. Der Gedenktag nimmt Bezug auf den 10. Mai 2001, als ein Gesetz in Kraft trag, das die Sklaverei zum Verbrechen gegen die Menschlichkeit erklärt.

Frankreich war der viertgrösste Sklavenhändler Europas, nach Portugal, England und Spanien. Auf französischen Schiffen wurden schätzungsweise 1,25 Millionen Sklaven aus ihrer afrikanischen Heimat entrissen. Ein erstes Mal wurde die Sklaverei in Frankreich 1794 abgeschafft, nach einem erfolgreichen Sklavenaufstand auf der Insel Saint Domingue, im heutigen Staat Haiti. Napoleon führte die Sklaverei 1802 wieder ein, endgültig abgeschafft wurde sie 1848.

Kritiker haben bemängelt, dass die Beschäftigung mit den Gräueln der Kolonialgeschichte viel zu spät komme. Der Vorsitzende des Rates der Vereinigungen von Schwarzen (CRAN), Patrick Lozès, äusserte sich auch enttäuscht darüber, dass keine grosse nationale Gedenkveranstaltung organisiert wurde. (dapd)

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