Wie jedes Jahr: Franziskus wäscht Kriminellen die Füsse
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Wie jedes JahrFranziskus wäscht Kriminellen die Füsse

Papst Franziskus wirft eine alte Tradition des Vatikans über Bord: Die Messe an Gründonnerstag wird er nicht in der Lateranbasilika abhalten, sondern in einem römischen Jugendgefängnis.

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Seit Papst Franziskus vor einer Woche im Vatikan eingezogen ist, hat sich vieles verändert. Der Argentinier hat bereits angekündigt, die mehr als grosszügige päpstliche Wohnung nicht komplett beziehen zu wollen. «Hier haben ja 300 Personen Platz», hat er laut «La Stampa» gesagt, als er eine Besichtigungsrunde durch das Appartement absolvierte, das zuvor Benedikt XVI. bewohnt hatte und derzeit renoviert wird.

Nun bricht der Pontifex mit einer weiteren Tradition: Dieses Jahr will er zum Auftakt der Osterfeierlichkeiten eine Messe in der Jugendhaftanstalt Casa del Marmo abhalten. Franziskus wird getreu dem Ritus vor den jungen Häftlingen niederknien und ihnen die Füsse waschen und küssen. Im Jugendgefängnis sitzen zurzeit junge Frauen und Männer im Alter von 16 bis 23 Jahren ihre Strafe ab.

Hartgesottene weinten vor dem Fernseher

Schon während seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires hat Jorge Bergoglio die Gründonnerstagsmesse in Gefängnissen, Spitälern oder Waisenhäusern zelebriert, erklärte der Vatikan in einem Communiqué. Der neue Papst setze damit seine eigenen Gewohnheiten fort, die von Bescheidenheit und Demut geprägt seien.

In den meistbevölkerten Haftanstalten seiner Heimatstadt kennt man Franziskus tatsächlich sehr gut. Im Gefängnis von Villa Devoto haben noch viele Insassen Bergoglios letzten Besuch im Jahr 2007 gut in Erinnerung. «Als er zum Papst gewählt wurde, haben diese Männer vor dem Fernseher geweint», erzählt ein Gefängniswärter gegenüber der argentinischen Zeitschrift «Perfil». Sie seien «hartgesottene Menschen», stellt der Beamte klar. Ihre Emotionen hätten sie an diesem Tag jedoch ohne Scham gezeigt.

Franziskus behandelte alle auf gleiche Weise

Franziskus sei jedes Mal «wie ein normaler Besucher durch die Kontrollen gegangen», erinnert sich der Gefängniskapellan Eduardo Lorenzo. «Er begrüsste die Insassen, die Wärter und die Polizisten, ohne Unterscheidungen zu machen. Er sagte zu ihnen: «Ihr seid alle meine Brüder, denn ihr seid auch Gottes Söhne.»

Auch denjenigen, die HIV-infiziert sind, wusch und küsste er die Füsse, bestätigte sein ehemaliger Pressesprecher, Priester Guillermo Marcó. Bevor er mit der Gründonnerstagsmesse begann, sprach er mit jedem einzelnen im Flur. Bis heute würden ihm die Insassen Briefe schreiben und Bergoglio antworte ihnen.

Einer von ihnen

«Der Besuch von Bergoglio ging den Häftlingen sehr nahe, denn er kannte durch seine Arbeit in den Armenvierteln die Familien, die Nachbarn und Freunde dieser Männer», erklärt Pfarrer Lorenzo. «Die Insassen hatten bei ihm das Gefühl, dass er sie wirklich liebt.»

Ähnliches hört man aus dem Gefängnis von Olmos. Auch dort feierte man Bergoglios Wahl zum Papst unter Tränen. «Er ist wie einer von uns, ein Priester der Armen. Und wissen Sie, die Gefängnisse sind ja voll von Armen», sagt der 30-jährige Facundo. Er hoffe, dass Franziskus in seiner neuen Rolle als Papst «uns Arme und Gefallene nicht vergisst».

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