ARBEITSMARKT: Frankreich kippt die 35-Stunden-Woche
Aktualisiert

ARBEITSMARKTFrankreich kippt die 35-Stunden-Woche

Präsident Nicolas Sarkozy hat sich durchgesetzt und der 35-Stunden-Woche nach zehn Jahren ein Ende bereitet. Die bisherige Arbeitszeitbegrenzung wurde durch ein umfassendes Reformpaket ausgehebelt.

Bereits während Sarkozys Wahlkampf lautete sein Motto «mehr arbeiten, um mehr zu verdienen». Die im Jahr 1998 vom damaligen Präsidenten Lionel Josepin eingeführte 35-Stunden-Woche bezeichnete Sarkozy mehrmals als die stärkste Bremse für das Wirtschaftswachstum Frankreichs. Nun hat Sarkozy sein Ziel erreicht – und das nicht zu früh: Frankreichs Wirtschaft droht laut den neusten Erhebungen eine Rezession.

Bremsklotz der Wirtschaft entfernt

Der Clou: Die Vorgabe von 35 Stunden pro Woche bleibt zwar bestehen, die Unternehmen können nun jedoch mit ihrer Belegschaft abweichende Arbeitszeiten vereinbaren. Zudem können auch die Jahresarbeitstage nun flexibler gestaltet werden. Frankreichs Arbeitsminister Xavier Bertrand ist erleichtert: «Damit sind die Unternehmen nicht mehr blockiert», erklärt er gegenüber dem Radiosender France Info.

Enttäuschung für Arbeitnehmerverbände

Die Gewerkschaften sind indes nicht allzu begeistert. Für sie bedeutet das de facto-Ende der 35-Stunden-Woche einen grossen Rückschritt. Am Mittwoch hatten einige hundert Menschen gegen die Reform demonstriert; zu Massendemonstrationen, welche die Regierung in Bedrängnis hätten bringen können, ist es jedoch nicht gekommen.

Ebenfalls Teil der Arbeitsmarktreform ist eine Verschärfung der Vorschriften für Arbeitslose. Wer künftig zwei ernsthafte Jobangebote ablehnt, muss mit einer Kürzung der Sozialleistungen rechnen.

Umsetzung bis 2009

Die Reform kam durch die Zustimmung der Senatoren der konservativen Regierungspartei UMP von Nicolas Sarkozy zustande, welche die Mehrheit im Senat besitzt. Die oppositionellen Sozialisten sprachen sich zwar gegen die Neugestaltung des Arbeitsrechts aus, konnten das Projekt jedoch nicht stoppen. Die Nationalversammlung hat dem Reformpaket bereits zugestimmt. Gemäss Finanzministerin Christine Lagarde wird das Reformpaket bis 2009 umgesetzt sein. (scc/ahi)

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