Aktualisiert 11.08.2009 09:30

MünsterlingenFrau ausgesetzt: Mildes Urteil

Ihre Geschichte berührte die Schweiz: Vor dem Kantonsspital Münsterlingen wurde eine 43-jährige Mazedonierin ausgesetzt, von einem Krebstumor bereits stark entstellt. Nun wurde ihr Freund verurteilt.

von
mlu

Am 22. April dieses Jahres ging ein Bild durch die Schweizer Medien. Eine unbekannte Frau mit stark entstelltem Gesicht wurde vor dem Kantonsspital Münsterlingen TG in der Nacht ausgesetzt. Nur langsam kam Licht in die Vorgeschichte des Falles.

Medizinische Untersuchungen des Kantonsspitals zeigten, dass die Frau an Krebs in fortgeschrittenem Stadium litt. Identität und Herkunft der Frau blieben drei Wochen lang unklar: Sie war stark unterernährt und konnte aufgrund eines Tumors im Gesicht nicht sprechen. Erst mit Hilfe von zahlreichen Hinweisen aus der Bevölkerung konnten die Wohnung und der Lebenspartner der Mazedonierin ausfindig gemacht werden (20 Minuten Online berichtete). Für die Frau kam die ärztliche Hilfe jedoch zu spät: Am 11. Mai verstarb sie im Spital.

Frau war nicht versichert

Ausgesetzt wurde die Frau von ihrem Lebensgefährten, einem 59-jährigen Landsmann der Frau. Sie lebten gemeinsam in einer Wohnung in Kreuzlingen. Die Frau hielt sich seit längerer Zeit illegal im Kanton Thurgau auf – und war nicht versichert. Das war auch das Motiv für die Aussetzung, wie der Lebenspartner in der polizeilichen Befragung später zugab.

Nun hat das Bezirksamt Kreuzlingen das Urteil gegen den Lebensgefährten gefällt. Er hatte sich wegen Aussetzung und Erleichterung rechtswidrigen Aufenthalts zu verantworten. Das Verfahren wegen Aussetzung wurde jedoch eingestellt, wie Untersuchungsrichter Patrick Müller gegenüber der «Thurgauer Zeitung» sagte. Der Mann habe seine Freundin vor die Spitaltür gelegt, damit man ihr helfe, und nicht, um sie einer Gefahr auszusetzen.

Bedingte Geldstrafe

Verurteilt wurde der Mazedonier jedoch, weil er seiner Freundin Unterschlupf gewährte. Das Bezirksamt liess Milde walten und verknurrte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 3200 Franken und einer Busse. Die Frau sei niemandem zu Last gefallen und der 59-Jährige sei nicht vorbestraft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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