09.05.2018 19:33

Rettende OPFrau läuft Hirnflüssigkeit statt Rotz aus der Nase

Hinter Kendra Jacksons laufender Nase vermuteten Ärzte eine Allergie. Zu Unrecht! Auslöser war ein Loch zwischen Nase und Gehirn.

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Kendra Jackson aus dem US-Bundesstaat Nebraska kann endlich wieder lachen: Die Zeiten, in denen sie unter heftigen Kopfschmerzen, Schlafstörungen und einer dauernd tropfenden Nase litt, sind vorbei.

Kendra Jackson aus dem US-Bundesstaat Nebraska kann endlich wieder lachen: Die Zeiten, in denen sie unter heftigen Kopfschmerzen, Schlafstörungen und einer dauernd tropfenden Nase litt, sind vorbei.

Facebook.com/Nebraska Medicine
Mehrere Jahre schickten sie verschiedene Ärzte mit der Erklärung weg, alle Leiden gingen auf eine Allergie zurück. Erst Mediziner um Rhinologin Christie Barnes vom Nebraska Medical Center in Omaha fanden die eigentliche Ursache.

Mehrere Jahre schickten sie verschiedene Ärzte mit der Erklärung weg, alle Leiden gingen auf eine Allergie zurück. Erst Mediziner um Rhinologin Christie Barnes vom Nebraska Medical Center in Omaha fanden die eigentliche Ursache.

Facebook.com/Nebraska Medicine
Der vermeintliche Rotz war gar keiner. Vielmehr handelte es sich dabei um Liquor cerebrospinalis, auch Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit genannt, das all die Jahre durch ein kleines Loch zwischen Schädel und Nasenlöchern ausgetreten war.

Der vermeintliche Rotz war gar keiner. Vielmehr handelte es sich dabei um Liquor cerebrospinalis, auch Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit genannt, das all die Jahre durch ein kleines Loch zwischen Schädel und Nasenlöchern ausgetreten war.

Facebook.com/Nebraska Medicine

Mehrere Jahre wagte sich Kendra Jackson nicht ohne einen grossen Vorrat an Taschentüchern vor die Tür, ihre Nase lief ununterbrochen. «Es war wie ein kontinuierlicher Wasserfall und dann lief es mir in den Rachen», so die Amerikanerin zum TV-Sender KETV-7 ABC.

Obwohl die tröpfelnde Nase von heftigen Kopfschmerzen und Schlafstörungen begleitet wurde, tippten ihre Ärzte immer wieder auf eine Allergie als Auslöser. Über Jahre hinweg. Jackson aber vermutete eine andere Ursache ihrer Leiden.

Von wegen Allergie

Wie richtig sie damit lag, zeigte sich bei einem Besuch des Nebraska Medical Centers in Omaha. Die dortigen Hals-, Nasen- und Ohrenärzte schauten sich den vermeintlichen Rotz genauer an und identifizierten ihn als Liquor cerebrospinalis (siehe Box), von dem Jackson täglich rund 237 Milliliter verloren hatte.

Zum Vergleich: Das Gehirn produziert etwa 503 Milliliter pro Tag.

Woher die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit stammte, förderten weitere Untersuchungen zutage. Dabei stiessen die Ärzte zwischen Jacksons Schädel und Nasenlöchern auf ein kleines Loch, durch das die Flüssigkeit kontinuierlich austrat.

Problem erkannt, Gefahr gebannt

Um Jackson ein für alle Mal von ihrem Leiden zu befreien, schloss das Team um Rhinologin Christie Barnes und Neurologe Dan Surdell das Leck im Kopf mit Jacksons eigenem Fettgewebe. Dabei operierten sie durch deren Nase – mit Erfolg. Wie das Spital mitteilt, dürfte sich die Patientin wieder vollständig erholen.

Wie es zu dem Loch gekommen ist, ist nicht ganz geklärt. Doch Jackson hat einen Verdacht. Sie geht davon aus, dass es mit einem Autounfall im Jahr 2013 zusammenhängt, bei dem sie mit dem Gesicht auf das Armaturenbrett geknallt war. Passen könnte das, schliesslich ist die mit Abstand häufigste Ursache einer Liquorrhö eine Schädelbasisfraktur.

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Was tropfte Jackson aus der Nase?

Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit genannt. Diese umgibt sowohl Gehirn als auch Rückenmark (Zentrales Nervensystem, ZNS) und schützt es unter anderem vor Erschütterungen. Auch am Stoffwechsel der ZNS-Nervenzellen ist sie beteiligt.

Liquorrhö. Unbehandelt kann eine solche zu einer lebensbedrohlichen bakteriellen Meningitis führen. Dass es sich bei der aus der Nase laufenden Flüssigkeit um Liquor cerebrospinalis handelt, erkennt man laut Livescience.com an einem metallischen Geschmack.

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