Schwere Symptome - Frau steckt sich bei ihrer Katze mit gefährlicher Lungenpest an
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Schwere SymptomeFrau steckt sich bei ihrer Katze mit gefährlicher Lungenpest an

Bei einer Frau aus den USA wurde Lungenpest diagnostiziert, eine seltene, aber gefährliche Krankheit. Besonders erschreckend: Die wahrscheinliche Überträgerin wohnt mit ihr unter einem Dach.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Die Pest ist auch heute noch nicht besiegt, wie der Fall einer Frau aus den USA zeigt. Sie hat sich mit der Lungenpest infiziert.

Die Pest ist auch heute noch nicht besiegt, wie der Fall einer Frau aus den USA zeigt. Sie hat sich mit der Lungenpest infiziert.

Symbolbild/Wikimedia Commons/CDC/PD
Die Frau aus Fremont County (US-Bundesstaat Wyoming), südlich des Yellowstone Nationalparks, leidet an «schweren Symptomen». 

Die Frau aus Fremont County (US-Bundesstaat Wyoming), südlich des Yellowstone Nationalparks, leidet an «schweren Symptomen».

Screenshot Google Maps
Angesteckt hat sich die Frau offenbar bei ihren Katzen. 

Angesteckt hat sich die Frau offenbar bei ihren Katzen.

Symbolbild/Unsplash

Darum gehts

  • Ihre Katzenliebe ist einer Frau aus den USA zum Verhängnis geworden.

  • Sie steckte sich bei ihrem Haustier mit Lungenpest an.

  • Laut der US-Gesundheitsbehörde leide sie an schweren Symptomen.

  • Sie wird behandelt.

Viele halten die Pest für ausgerottet und denken bei ihr ans Mittelalter. Damals löschte die Seuche rund ein Drittel der Bevölkerung Europas aus und brachte knapp 30 Millionen Menschen den Tod. Auch heute infizieren sich immer wieder Menschen mit dem Erreger, dem Bakterium Yersinia pestis. In den letzten Jahren wurden Fälle aus den USA, Madagaskar und der Mongolei bekannt.

Im Jahr 2021 traf es nun eine Frau aus Fremont County (US-Bundesstaat Wyoming), südlich des Yellowstone Nationalparks. Bei ihr wurde ein «seltener, aber ernster» Fall von Pest festgestellt, teilt das Gesundheitsministerium von Wyoming mit. Sie scheint sich durch den Kontakt mit ihren kranken Hauskatzen infiziert zu haben, heisst es in der Erklärung.

Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC sind Katzen sehr anfällig für die Pest und eine bekannte Quelle für Infektionen bei Menschen. Katzen mit Lungenpest «können aufgrund der möglichen Aerosolisierung von Bakterien ein erhebliches Pestrisiko für Besitzer, Tierärzte und andere Personen darstellen, die mit diesen Tieren umgehen oder in engen Kontakt mit ihnen kommen.»

Von Mensch zu Mensch übertragbar

Lungenpest gilt als die gefährlichste der vier bekannten Pesterkrankungen (siehe Box) und ist die einzige, die von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Die Erreger können durch Tröpfchen beim Sprechen ausgestossen und so von anderen Personen eingeatmet werden. Die Bedingungen dafür sind glücklicherweise sehr speziell. Weil das Bakterium nur sehr kurz an der Luft überlebt, beträgt der kritische Abstand zum Gesicht eines Lungenpestkranken weniger als 30 Zentimeter, berichtet Heute.at.

Menschen können auch durch andere Formen der Pest, einschliesslich der Beulenpest, an Lungenpest erkranken, wenn sie nicht sofort behandelt werden.

Vier Pestformen

Man unterscheidet vier Formen: Die Beulenpest wird durch infizierte Tierflöhe ausgelöst. Die Inkubationszeit liegt bei wenigen Stunden bis sieben Tagen. Die Symptome sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Benommenheit, später Bewusstseinsstörungen. Der Name stammt von den Beulen am Hals, in den Achseln und den Leisten (Durchmesser bis zu zehn Zentimeter); sie sind aufgrund von Blutungen in den Lymphknoten blau-schwarz gefärbt.

