Aktualisiert 13.11.2007 22:27

Frankreichs Züge stehen still

Die französischen Eisenbahner sind am Dienstagabend wie angekündigt in einen unbefristeten Streik getreten. Für Mittwoch wird mit einem Verkehrschaos gerechnet.

Die Eisenbahner legten am Dienstag um 20.00 Uhr landesweit ihre Arbeit nieder. Damit protestieren sie gegen den Reformkurs von Präsident Nicolas Sarkozy, insbesondere die geplante Abschaffung der Frührente bei Staatsbetrieben.

Französische Lokführer müssen derzeit nur 37,5 statt 40 Jahre in die Rentenkasse einzahlen und können teilweise schon mit 50 Jahren in Rente gehen.

Die Staatsbahn SNCF ging von schweren Behinderungen des Verkehrs aus. Auch für den internationalen Verkehr wurden schwere Auswirkungen erwartet, darunter für die Verbindungen mit der Schweiz.

Als einzige reguläre Verbindung bleibt voraussichtlich die Verbindung Zürich-Basel-Paris aufrechterhalten. Auch die Nachtzüge zwischen der Schweiz, Frankreich und Spanien seien betroffen, hiess es weiter.

Keine Züge für Pendler

Am Mittwoch sollten 90 von 700 TGV-Hochgeschwindigkeitszügen verkehren. Eine Fortsetzung des Streiks bis zum Wochenende ist laut SNCF möglich.

Auch die Beschäftigten der Pariser Verkehrsbetriebe wollten die Arbeit niederlegen. Nur wenige Pendlerzüge sollten deshalb am Mittwochmorgen und -abend verkehren, U-Bahnen praktisch gar nicht. Die Pariser Verkehrsgesellschaft RATP schätzte, dass noch jede zehnte Metro und jeder zehnte Bus fahren werden. Studentenverbände riefen zudem zur Blockade von Bahnhöfen auf.

Die Beschäftigten der Energiekonzerne EDF (Strom) und GDF (Gas) waren gleichfalls wegen der Rentenpläne zum Streik aufgerufen. Sie planen unter anderem gezielte Stromabschaltungen wegen der Reformpläne. Auch bei Post und Telekom, am Bau, in der Justiz und an den Schulen sind für die kommenden Wochen Streiks angekündigt.

Krisentreffen mit Sarkozy

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte unmittelbar vor Beginn der ersten Streiks am frühen Dienstagabend ein Krisentreffen einberufen.

Dabei forderte er die Spitzen der Bahngesellschaft SNCF, der Pariser Nahverkehrsbetriebe und der Gas- und Elektrizitätsversorger auf, so rasch als möglich innerhalb ihrer Betriebe mit den Gewerkschaften Beratungen aufzunehmen über die Reformen. Dies sagte Sarkozys Sprecher David Martinon nach Ende des Treffens.

Für Präsident Sarkozy ist es der erste grosse Streit mit den Gewerkschaften. Gemäss Umfragen hat er aber im Volk grossen Rückhalt bei seinem Vorhaben, Rentenprivilegien des Öffentlichen Dienstes abzuschaffen.

Arbeitsminister Xavier Bertrand bekräftigte am Dienstag erneut, dass die Kernpunkte der Reform der Sonderrenten «nicht verhandelbar» seien.

Dazu zählen die Verlängerung der Beitragszeit für die Rente von 37,5 auf 40 Jahre und die Orientierung der Rentenerhöhungen an den Preisen statt an der Lohnentwicklung. Rentenprivilegien wie die Frührente wurden einst für beschwerliche Berufe wie Eisenbahner in Staatsunternehmen eingeführt. (sda)

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