Frau mit Gefühl
Aktualisiert

Frau mit Gefühl

Die Schweizer Regisseurin Anna Luif kommt mit «Little Girl Blue» in die Kinos.

Text -- Benjamin Bögli

«Endlich einer, der drauskommt!», sagt Anna Luif. Damit meint die 31-Jährige den Kritiker des amerikanischen Branchenblattes «Variety», der ihren Film «Little Girl Blue» in hohen Tönen lobte. Von einer «knackigen Inszenierung» und einem «überdurchschnittlichen Schweizer Film» ist im betreffenden Artikel die Rede. Die in Zürich aufgewachsene Ungar-Schweizerin Luif hat also bereits mit ihrem ersten langen, in Mundart gesprochenen Spielfilm international auf sich aufmerksam gemacht.

Konkret heisst das: Einen Auszug aus ihrem neuen Drehbuch mit dem Arbeitstitel «Simona» hat sie eben an einen interessierten kalifornischen Produzenten geschickt. Zurück aber zu ihrem aktuellen Werk «Little Girl Blue»: Inwiefern muss man bei diesem Film denn «drauskommen»? «Man muss die Emotionalität, die von mir drinsteckt, begreifen», erklärt die Regisseurin.

Tatsächlich steckt «Little Girl Blue» voller Emotionen: Es geht um eine Familie, die in eine Siedlung am Stadtrand zieht. Sowohl die Tochter als auch ihre Eltern geraten im neuen Umfeld in einen Strudel von Irrungen und Wirrungen in Sachen Liebe. Den Ausdruck von Gefühlen sieht Luif zugleich auch als grösste Herausforderung: «Es gibt kein Handbuch, in dem man nachschlagen kann, wie dies zu tun ist, Grenzen gibts keine – beim Drehbuchschreiben eine sehr schwierige Sache.»

Der zu Beginn erwähnte «Variety»-Kritiker ist allerdings bei weitem nicht der Einzige, der Luifs Streifen versteht. Mit ihrem Kurzfilm «Summertime» filmte sie sich im Jahr 2000 in die Herzen internationaler Jurys und wurde mehrfach ausgezeichnet. «Little Girl Blue» reichte es bisher ausser zum Suisa-Musikpreis noch zu keiner Auszeichnung, obwohl der Film an verschiedenen Festivals gezeigt wurde. Ein erfolgreicher Film braucht in erster Linie jedoch nicht Preise, sondern Publikum. Und darauf achtet Luif: «Beim Schreiben frage ich mich, welcher Dialog oder welche Idee das Publikum interessieren könnte. Das ist selbstverständlich. Schliesslich möchte ich im Kino auch mit spannender Fiktion unterhalten werden.»

Grossen Wert legt die Ex-Rosebud-Sängerin und -gitarristin auch auf die Musik und setzt diese wo immer möglich in ihren Filmen ein. Wie auch den Volvo. Bitte? «Volvo finde ich cool. Ich werde in jedem meiner Filme, falls ein Auto geplant ist, einen Volvo einsetzen», verspricht Luif, die übrigens ganz gerne auch Werbefilme drehen würde, spontan aus dem Bauch heraus.

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