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Nicht artgerechtFrau «beschützt» Katzen mit Molotow-Cocktails

Im deutschen Sigmaringen will die Polizei einer Tierhalterin 42 Katzen und einen Hund wegnehmen. Doch die Frau hat sich vorbereitet.

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In Sigmaringen befreite die Polizei 42 Katzen aus einem Haus. (Symbolbild)

In Sigmaringen befreite die Polizei 42 Katzen aus einem Haus. (Symbolbild)

Mit einem Grossaufgebot rückte die Polizei am Montag gegen eine aggressive Tierliebhaberin aus dem deutschen Sigmaringen vor. Das Veterinäramt wollte der Frau die Tiere wegnehmen, weil sie nicht artgerecht gehalten wurden.

Die Katzenhalterin hatte offenbar damit gerechnet, dass die Polizei wegen ihren Katzen kommt, denn als die Beamten läuteten, schlug die Frau ihnen mehrfach die Haustür vor der Nase zu.

Molotow-Cocktails und Tränengas

Damit nicht genug: Die Frau habe sich offenbar auf den Besuch der Polizei vorbereitet, heisst es in einem Communiqué des Polizeipräsidiums Konstanz. In einem Zimmer direkt neben dem Hauseingang fanden die Polizisten acht mit Benzin gefüllte Glasflaschen, einen Trichter sowie einen gefüllten Benzinkanister. Im Bereich der Haustür, die von innen mit einer selbstgefertigten Barrikadeeinrichtung versehen war, waren zwei Tränengassprühgeräte deponiert. Darüber hinaus stiessen die Beamten in dem Gebäude, das mit einer Videoanlage überwacht war, auf mehrere Messer.

Schliesslich gelang es der Polizei, sich Zutritt zur Wohnung zu verschaffen. Das «Waffenarsenal» wurde sichergestellt, die Tiere — insgesamt 42 Katzen und ein Schäferhund — in Obhut genommen. Der Bewohnerin wurde jegliche Tierhaltung untersagt.

Jahrelanger «Krieg» gegen Behörden

Bereits in der Vergangenheit hatte die Frau gegen Auflagen bei der Haltung von Tieren verstossen. Wie die Polizei in der Pressemitteilung weiter schreibt, habe sich die Frau mehrfach gegen behördliche Kontrollen gewehrt.

Im Jahr 2011 wurden erstmals erhebliche Verstösse im Haus bezüglich der artgerechten Haltung von Katzen festgestellt. Die damals 28 Tiere lebten teilweise im Keller in reizloser Umgebung zusammen. Die Tierhalterin wurde mehrfach aufgefordert, für eine artgerechte Haltung der Tiere zu sorgen.

Die Nachkontrollen gestalteten sich aber sehr schwierig: Mehrfach verweigerte die Frau den Mitarbeitern der Behörde den Zugang. Es wurde sogar ein Durchsuchungsbeschluss bei Gericht erwirkt, eine unabhängige tierärztliche Gutachterin bestellt sowie die Ortspolizeibehörde miteinbezogen.

Alle friedlichen Wege ausgeschöpft

Im November 2013 wurde eine konzertierte Aktion mit mehreren Fachbereichen des Landratsamtes, der Ortspolizeibehörde und den Veterinären zusammen mit der externen Sachverständigen, unter Amtshilfe der Polizei, durchgeführt. Als die Beamten die Haustüre durch einen Schlüsseldienst öffnen liessen, erfolgte durch die Familienangehörigen ein Tränengasangriff auf die Veterinäre und die Beamten, die dadurch erhebliche Augen- und Atemwegsreizungen erlitten.

Im Oktober 2014 erklärte der Verwaltungsgerichtshof Mannheim die tierschutzrechtliche Verfügung des Landratsamtes Sigmaringen in vollem Umfang für rechtmässig. Da aus Sicht der Verwaltung und der Polizei alle friedlichen Wege ausgeschöpft waren und Kompromisse nicht angenommen wurden, wurde nach rund dreieinhalb Jahren der Auseinandersetzung die Wegnahme der Tiere in die Wege geleitet. (kle/sda)

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