Franzosen lassen Schweizer im Libanon stehen
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Franzosen lassen Schweizer im Libanon stehen

Gestern Abend haben 40 verängstigte Schweizer vergeblich versucht, auf einer von Frankreich gecharterten Fähre aus dem Libanon zu flüchten. Wegen Platzmangel wurde nur eine Handvoll Schweizer mitgenommen, der Rest wurde im Krisengebiet zurückgelassen.

Wie Jean-Philippe Jeannerat, Sprecher des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), der Nachrichtenagentur SDA sagte, kamen am Dienstag früh bloss drei oder vier Schweizer Bürger im Hafen von Larnaka an.

Das Aussenministerium in Bern hatte noch am Montag die Ausreise von etwa 40 Schweizern aus Libanon angekündigt. Offenbar aus Sicherheitsgründen entschied sich der griechische Kapitän für einen früheren Aufbruch. Dutzende Schweizer hatten Stunden im Beiruter Hafen ausgeharrt in der Hoffnung, mitgenommen zu werden.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP waren auf dem Schiff rund 900 Passagiere, davon etwa 750 Franzosen. An Bord befanden sich 200 Kinder, 80 von ihnen reisten ohne Eltern.

Nach Angaben aus Frankreich hatten sich rund 1250 Menschen Hoffnung auf einen Platz auf dem Schiff gemacht. Über 300 Personen - darunter die 40 Schweizer - gingen leer aus.

Neuer Anlauf

Die enttäuschten Schweizer wurden von diplomatischem Personal betreut und zum Teil in Hotels, zum Teil in der Schweizer Botschaft untergebracht. Ein neuer Anlauf zur Evakuierung war bereits für Dienstag vorgesehen; nähere Angaben dazu waren beim EDA zunächst nicht erhältlich.

Die Evakuierungspläne sind naturgemäss stark abhängig von der Intensität der israelischen Luftangriffe. Eine zweite Fähre soll am Dienstagabend Zypern Richtung Libanon verlassen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Zypern befindet sich in etwa 85 Kilometern Entfernung von der libanesischen Küste.

Internationale Zusammenarbeit

Die Schweiz arbeitet bei der Evakuierung mit anderen betroffenen Staaten zusammen. Bern hat laut Jeannerat bisher nicht ins Auge gefasst, selber ein Schiff zu chartern, da auch der militärische Schutz für eine solche Fahrt gewährleistet sein muss.

Insgesamt möchten rund 400 Schweizer Libanon zu verlassen. Zum Teil handle es sich dabei um Touristen, zum Teil um Leute, die ständig in dem Land lebten, sagte Jeannerat.

Mehr als 130 Schweizer wurden bereits am vergangenen Wochenende auf dem Landweg via Syrien in Sicherheit gebracht. Vor Kriegsausbruch lebten 838 Schweizer in Libanon, 713 von ihnen sind Doppelbürger. (sda)

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