Todsicherer Job: Frau Krummenacher lässt Steine regnen
Aktualisiert

Todsicherer JobFrau Krummenacher lässt Steine regnen

Barbara Krummenacher löst Steinschläge aus – mit voller Absicht und zum Schutz der Allgemeinheit. 20 Minuten war mit der Umweltingenieurin unterwegs.

von
Santina Russo

Für die Umweltingenieurin Barbara Krummenacher steht heute der Sturz eines acht Tonnen schweren Betonbrockens auf dem Programm. Auffangen wird diesen ein Netz aus Stahlseilen, das künftig Häuser, Strassen oder Gleise vor Steinschlägen schützen soll.

Als Leiterin der Prüfstelle für solche Schutznetze wacht Krummenacher darüber, dass diese tatsächlich halten, was sie versprechen. Im Versuchsgelände der Forschungsanstalt WSL – einem alten Steinbruch oberhalb des Walensees – baumelt an einem Kran bereits der Test-Betonblock. 35 Meter darunter ist das Netz montiert, das heute zur Prüfung antritt. Hochgeschwindigkeitskameras, die den Aufprall filmen, sowie ein Messsystem, das die Kräfte erfasst, sind in Position.

Die Umweltingenieurin und ihr Team warten in sicherer Distanz. Dann fällt der Brocken – beinahe anmutig. Und kracht mit Wucht ins Netz. Dieses schreit und knirscht, bleibt aber ganz. Er ist nun trichterförmig deformiert. «Das heisst nicht, dass die Konstruktion versagt hat», sagt Krummenacher. Sie klettert ins Netz, um die Schäden zu begutachten. Angst hat die Schwindelfreie dabei keine. In 15 Metern Höhe auf den Stahlseilen balancierend fühlt sie sich genau so sicher wie auf festem Boden – selbst bei Regen, Schneefall oder Sturm. Schlechtes Wetter macht der fitten Frau nichts aus. Im Gegenteil: «Immer nur im Büro zu sitzen, wäre für mich eine Tortur», sagt sie. Sie geniesst es, ein bis zwei Tage pro Woche für Feldversuche draussen zu sein. Für die Auswertung des Einschlags geht es dennoch zurück ins Büro. Dort ergibt ihre Analyse: Das Schutznetz hat bestanden.

So sieht es auf der Versuchsanlage für Steinschlagschutzbauten in Walenstadt aus. (Video: Youtube/Eidg. Forschungsanstalt WSL)

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