Die Lungenpest ist noch nicht völlig verstanden, da sie relativ selten vorkommt. Sie verläuft heftiger als die Beulenpest, weil die Abwehrbarrieren der Lymphknoten durch direkte Infektion der Lunge umgangen werden. Symptome sind Atemnot, Husten, Blaufärbung der Lippen und schwarz-blutiger Auswurf. Daraus entsteht ein Lungenödem mit Kreislaufversagen, das unbehandelt nach zwei bis fünf Tagen zum Tod führt.

Weiter gibt es noch die Pestsepsis. Sie tritt auf, wenn Bakterien in die Blutbahn geraten. Dies kann durch Infektion von aussen (zum Beispiel offene Wunden) geschehen, aber auch durch Platzen der Pestbeulen nach innen. Die Folgen sind hohes Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Unwohlsein, später Schock, Haut- und Organblutungen. Pestsepsis ist unbehandelt praktisch immer tödlich.

Die Abortive Pest ist die harmloseste Variante der Pest. Sie äussert sich meist nur in leichtem Fieber und leichter Schwellung der Lymphknoten. Nach überstandener Infektion werden Antikörper gebildet, die eine langanhaltende Immunität gegen alle Formen der Krankheit gewährleisten.

Antibiotika helfen

Die Pest kann mit Antibiotika behandelt werden, aber eine frühzeitige Behandlung ist wichtig, um schwerwiegende Komplikationen, einschliesslich des Todes, zu vermeiden. Vor der Einführung von Antibiotika lag die Sterblichkeitsrate bei der Pest in den USA bei 66 Prozent, heute liegt sie nach Angaben der CDC bei etwa elf Prozent.

Die Gesundheitsbehörde von Wyoming gab keine weiteren Einzelheiten über die Patientin oder ihren derzeitigen Zustand bekannt. Ein Beamter des Gesundheitsamtes sagte gemäss Livescience.com, dass die Frau derzeit unter schweren Symptomen leide (siehe Box). Die Beamten benachrichtigen Personen, die mit der Patientin in Kontakt gekommen sind, damit sie nach der Exposition Antibiotika erhalten können, um eine Erkrankung zu verhindern, heisst es in der Erklärung.

Erreger trickst Immunsystem aus

  • Wieso setzen die Erreger dem Menschen so zu? Dass Yersinia pestis solch verheerende Folgen haben kann, liegt an einem Mechanismus, mit dem es effizient das Immunsystem des Menschen austrickst: Wenn es von den weissen Blutkörperchen angegriffen und aufgefressen wird, teilt es sich einfach weiter, und vermehrt sich so auch innerhalb der Abwehrzellen – ohne Behandlung so stark, dass die körpereigene Abwehr ihrer nicht mehr Herr wird.

  • Wer ist besonders gefährdet? Der Pest-Erreger wird unter anderem von Murmeltieren, Ratten, Eichhörnchen oder infizierten Flöhen auf den Menschen übertragen. Deshalb laufen besonders Personen, die im Wald arbeiten, Gefahr, sich zu infizieren. Doch auch Besucher der von Pest betroffenen Gebiete sind gefährdet. Weil es bei der Lungenpest auch möglich ist, sich bei anderen Menschen anzustecken, gehören auch die Kontaktpersonen von Betroffenen zur Risikogruppe.

  • Kann man sich gegen die Pest impfen lassen? Für einige Pest-Formen gibt es eine Schutzimpfung. Allerdings ist diese nur für wenige Monate wirksam. Zudem hat sie starke Nebenwirkungen und ist daher nur bedingt zu empfehlen.

  • Wie kann man sich dennoch vor einer Ansteckung schützen? Wer weiss, dass er sich in einem betroffenen Gebiet befindet, sollte sich von freilebenden Tieren fernhalten und seine felligen Haustiere regelmässig gegen Flöhe behandeln. Grundsätzlich sollte man sich von toten Tieren fernhalten und die gängigen Hygienemassnahmen einhalten.

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