Aktualisiert 11.01.2012 16:04

Prozess in ZürichFrau musste sieben Tage pro Woche auf Strich

Ein Ungar und seine Freundin haben eine Landsfrau mit üblen Methoden zur Prostitution gezwungen. Das Bezirksgericht Zürich verurteilte sie zu je 36 Monaten Freiheitsstrafe.

von
fum/sut
Der Angeklagte hat eine Landsfrau während Monaten zur Prostitution gezwungen.

Der Angeklagte hat eine Landsfrau während Monaten zur Prostitution gezwungen.

Das Bezirksgericht Zürich hat am Mittwochnachmittag ein ungarisches Paar zu einer Freiheitsstrafe von je 36 Monaten verurteilt - wegen Förderung der Prostitution. Für die Richter ist erwiesen, dass der 29-jährige Ungare K.O.* im Jahr 2010 die damals 19-jährige P.V.* unter Vortäuschung von falschen Tatsachen nach Zürich geholt und sie zum Anschaffen gezwungen hat. Seine Lebenspartnerin I.B.* leistete dabei Beihilfe.

K.O. lernte das mutmassliche Opfer 2009 in der gemeinsamen Heimat kennen. Er habe vorgetäuscht, sie zu lieben und sie mit falschen Versprechen nach Zürich gelockt. Dort erwartete P.V. aber alles andere als traute Zweisamkeit: Sogleich liess er ihr die wichtigsten Regeln im Zürcher Rotlichtmilieu erklären und zwang sie fortan, sieben Tage die Woche während jeweils ca. zwölf Stunden pro Tag anzuschaffen.

Mann aus Haft entlassen

Dabei habe K.O., der in Ungarn mit verschiedenen Frauen vier Kinder hat, die junge Frau streng überwacht: Mithilfe seiner Freundin I.B. informierte er sich stets genau über die Einnahmen und Kontakte von P.V. Verweilte sie zu lange auf ihrem Zimmer, trieb er sie dazu an, wieder auf die Strasse zu gehen. Unter Androhung von Schlägen habe er ihr vorgeschrieben, in welchem Gebiet sie zu stehen habe. Auch den Kontakt zu Landsleuten und gar zu ihren Familienmitglieder habe er stark eingeschränkt. Zudem habe er praktisch alle Einnahmen der Frau konfisziert und für sich und seine Lebenspartnerin verwendet.

Der Angeklagte war geständig. Auf die Frage des Richters, ob er sich schuldig fühle, antwortete er im Gerichtsaal kurz und knapp: «Ja.» Das Gericht folgte in seinem Urteilsspruch dem Antrag der Staatsanwaltschaft. 18 der 36 Monate wurden bedingt ausgesprochen. Weil K.O. bereits seit Juni 2010 inhaftiert ist, wird er das Gefängnis bereits morgen verlassen können. Seine Freundin bleibt noch bis Mai 2012 hinter Gittern.

* Namen der Redaktion bekannt

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