Aktualisiert 21.05.2013 21:09

SteuerstreitFranzösische Botschaft warb für Konto in Schweiz

Die französische Botschaft in der Schweiz verlinkte auf ihrer Homepage einen Dienstleister, der für die Eröffnung eines Kontos in der Schweiz wirbt. Das französische Aussenministerium hat reagiert.

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Die französische Botschaft in Bern verlinkte ein Portal, das französischen Immigranten eine Anleitung zur Eröffnung eines Bankkontos in der Schweiz anbot. Angesichts des andauernden Steuerknatsches zwischen den beiden Ländern eher ungewöhnlich.

Die französische Botschaft in Bern verlinkte ein Portal, das französischen Immigranten eine Anleitung zur Eröffnung eines Bankkontos in der Schweiz anbot. Angesichts des andauernden Steuerknatsches zwischen den beiden Ländern eher ungewöhnlich.

Laure de la Raudière, die Abgeordnete der Sarkozy-Partei Union pour un mouvement populaire (UMP), staunte nicht schlecht, als sie die Webseite der französischen Botschaft in Bern besuchte. Dort stiess sie unter der Rubrik «Nützliche Links» auf das Portal switzerland.isyours. Die Website preist dem Besucher jede Menge an Tipps an, wie man sich in der Schweiz niederlässt und hier in wenigen Schritten ein Bankkonto eröffnet.

Brief an Aussenminister Laurent Fabius

Die Abgeordnete De la Raudière reagierte prompt und richetete sich schriftlich an den französischen Aussenminister Laurent Fabius, wie Le Matin berichtet.

De la Raudière zeigte sich «sehr verwundert» darüber, dass die französische Botschaft solche Links anbietet, während die Regierung unter François Hollande Steuerflüchtlingen offen den Kampf angesagt hatte.

Die französische Botschaft in Bern erklärte später in einem Schreiben, sie schalte bewusst verschiedene Links auf, die es französischen Expats vereinfache, sich in der Schweiz niederzulassen. Schliesslich wohnten und arbeiteten rund 180'000 Franzosen in der Schweiz. Der umstrittene Link hätte dem Besucher eine entsprechende Übersicht bieten sollen, rechtfertigte sich die Botschaft. Man habe den Fehler aber inzwischen korrigiert. Der Link ist weg.

Zähes Ringen um die Millionen

Die Schweiz und Frankreich ringen seit über einem Jahr um eine Erneuerung des Erbschaftssteuerabkommens. Frankreich fordert, dass das Vermögen von Franzosen nicht mehr länger nach Wohnsitz des Erblassers, sondern nach dem des Erben besteuert wird.

Neu sollen 38 Prozent des Vermögens an den französischen Fiskus gehen, wenn die Erben in Frankreich wohnen. Bisher ging der französische Staat meist komplett leer aus, wenn der Nachlass eines in der Schweiz wohnhaften Franzosen verteilt wurde. Widerstand gegen das geplante Abkommen kommt vor allem aus den westschweizer Kantonen, wo sich viele reiche Franzosen niedergelassen haben.

Im Februar hatte die Schweiz zwei Vertragsanpassungen verlangt. Sie fordert, dass das Abkommen soll nur für jene gelten, die seit mindestens acht Jahren in der Schweiz wohnen. Zudem solle der Vertrag nicht 2014, wie von Frankreich gefordert, sondern frühestens 2015 in Kraft treten. Das Parlament muss das Abkommen ohnehin noch absegnen.

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