Zusätzliches Etikett: Frau findet Hilferuf einer Primark-Näherin in Kleid
Aktualisiert

Zusätzliches EtikettFrau findet Hilferuf einer Primark-Näherin in Kleid

Als eine Primark-Kundin in ihrem 15-Franken-Kleid eingenäht die Notiz einer Arbeiterin findet, schwört sie sich, das Sommerkleid nie anzuziehen.

von
kko

Westliche Bekleidungsketten locken ihre Kunden mit billiger Ware und einem häufig wechselnden Sortiment. Dass die sogenannte Wegwerfmode oft unter miserablen Arbeitsbedingungen produziert wird und deshalb so günstig ist, ist in der Umkleidekabine meist kein Thema.

Auch die Britin Rebecca Gallagher fand eine volle Einkaufstüte für wenig Geld toll. Ihr letztes Schnäppchen: ein rot geblümtes Sommerkleid für 15 Franken von Primark. Als sie es einmal waschen will, erfährt sie überraschend, unter welchen Bedingungen das Stück offenbar hergestellt wurde.

Sie habe nach der Waschanleitung gesucht und sei dabei auf ein Etikett gestossen, das zwischen die anderen genäht worden war, sagt sie der Zeitung Southwales Evening Post. Darauf stand in Handschrift: «Forced to work for exhausting hours» (dt.: «gezwungen, stundenlang bis zur Erschöpfung zu arbeiten»).

Kundin schwört, das Kleid nie wieder anzuziehen

«Ich habe mir ehrlich gesagt nie wirklich Gedanken darüber gemacht, wie die Kleider produziert werden», sagt die Mutter einer dreijährigen Tochter. Der Hilferuf habe sie nun sehr nachdenklich gemacht.

Sie hat sich geschworen, das Primark-Kleid nie wieder zu tragen, weil sie sich schuldig fühle: «Der Gedanke, dass sich eine übermüdete Arbeiterin dafür in einem Sweatshop irgendwo in einem fernen Land quälen musste, ist fürchterlich.»

Dies sei ein Einzelfall, sagte ein Sprecher des Textildiscounters mit Hauptsitz in Dublin der Zeitung. Gallagher solle das Sommerkleid zurückbringen, damit abgeklärt werden könne, ob der Sache weiter nachgegangen werden müsse.

Die schlechten Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie machen immer wieder Schlagzeilen. Erst vor gut einem Jahr stürzte etwa die Rana-Plaza-Fabrik in Bangladesch ein. Bei dem Unglück starben 1135 Menschen, mehr als 2500 wurden verletzt. Auch Primark liess dort Kleidung produzieren.

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