Frankreichs streitbarster Star
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Frankreichs streitbarster Star

Brigitte Bardot will seit Jahrzehnten mit der «B.B.» nichts mehr zu tun haben. Am 28. September wird die frühere Sex-Göttin 70 Jahre alt.

Mit politischen Sympathien für radikale Rechtsausleger hat sie viele Bewunderer gegen sich aufgebracht. Ihr 70. Geburtstag am 28. September ist Anlass, die Erinnerung an Frankreichs einst populärsten Filmstar wiederzubeleben, dessen Mythos völlig mit der streitbaren alten Frau von heute kontrastiert.

Erst im Juni dieses Jahres wurde sie wegen rassistischer und islamfeindlicher Passagen in ihrem Buch «Ein Schrei in der Stille» von einem Pariser Gericht zu 5.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Das war nur der bislang letzte Akt einer ganzen Folge von juristischen Auseinandersetzungen, in die sich jene Frau verwickelte, die in besten Kinozeiten mit ihren Filmen mehr Exporteinnahmen erzielte als die im Ausland verkauften Autos von Renault. Doch bereits 1974 zog sich die berühmte Pariserin vom Filmgeschäft zurück und hat sich seitdem einen Namen als kompromisslose Tierschützerin gemacht.

Das war und ist nicht nur die Marotte eines alternden Stars. Vielmehr hat ihr gerade dieses Engagement viele Feinde beschert. Sie bekam Morddrohungen von Pferdemetzgern wie Jägern und handelte sich eine Geldbusse dafür ein, das von Moslems praktizierte rituelle Schlachten als «islamische Zügellosigkeit» bezeichnet zu haben. Aber erst ihre späte vierte Ehe mit einem Berater von Jean-Marie Le Pen, dem Führer der rechten Front National, brachte die Bardot richtig in die öffentliche Kritik. Für Aufregung hatten 1996 bereits ihre Memoiren «Initiales B.B.» gesorgt.

Die Tragik der Kindfrau mit dem Schmollmund

Darin hatte das internationale Sexidol der fünfziger Jahre erbarmungslos mit den zahlreichen Männern ihres Lebens abgerechnet. Das veranlasste selbst ihren einzigen Sohn Nicolas aus der zweiten Ehe mit dem Schauspieler Jacques Charriere zusammen mit dem Vater zur Klage. Die Mutter wurde zur Zahlung eines hohen Schmerzensgeldes gezwungen. Es ist sicher die Tragik im Leben von Brigitte Bardot gewesen: Sie konnte schon in jungen Jahren tun, was sie wollte - sie fühlte sich meist un- und missverstanden.

Damals blieb sie trotz aller Anstrengungen, dem Rollenklischee zu entkommen, in ihren vielen Filmen doch fast stets die blonde Versuchung mit dem legendären Schmollmund. Nun ist sie abgestempelt als Männer- und Islamhasserin. Die Zerbrechlichkeit des Menschen «B.B.» zeigte sich am dramatischsten bei ihrem Selbstmordversuch am 26. Geburtstag 1960. Damals war sie die bereits zum zweiten Mal verheiratete Mutter ihres wenige Monate alten Sohnes und hatte gerade einen ihrer besten und erfolgreichsten Filme, das Gerichtsdrama «Die Wahrheit» abgedreht.

Zu schwindelerregend war offenbar die Karriere der jungen Frau aus wohlhabendem, aber strengem Elternhaus verlaufen, die von ihrem ersten Mann, dem Regisseur Roger Vadim, bereits als knapp 18-jährige Kindfrau zum neuen Sexstar geformt worden war. Zuvor hatte Bardot, die eigentlich Camille Javal hiess, in ihrer Heimatstadt Paris eine Tanzausbildung absolviert. Ganz gross stand die Französin bei der deutschen Regenbogenpresse im Kurs, als sie 1966 Deutschlands Playboy Gunther Sachs heiratete. Die Ehe mit dem Industrieerben hielt aber nur drei Jahre. Heute lebt Brigitte Bardot zurückgezogen in Saint-Tropez. Aber kampfeslustig ist sie immer noch.

«Ich habe es geschafft, zu machen, was ich wollte», sagte sie Diva der Zeitschrift «Bunte». «Auf den zweiten Teil meines Lebens bin ich wirklich stolz. Und mit der Schauspielerin Brigitte Bardot bin ich auch in Frieden, weil ich sonst meine Berufung als Tierschützerin nicht hätte erfüllen können.» Ihr Aussehen ist dem einstigen Sexsymbol immer noch wichtig. «Ich will nicht das Bild einer Omi abgeben, mich nicht gehenlassen. Ich gehe zwar nicht zum Friseur, aber stecke mir ein paar Blümchen in die Haare und schminke mich.» (dapd)

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