Aktualisiert 18.04.2019 13:59

Wütende Passagierin

Frau reserviert Flixbus-Sitz und wird abserviert

Eine Flixbus-Passagierin hat vergeblich um ihren reservierten Platz gekämpft. Die Chauffeure haben stattdessen einen Gast unterstützt, der den Sitz belagert hat.

von
B. Zanni
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Die 21-jährige S. L.* reservierte für ihre Reise nach Würzburg mit Flixbus einen Sitzplatz mit Beinfreiheit. «Doch als ich den Sitzplatz vor der Abfahrt in Zürich beziehen wollte, war dieser schon besetzt», sagt die Pflegefachfrau.

Die 21-jährige S. L.* reservierte für ihre Reise nach Würzburg mit Flixbus einen Sitzplatz mit Beinfreiheit. «Doch als ich den Sitzplatz vor der Abfahrt in Zürich beziehen wollte, war dieser schon besetzt», sagt die Pflegefachfrau.

Privat
Die Fahrt im Bus N24 nach Würzburg, wo sie ihren Freund besuchte, verbrachte L. darauf auf einem engen Sitzplatz.

Die Fahrt im Bus N24 nach Würzburg, wo sie ihren Freund besuchte, verbrachte L. darauf auf einem engen Sitzplatz.

Leser-Reporter
Laut Flixbus-Sprecher David Krebs will Flixbus die betreffenden Fahrer aufgrund des Vorfalls nochmals auf die korrekten Serviceabläufe aufmerksam machen und sensibilisieren.

Laut Flixbus-Sprecher David Krebs will Flixbus die betreffenden Fahrer aufgrund des Vorfalls nochmals auf die korrekten Serviceabläufe aufmerksam machen und sensibilisieren.

Keystone/Walter Bieri

Vor einer siebenstündigen Fahrt eingequetscht zwischen Passagieren wollte sich Leserin S. L.* am Dienstagabend verschonen. Die 21-Jährige reservierte für ihre Reise nach Würzburg mit dem Flixbus deshalb einen Sitzplatz mit Beinfreiheit. «Doch als ich den Sitzplatz vor der Abfahrt in Zürich beziehen wollte, war dieser schon besetzt», sagt die Pflegefachfrau.

Eine junge Deutsche belegte laut L. den Platz, weil sie neben ihrem Freund sitzen wollte. «Ich machte das Paar höflich darauf aufmerksam, dass ich den Platz reserviert hatte und sie doch bitte woanders Platz nehmen sollten», sagt L. Das habe aber nichts genützt. «Das Paar wurde laut und bestand darauf, dass in Flixbussen freie Sitzplatzwahl herrsche.»

Mussten auch Sie schon um Ihren reservierten Sitzplatz kämpfen? Berichten Sie uns davon hier:

«Der Fahrer schaute mich böse an»

Nach der Auseinandersetzung liess L. ihre Sitzplatzreservation von einem der beiden Fahrer bestätigen. «Als ich den einen Fahrer auf meinen immer noch besetzten Platz hinwies, schaute er mich böse an und sagte: ‹Suchen Sie sich doch im hinteren Teil einen Sitzplatz.›» L. schäumt vor Wut: «Was ist das für eine Schweinerei, bitte schön? Man bucht extra einen Platz und wird dann so abserviert?» Die Reservation habe zwar nur 5 Euro** gekostet. Die Passagierin betont: «Mir geht es nicht ums Geld, sondern ums Prinzip.»

Die Fahrt nach Würzburg, wo sie ihren Freund besuchte, verbrachte L. darauf auf einem engen Sitzplatz. «Es war unangenehm. Ich bin nicht die Dünnste und meist breiten sich die anderen Passagiere auch noch aus.» Während der Fahrt habe sie Flixbus über den Vorfall informiert. «Der Mitarbeiter der Hotline gab mir recht. Trotzdem wurde aber nichts unternommen», kritisiert L. Nach dem Ärger habe sie die bereits gebuchte Flixbus-Rückreise plus Sitzplatzreservation storniert. «Mein Freund fährt mich nun extra mit dem Auto in die Schweiz zurück.»

Fahrer werden nochmals informiert

20 Minuten hat Flixbus mit dem Fall konfrontiert. Flixbus-Sprecher David Krebs schreibt, dass alle Fahrer zu Beginn ihrer Tätigkeit ein umfangreiches Training erhielten. Dazu zähle auch der Umgang mit Fahrgästen. Zusätzliche schriftliche Handlungsempfehlungen für Buspartner und -fahrer würden zudem stetig aktualisiert, so auch im Rahmen der Einführung der Sitzplatzreservierung.

«Denn eine bezahlte Sitzplatzreservierung sollte auch in Anspruch genommen werden können», schreibt Krebs weiter. Sollte ein Fahrgast bemerken, dass ein reservierter Platz belegt sei, und keine Einigung zwischen den Fahrgästen möglich sein, könne sich der Fahrgast an den eingesetzten Fahrer wenden und gemeinsam eine Lösung erwirken. Auch stehe der Kundenservice rund um die Uhr zur Verfügung. Laut Krebs will Flixbus die betreffenden Fahrer aufgrund des Vorfalls nochmals auf die korrekten Serviceabläufe aufmerksam machen und sensibilisieren.

Für die unbefriedigende Fahrt forderte L. von Flixbus die Rückerstattung der Fahrt- und Reservierungskosten. In einem Schreiben, das 20 Minuten vorliegt, verspricht der Fernbetreiber die Rückerstattung des Reservierungsentgelts. Eine komplette Erstattung sei aber nicht möglich. Flixbus macht darauf aufmerksam, dass Passagiere erst bei einer verspäteten Abfahrt von 120 Minuten und mehr von ihrer Fahrt zurücktreten und sich die Fahrtkosten erstatten lassen können.

*Name der Redaktion bekannt

**Laut Flixbus reservierte die Passagierin einen Platz für 1,49 Euro. Die Strecke von Zürich nach Würzburg liege unter 500 Kilometern und nach ihren Angaben habe sie einen Sitzplatz der Kategorie «Klassisch».

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