Wintereinbruch: Frau Holle freut den Detailhandel
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WintereinbruchFrau Holle freut den Detailhandel

Seit gestern liegt die Schweiz unter einer Schneedecke. Das freut nicht nur Hoteliers und Skiliftbetreiber. Auch der Detailhandel frohlockt ob der weissen Pracht: Temperaturstürze kurbeln das Wintergeschäft an und die ersten Flocken bringen die Konsumenten in Weihnachtsstimmung.

von
Sandro Spaeth

Endlich ist der Winter da. Sogar im Flachland bleiben da und dort einige Zentimeter Neuschnee liegen. Das freut auch den Detailhandel: «Der Schnee wirkt sich sensationell auf das Weihnachtsgeschäft aus», sagt der Detailhandelsexperte Gotthard F. Wangler. Eventuell komme er aber etwas zu spät, um bisher verpasste Umsätze aufzuholen. Bis jetzt liegt laut Wangler insbesondere der Textilbereich im Rückstand. «Wer will denn bei Temperaturen von über zehn Grad schon Wintermäntel oder Handschuhe kaufen?»

Mit den Flocken kommt die Weihnachtsstimmung

Erleichtert über den Wintereinbruch ist auch der Schweizer Detaillistenverband: «Mit den ersten Flocken kommt Weihnachtsstimmung auf», sagt Geschäftsführer Max Buholzer. Eine weisse Vorweihnachtszeit stimme die Konsumenten positiv in Bezug auf den Geschenkeinkauf. Buholzer: «Schnee und Weihnachten gehören in unseren Breitengraden zusammen wie Osterhase und Schokolade.»

Auch die Kaufhäuser Loeb in Bern und Globus in Zürich sowie Manor zeigen sich erfreut: Für sie bedeuten Schneefälle der eigentliche Start fürs Weihnachtsgeschäft. «Mit dem Wintereinbruch wird die weihnächtliche Stimmung spürbar, was sich mit Sicherheit auch auf das Kaufverhalten auswirken wird», sagt Globus-Mediensprecher Jürg Welti. Der Start in das Weihnachtsgeschäft sei jedenfalls erfreulich verlaufen. Ähnlich tönt es bei Manor: «Wir hoffen das gute Resultat aus dem Vorjahr wiederholen zu können», sagt Manor-Sprecherin Elle Steinbrecher. Je mehr man sich dem 24. Dezember nähere, desto wichtiger seien die Umsätze für ein erfolgreiches Weihnachtsgeschäft.

Dass die Leute ihre Weihnachtskäufe immer später tätigen, bestätigt auch das Berner Kaufhaus Loeb. «Das Weihnachtsgeschäft hat sich in den letzten Jahren stärker auf den Monat Dezember verschoben», sagt Loeb-Sprecherin Madeleine Elmer.

Die Sportartikelbranche dankt Frau Holle

Freude über die Schneefälle herrscht zudem bei den Anbietern von Wintersportausrüstung: «Es ist für uns wichtig, dass sich die Leute noch vor Weihnachten mit dem Thema Wintersport beschäftigen», sagt Christian Gisi von der Mammut Sports Group. Schnee bis vor der Haustüre sei der beste Treiber. Laut Gisi gibt es im Kaufverhalten einen klaren Unterschied, ob die Medien nur von guten Schneeverhältnissen in den Bergen berichteten, oder ob auch im Flachland vor dem Fenster alles weiss ist.

Dass der Wintereinbruch das Geschäft beflügelt, glaubt auch Adrian Albrecht von Stöckli Swiss Sports: «Je länger der Schnee liegen bleibt, desto besser. Für unser Geschäft sind winterliche Verhältnisse deutlich wichtiger als konjunkturelle Einflüsse.» Der Schnee kommt auch den Fachmärkten SportXX der Migros gelegen: «Das warme Wetter führte bis jetzt eher zu einer verhaltenen Einkaufsstimmung im Wintersportartikel-Bereich», sagt Migros-Sprecherin Monika Weibel. Mit dem Weihnachtsgeschäft ist sie aber bisher zufrieden: «Es kommt in der Regel erst kurz vor Weihnachten so richtig in Schwung.»

Verkäufe auf Vorjahresniveau sind ein Erfolg

Trotz Schneefall erwartet Detailhandelsexperte Wangler aber kein rekordverdächtiges Weihnachtsgeschäft: «Das untere Preissegment läuft derzeit zwar gut. Bei Einkäufen ab 500 Franken sind die Konsumenten aber immer noch vorsichtig.» Weil die Umsätze im unteren Bereich zunehmen, rechnet der Detailhandelsexperte damit, dass die Branche die ausbleibenden Käufe im Hochpreissegment kompensieren kann. «Erreicht ein Händler im Weihnachtsgeschäft Umsätze auf Vorjahresniveau, ist das bereits ein Erfolg.» Ähnlich sieht es der Detaillistenverband: «Die Erwartungen für das aktuelle Weihnachtsgeschäft sind mittelprächtig», sagt Buholzer. Für die Detailhändler gelte es bezüglich der Erwartungen auf dem Boden zu bleiben, denn die Verunsicherung wegen der Wirtschaftslage mahne die Konsumenten berechtigterweise zum Sparen.

Teilweise bereits Ausverkauf

Anderes als in den Vorjahren sind einige Kaufhäuser wegen des lange viel zu warmen Wetters bereits nervös geworden und sind in die Offensive gegangen, denn der «amtlich bewilligte Ausverkauf» ab einem festgelegten Datum ist längst abgeschafft. Noch hängen zwar keine Ausverkaufschilder, doch die Preise wurden bereits reduziert, oder es werden Gutscheine verteilt. So hat beispielsweise Jelmoli erstmals ein Weihnachtsmarkt mit Produkten zu reduzierten Preisen aufgebaut und bei Manor erhalten Kunden bei einem Einkauf von 100 Franken einen Gutschein über 20 Franken. Wangler: «Weil der Kunde den Franken nur einmal ausgeben kann, fürchten einige Kaufhäuser, sie kämen zu spät und haben die Preise bereits jetzt gesenkt.» Damit verschenkten sie aber ihre Marge. Zudem ist Wangler überzeugt: «Ein einheitlicher Ausverkaufsbeginn ist im Sinn des Konsumenten.» In den meisten Kaufhäusern beginnt er am 28. Dezember.

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