Öffentlicher Verkehr lahmgelegt: Streikende stürzen Frankreich ins Chaos
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Öffentlicher Verkehr lahmgelegtStreikende stürzen Frankreich ins Chaos

Die Gewerkschaften in Frankreich wollen so lange weiterstreiken, bis Präsident Macron die Rentenreform zurücknimmt. Es kam zu Ausschreitungen.

Rund um die Proteste gegen die Rentenreform von Präsident Macron kam es zu Gewaltausbrüchen.

Der zweite Streiktag im öffentlichen Dienst in Frankreich hat zu Verkehrschaos und Beeinträchtigungen in Schulen und Krankenhäusern geführt. Insbesondere die Nerven vieler Bewohner der Hauptstadtregion Paris wurden am Freitag auf eine harte Probe gestellt. Auf den Strassen in und um die Metropole kam es zu den morgendlichen Stosszeiten zu langen Staus, da viele Pendler wegen des Ausstandes von der Bahn auf das Auto umstiegen.

Insgesamt stockte der Verkehr laut der Verkehrs-App Styadin auf mehr als 350 Kilometern. Zehn der 16 Metro-Linien fuhren nicht. Die Bewohner der Region müssen sich auf weitere Schwierigkeiten einstellen: Die Gewerkschaften bei der Pariser Bus- und Metrogesellschaft RATP kündigten an, den Ausstand vorerst bis Montag fortzusetzen.

Rentensystem vereinfachen

Der Streik, der bereits am Donnerstag weite Teile des öffentlichen Lebens gelähmt hatte, richtet sich gegen die Rentenreform-Pläne von Präsident Emmanuel Macron. Zum Auftakt waren Hunderttausende von Demonstranten auf die Strasse gegangen, wobei es in Paris und weiteren Metropolen mancherorts zu Auseinandersetzungen mit der Polizei kam.

Macron will Frankreichs veraltetes Rentensystem vereinfachen, das mehr als 40 verschiedene Pensionskassen umfasst. Dabei variieren Renteneintrittsalter und Pensionsleistungen. So können beispielsweise Bahnangestellte wesentlich früher in Rente gehen als andere Beschäftigte. Das gesetzliche Renteneintrittsalter liegt derzeit bei 62 Jahren. Macron hält das System für unfair und zu teuer. Er fordert ein auf Rentenpunkten basierendes System, das für alle Franzosen gleichermassen gelten soll.

«Kein akzeptables Pensionssystem mehr vorfinden»

Bildungsminister Jean-Michel Blanquer sagte dem TV-Sender BFM, er erwarte, dass am Freitag nicht mehr so viele Lehrer an dem Streik teilnehmen würden wie am Donnerstag. Frankreich benötige ein nachhaltiges Rentensystem.

Macron wolle das heikle Thema nicht wie viele seine Vorgänger umschiffen und Reformen aus Furcht vor öffentlichem Protest unterlassen. «Wenn jede Präsidentschaft so argumentiert, werden unsere Kinder kein akzeptables Pensionssystem mehr vorfinden», sagte Blanquer. Mitte der 1990er Jahre hatte ein wochenlanger Ausstand die damalige Regierung zum Einknicken bei ihren Rentenplänen gebracht.

Auswirkungen auf die Schweiz

Der grosse Streik hat auch Auswirkungen auf Reisende aus der Schweiz. Die SBB rieten von Reisen nach Frankreich von Donnerstag bis Sonntag ab. Es verkehrten nur einzelne Züge, namentlich die TGV-Schnellverbindungen zwischen der Schweiz und Frankreich wurden annulliert.

Auch im Flugverkehr gab es Probleme. Die französische Fluggesellschaft Air France beispielsweise strich 30 Prozent der Inlandflüge. 25 Flüge ab dem Flughafen Genf-Cointrin und 26, die dort landen sollten, wurden annulliert. Auch in Zürich wurden Flüge nach Paris gestrichen.

Über 70 Gewaltbereite verhaftet

Am Rande der Pariser Demonstration kam es vorübergehend zu Gewalt: Schwarz gekleidete Vermummte zündeten einen Bauwagen und Mülleimer an und warfen Fensterscheiben ein. Die Polizei setzte Tränengas ein. Der Fernsehsender BFM-TV sprach von mindestens 500 Gewaltbereiten. Vereinzelt waren darunter auch Menschen in gelben Warnwesten zu sehen. In Paris wurden mehr als 70 Gewaltbereite vorübergehend von der Polizei in Gewahrsam genommen.

Auch in anderen französischen Städten wie Nantes, Bordeaux und Lyon kam es vereinzelt zu Zusammenstössen von Vermummten mit den Sicherheitskräften. Das Innenministerium hatte vor Krawallen von Anhängern des «Schwarzen Blocks» und «radikalen Gelbwesten» gewarnt. In Paris waren 6000 Polizisten im Einsatz.

(sda)

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