Louisiana: Frau muss Vergewaltiger Kindergeld zahlen und Sorgerecht überlassen
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LouisianaFrau muss Vergewaltiger Kindergeld zahlen und Sorgerecht überlassen

Ein Urteil in den USA sorgt für Schlagzeilen: Eine 32-jährige Amerikanerin, die mit 15 vergewaltigt wurde und ein Kind bekam, muss nach 17 Jahren dem Kindsvater das Sorgerecht für ihre Tochter abtreten und Unterhaltszahlungen leisten.

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Das Opfer: Crysta Abelseth wurde mit 16 nach einer Vergewaltigung Mutter.

Das Opfer: Crysta Abelseth wurde mit 16 nach einer Vergewaltigung Mutter.

Screenshot Youtube/ wbrz.com
Der Täter: Als John Barnes erfuhr, dass er eine Tochter gezeugt hatte, begann er, um das Sorgerecht zu kämpfen.

Der Täter: Als John Barnes erfuhr, dass er eine Tochter gezeugt hatte, begann er, um das Sorgerecht zu kämpfen.

Screenshot Youtube/ wbrz.com
Ein DNA-Test ergab eine 99,7-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass Barnes der Kindsvater ist.

Ein DNA-Test ergab eine 99,7-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass Barnes der Kindsvater ist.

Screenshot Youtube/ wbrz.com

Darum gehts

Crysta Abelseth war 16 Jahre alt, als sie 2005 nach einem fröhlichen Abend mit Freundinnen in Hammond im US-Bundesstaat Louisiana ins Auto eines Mannes stieg, der ihr angeboten hatte, sie nach Hause zu fahren. Doch John Barnes, damals 30 Jahre alt, hatte anderes im Sinn: Er fuhr mit dem angetrunkenen Teenager zu seinem eigenen Haus und vergewaltigte sie auf der Couch im Wohnzimmer. 

Abelseth zeigte Barnes nicht an. Später stellte sich heraus, dass sie schwanger war. «Alle dachten, ich sei von meinem Freund schwanger», sagt sie gegenüber Wbrz.com, «und ich liess sie in dem Glauben.» Die junge Frau brachte ein gesundes Mädchen zur Welt, das dann bei der Mutter lebte. Doch als das Mädchen fünf Jahre alt war, erfuhr Barnes von dessen Existenz, und versuchte laut Abelseth, ihr das Kind wegzunehmen. Ein DNA-Test ergab mit 99,7 Prozent Sicherheit, dass Barnes der biologische Vater des Mädchens war. Obwohl zum Zeitpunkt der Zeugung 2005 auch einvernehmlicher Sex illegal gewesen wäre – in Louisiana ist das Schutzalter 17 – erstritt Barnes vor Gericht ein 50/50-Sorgerecht für die Kleine.

Zehn Jahre nach der Tat zeigte Abelseth ihren Vergewaltiger schliesslich an. «Ich kannte die Gesetze nicht und hatte gedacht, ich hätte die Tat damals sofort melden müssen. Doch in der Trauma-Beratung erklärte man mir, dass ich dafür 30 Jahre Zeit hatte», so die heute 32-Jährige. Die Anzeige blieb bis heute, sieben Jahre nach Einreichung, unbearbeitet. Beim zuständigen Sheriff’s Office im Tangipahoa Parish sagte man Abelseth, die Akte sei «in Bearbeitung». Doch gemäss ihr wurde der Fall nie einem Ermittler zugewiesen.

Die Justiz im ländlichen Louisiana kann allerdings auch schneller: In diesem Jahr erhielt Barnes das volle Sorgerecht für seine Tochter. Dies geschah, nachdem der biologische Vater erfahren hatte, dass Abelseth seiner Tochter ein Handy gekauft hatte. Zudem wurde sie zu Unterhaltszahlungen verurteilt.

Vergewaltiger macht Geschäfte mit der Polizei

Sie glaubt den Grund für das eigenartige Urteil zu kennen: «Er hat beste Verbindungen», sagt sie über Barnes. «Er hat mir mehrfach gedroht, er kenne wichtige Leute im Justizsystem und ich sei besser vorsichtig, sonst könne er mir die Tochter jederzeit wegnehmen.» Sie habe ihm nicht geglaubt, bis es schliesslich passiert sei. In der Tat hat Barnes’ Firma Gumbeaux Digital aus Ponchatoula, die im Bereich Digital Branding aktiv ist, diverse wichtige Kunden, darunter die lokale Polizei.

Nun ist Abelseth mit dem Fall weitergezogen und möchte ihre 16-jährige Tochter – so alt war sie selbst, als sie Barnes begegnete – zurückhaben. Im Juli soll eine Anhörung dazu stattfinden.

Für Stacie Triche von der Organisation Save Lives, die Abelseth rechtlich unterstützt, ist das jüngste Urteil ein Hohn. «Sie wurde gezwungen, ihrem Peiniger Geld zu zahlen und das Sorgerecht für ein Kind aufzugeben, welches das Resultat einer Vergewaltigung ist. Das macht keinerlei Sinn.» 

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio und bei den UPK Basel.

(trx)

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