Diebesgut im Wert von 2 Mio. Euro – Frau mit Schweizer Pass klaut 45 Weinflaschen – Polizei fahndet nach ihr

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Diebesgut im Wert von 2 Mio. EuroFrau mit Schweizer Pass klaut 45 Weinflaschen – Polizei fahndet nach ihr

Ein Raubüberfall «wie im Film» – so beschreibt es einer der Besitzer eines Restaurants mit edlem Weinkeller in Spanien. Seine teuersten Flaschen waren plötzlich verschwunden.

von
Karin Leuthold
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Aus diesem Weinkeller im Restaurant Atrio in der spanischen Stadt Cáceres verschwanden am 26. Oktober 45 Weinflaschen.

Aus diesem Weinkeller im Restaurant Atrio in der spanischen Stadt Cáceres verschwanden am 26. Oktober 45 Weinflaschen.

Screenshot restauranteatrio.com
Das Diebesgut hat einen Wert von zwei Millionen Euro.

Das Diebesgut hat einen Wert von zwei Millionen Euro.

Screenshot restauranteatrio.com
Rund 45'000 «Juwelen» sind im Keller der Hotelanlage mit Restaurant gelagert.

Rund 45'000 «Juwelen» sind im Keller der Hotelanlage mit Restaurant gelagert.

Screenshot restauranteatrio.com

Darum gehts

  • Eine Frau mit Schweizer Ausweis lenkte den Nachtwächter eines Restaurants mit einer Ausrede ab.

  • Dann holte sie 45 Weinflaschen aus dem Keller und verschwand wenig später.

  • Die Besitzer trauern um eine einzigartige Flasche, die alleine 350’000 Euro kostet.

Die Frau wirkte äussert sympathisch und nett, legte einen Schweizer Ausweis vor - und verschwand Stunden später mit 45 Weinflaschen im Wert von rund zwei Millionen Euro. Die zwei Besitzer des Restaurants Atrio in der Ortschaft Cáceres, rund drei Autostunden westlich von Madrid, wurden Opfer eines Raubüberfalls, der spektakulärer nicht hätte sein können.

Das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Restaurant beherbergt eine der besten Weinsammlungen Spaniens. Rund 45'000 «Juwelen» sind im Keller der Hotelanlage mit Restaurant gelagert - darunter eine Flasche Chateau d'Yquem aus dem Jahr 1806, die auf der Karte von Sommelier José Polo und seinem Lebenspartner, Chef Toño Pérez, für 350'000 Euro angeboten wird.

Diebe verhielten sich wie alle anderen Gäste

Vergangenen Dienstagabend kam eine Frau ins Hotel. Sie buchte ein Zimmer, reservierte einen Tisch im Restaurant. An der Rezeption zeigte sie ihren Schweizer Ausweis, sie hatte nur einen Rucksack dabei. Mit der Hotelangestellten sprach sie Englisch, laut der Zeugin mit britischem Akzent. Die Mitarbeiterin vermutet, dass die Diebin eine Perücke trug.

Im Restaurant gab die Frau an, dass sie noch einen Freund zum Essen erwarte. José Polo begrüsste am Abend seine Gäste am Tisch, «wie ich es üblicherweise mache», sagt er. Die Touristen lobten die Küche und zeigten sich «von den unterschiedlichen Geschmäckern der Gerichte überrascht». Gegen 23.30 Uhr liessen sie sich vom Besitzer den exklusiven Weinkeller zeigen - etwas, das wegen der prestigeträchtigen Weinkollektion üblich ist, wie José Polo sagt. «Sie machten dabei keine besondere Bemerkung, sie stellten keine Fragen.»

«Es war wie im Film»

Um 1.30 Uhr in der Früh meldete sich die Frau bei der Rezeption. Zu dieser Zeit ist nur noch ein Nachtwächter sowohl für die Gäste wie auch für die Sicherheit des Hotels zuständig. Das Paar gab an, noch hungrig zu sein. Der Nachtwächter antwortete, dass die Küche leider schon geschlossen sei, aber die Frau bestand darauf, dass sie trotz schmackhafter Mahlzeit noch etwas zum Knabbern wünsche. Und weil «es unsere Politik ist, einem Kunden niemals nein zu sagen», bot der Nachtwächter dem Paar an, einen Salat vorzubereiten. Mit einem Dessert dazu wäre es klasse, meinte die freundliche Schweizerin.

Während der Nachtwächter in der Küche beschäftigt war, müssen die Frau und ihr Komplize in den Weinkeller gegangen sein. Dabei wussten sie laut José Polo ganz genau, was sie suchten. Denn er vermisst nicht nur die teure Flasche aus 1806, sondern sechs weitere edle Château d'Yquem sowie 38 Romanée Conti. Der Hotelbesitzer vermutet, dass die Diebe im Auftrag eines kapriziösen Millionärs handelten. «Das war ein sauberer, vorsätzlicher und perfekt organisierter Anschlag», glaubt Polo. «Es war wie im Film», sagt der Spanier zu 20 Minuten.

Besitzer glaubt nicht, dass die Flasche wieder auftaucht

Kurz nach fünf Uhr morgens standen die beiden bereits an der Rezeption, um auszuchecken. Sie bezahlten mit einer Prepaid-Kreditkarte und verliessen das Hotel, das zur Kette Relais & Châteaux gehört. Als Gepäck hatten sie allerdings nun mehrere Taschen dabei, in denen sie vermutlich das Diebesgut vorsichtig verpackt hatten, um durch die engen Gassen des historischen Zentrums von Cáceres zu flüchten. Doch erst am nächsten Tag zur Mittagszeit fiel einem der Sommeliers auf, dass die besten Flaschen im Keller fehlten.

Drei Tag lang arbeitete eine Einheit der Polizei für Spezial- und Gewaltkriminalität von Madrid im Restaurant Atrio. Sie beschlagnahmten Unterlagen und die Aufnahmen der Überwachungskamera, befragten das Personal. So viel weiss man bisher: Das kriminelle Duo hatte nur zwischen zehn und 15 Minuten Zeit, um die wertvollsten Flaschen im Keller zu holen. Sie arbeiteten im Dunkeln, vermutlich mit einer Taschenlampe. Dann brachten sie die Flaschen in mehreren Säcken auf das Zimmer.

José Polo und sein Partner Toño Pérez trauern vor allem um den legendären Château d'Yquem, der einzige Wein mit der Bezeichnung «Premier Grand Cru Classé Supérieur». Die Eigentümer des Atrio ersteigerten die Flasche im Jahr 2000. Beim Transport wurde der Flaschenhals beschädigt. «Wir mussten zur Weinkellerei nach Bordeaux reisen, um sie zu reparieren». Für den Verlust findet Polo keinen Trost. «Nicht, dass ich diesen Wein jemals getrunken hätte. Die Flasche hat einen symbolischen Wert. Das Objekt und seine Geschichte sind wichtig für mich», sagt Polo weiter zu 20 Minuten. Er glaubt nicht, dass die Flasche wieder auftauchen wird.

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