DSK: Franzosen glauben an Verschwörung
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DSKFranzosen glauben an Verschwörung

57 Prozent der Franzosen sind überzeugt, dass Dominique Strauss-Kahn «Opfer eines Komplotts» ist. Bei den Umfragen spielt eine überaus merkwürdige Twitter-Nachricht eine wesentliche Rolle.

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Dominique Strauss-Kahn ein Vergewaltiger? «Nein, das kann nicht sein», meinen 57 Prozent der Franzosen in den Umfragen, die verschiedene Medien führten. In einer Telefonumfrage unter 1007 Lesern über 18 Jahren, die «BFM-TV», «RMC» und «20 Minutes» gemeinsam durchführten, gaben 70 Prozent an, Sozialisten zu sein.

Als ersten Begünstigten sehen die Befragten den amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy. Dabei nährt die Tatsache, dass ausgerechnet ein junger Anhänger der französischen Regierungspartei UMP die Nachricht als Erster über Twitter verbreitet hatte, die Komplott-Theorien.

Getwittert - zehn Minuten, bevor es passierte

Tatsächlich soll die Festnahme sehr früh vom Jungpolitiker Jonathan Pinet über den Kurznachrichtendienst verbreitet worden sein. Zehn Minuten, bevor DSK aus einem Flugzeug der Air France von US-Polizisten geholt worden war, schrieb der 24-Jährige: «Ein Kollege in den USA hat mir soeben mitgeteilt, dass DSK vor einer Stunde in einem Hotel in New York verhaftet worden sei.» Die Nachricht erschien um 22.59 Uhr. Bis dahin hatte kein amerikanisches Medium davon Wind bekommen.

Pinet, Mitglied von Sarkoys UMP-Partei, geriet rasch in Verlegenheit. Nicht nur erstaunte sein wundersames Tempo, auch der Inhalt seines Tweets war falsch. Die Nachricht war zudem von Arnaud Dassier, der 2007 den Wahlkampf von Sarkozy im Internet organisierte, als Erster weitergeleitet worden. Und der konservative Blog 24heuresactu.com berichtete als erstes Medium darüber.

Für das breite französische Publikum war sie Sache klar: Dominique Strauss-Kahn wurde hereingelegt. Und zwar hat ihn Monsieur le Président ausgetrickst, der sich eines ernsthaften Konkurrenten für die französische Präsidentschaft entledigen wollte. Schliesslich hatte das Opfer selber einige Wochen zuvor laut in der TV-Sendung «Off» darüber nachgedacht: Sein Problem seien die Frauen, das Geld und dass er Jude sei. Man werde sicherlich mit einem Vergewaltigungsvorwurf versuchen, ihn aus der Arena zu holen. Seine Befürchtungen haben sich nun bewahrheitet.

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