Frau öffentlich hingerichtet: Türke will sich an nichts erinnern

Aktualisiert

Frau öffentlich hingerichtet: Türke will sich an nichts erinnern

Vor dem Basler Strafgericht steht ein 56-jähriger Mann, der am 10. Juni 2004 auf dem Basler Marktplatz seine Ehefrau mit vier Schüssen getötet hat. Die Anklage lautet auf Mord. Der Angeklagte gibt an, sich nicht an die Tat erinnern zu können.

Die Tat, die sich mitten am Vormittag eines Wochentags auf dem belebten Marktplatz ereignet hatte, erregte grosses Aufsehen. Den tödlichen Schüssen war eine Auseinandersetzung vorangegangen, die Passanten beobachtet hatten. Die Schüsse fielen dann in der Telefonkabine am oberen Ende des Platzes.

Keine Erinnerung an Tat

Er habe seine Frau nicht töten wollen, sagte der Angeklagte vor Gericht. An die Schüsse könne er sich nicht erinnern. Gemäss seinen Aussagen vor Gericht war es in der langjährigen Ehe nie zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Seine Frau, die ihn wegen tätlicher Angriffe und Todesdrohungen angezeigt hatte, habe gelogen.

Die Pistole habe er gekauft, um sich selbst umzubringen, sagte er vor Gericht. Als er seine Frau auf dem Marktplatz angetroffen habe, habe er mit ihr reden wollen. Er habe versucht, ihr gut zuzureden, und sie angefleht, zu ihm zurückzukehren. Die Frau habe ihn daraufhin angeschrien. Er selbst habe nicht geschrien.

Das Paar hatte damals seit einem knappen halben Jahr getrennt gelebt. In der Voruntersuchung hatte der Angeklagte gesagt, er habe der Frau nicht Unterhalt bezahlen wollen und keine andere Möglichkeit gesehen, als sie zu töten.

Frühere Aussagen zurückgenommen

Diese und andere Aussagen, mit denen er sich in der Voruntersuchung selbst belastet hatte, stellte er nun in Abrede. Als ihn der Gerichtspräsident mehrmals fragte, ob er nach der Tat seine tote Ehefrau wahrgenommen habe, sprach er von den Armschmerzen, die ihm die Polizisten bei der Verhaftung zugefügt hätten.

Sich ein Foto des Opfers anzuschauen lehnte der Mann ab. Er wisse nicht, ob er das ertragen könne, sagte er unter Tränen. Er habe seine Frau sehr geliebt. Der Angeklagte stammt aus der Türkei und lebt seit 1985 in der Schweiz. Aus der Ehe sind fünf jetzt erwachsene Kinder hervorgegangen.

Am Donnerstag wird der Prozess mit den Plädoyers fortgesetzt. Das Urteil wird auf Freitag erwartet. (dapd)

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