Arth-Goldau: Frau (37) wird in S-Bahn von 40 Männern belästigt
Aktualisiert

Arth-GoldauFrau (37) wird in S-Bahn von 40 Männern belästigt

Eine Frau wurde in der S-Bahn von Arth-Goldau nach Küssnacht von einer Männergruppe belästigt. Auf Facebook sorgt ihre Geschichte für viele Reaktionen.

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mik
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Eine Frau wollte in der S-Bahn nach Luzern in Ruhe ihr Buch lesen. Doch dann wurde sie von einer grossen Männergruppe belästigt. Sie amüsierten sich auf Kosten der 37-Jährigen und begrapschten sie. (Symbolbild)

Eine Frau wollte in der S-Bahn nach Luzern in Ruhe ihr Buch lesen. Doch dann wurde sie von einer grossen Männergruppe belästigt. Sie amüsierten sich auf Kosten der 37-Jährigen und begrapschten sie. (Symbolbild)

Keystone/Urs Flueeler
Die 40 Männer stiegen am Bahnhof Arth-Goldau ein. Die Frau schilderte das Erlebnis am Samstagabend auf ihrem Facebook-Account. (Symbolbild)

Die 40 Männer stiegen am Bahnhof Arth-Goldau ein. Die Frau schilderte das Erlebnis am Samstagabend auf ihrem Facebook-Account. (Symbolbild)

Keystone/urs Flueeler
Die Schweizer Männergruppe, die ihrem Dialekt nach zu urteilen aus der Region zu kommen schienen, haben ihr immer wieder zugerufen. Sie habe sich überlegt, das Abteil zu wechseln, aber da sie im vordersten Wagon sass, hätte sie an allen Männern vorbei gehen müssen und das habe sie sich nicht antun wollen. Also blieb die Luzernerin sitzen und liess alles über sich ergehen. (Symbolbild)

Die Schweizer Männergruppe, die ihrem Dialekt nach zu urteilen aus der Region zu kommen schienen, haben ihr immer wieder zugerufen. Sie habe sich überlegt, das Abteil zu wechseln, aber da sie im vordersten Wagon sass, hätte sie an allen Männern vorbei gehen müssen und das habe sie sich nicht antun wollen. Also blieb die Luzernerin sitzen und liess alles über sich ergehen. (Symbolbild)

Keystone/Urs Flueeler

Sie wollte am Pfingstsamstag nach einer Wanderung im Zug von Schwyz nach Luzern einfach nur entspannen und ihr Buch lesen. Doch dann stieg in Arth-Goldau eine 40-köpfige Männergruppe ein und belästigte die 37-jährige Frau*. Am Abend schilderte sie auf Facebook, was ihr widerfahren ist:

«Eine ca. 40-köpfige Horde angetrunkener Schweizer Männer in Festtagslaune (eine Guggenmusik in Zivil) stürmte den Wagen. Als mich die Männer entdeckt hatten, ging es sofort los mit der Belästigung und dem ‹unabsichtlichen› Betatschen und Blossstellen von mir – der einzigen ‹jungen› Frau im ganzen Wagen und dadurch offensichtlich gerade recht als Frischfleisch», schreibt die 37-Jährige. Sie habe versucht, sich weiterhin auf ihr Buch zu konzentrieren und so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten, doch die Männern hätten nicht aufgehört, sich auf Kosten der Luzernerin zu amüsieren.

«Eine endlos scheinende Fahrt»

Die Schweizer Männergruppe trug neongelbe und orange Sporttrikots über den Kleidern, wie der «Bote der Urschweiz» schreibt. Ihr Dialekt liess vermuten, dass sie aus der Region kommen. «Die ganze unendlich scheinende Fahrt in der S-Bahn bis nach Küssnacht wurde ich von den Spassvögeln bei irgendeinem Frauennamen gerufen. Was immer ich machte oder nicht machte wurde lauthals kommentiert und durch den ganzen Wagen geschrien. Plötzlich war auch der nicht vorhandene Abfalleimer neben meinem Bein sehr wichtig und wurde immer wieder vergebens gesucht», schildert sie am Samstagabend in ihrem Facebook-Post weiter.

Sie habe sich überlegt, das Abteil zu wechseln, aber da sie im vordersten Wagon sass, hätte sie an allen Männern vorbei gehen müssen und das habe sie sich nicht antun wollen. Also blieb die Luzernerin sitzen und liess alles über sich ergehen.

«Objekt zur allgemeinen Erheiterung»

Für die Frau ist klar, dass das Verhalten dieser Männer nicht zu tolerieren sei. «Auch wenn es sich um eine lustige Guggenmusikgruppe auf Schulerreisli handelt, ist es nicht ok, irgendeine wildfremde Frau offensichtlich gegen ihren Willen auf solch dumm-sexistische und chauvinistische Form zu belästigen und zum Objekt der allgemeinen Erheiterung zu machen.

Man kann sich den Aufschrei vorstellen, der durch die sittsame Schweizer Bevölkerung gehen würde, wenn es sich nicht um Schweizer Männer, sondern um solche mit dunklerem Teint und südlicherer Herkunft gehandelt hätte. Schande.»

Sie betont, dass die Männer sie an keiner intimen Körperstelle berührt habe, sondern es ihr um die Haltung gegenüber Frauen geht. «Es braucht nicht immer gleich eine sexuelle Belästigung oder gar eine Vergewaltigung zu sein, damit das Thema Sexismus ernst genommen wird. Was mich mehr stört, ist, dass es tief im Frauenverständnis dieser Herren verankert zu sein scheint, dass man sich einfach nehmen kann, wonach einem gerade ist.»

«Alkohol und Gruppenzwang»

Das Erlebnis der jungen Frau findet auf Facebook Gehör und wird innert kürzester Zeit fleissig kommentiert. Einige Frauen berichten von ähnlichen Erfahrungen und sind der Meinung, dass so ein Verhalten auf keinste Weise zu akzeptieren sei. Aber auch Männer kommentieren und ein User schreibt: «Zum Kotzen solche Typen. Das Tragische daran ist, dass von der ganzen Truppe vielleicht im täglichen Leben gar nicht alle so sind, vielleicht sogar Familie mit Kindern haben. Aber Alkohol und Gruppenzwang sind eine explosive, gefährliche und perverse Mischung.»

*Name der Redaktion bekannt.

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