Aktualisiert 06.07.2016 11:33

Unhygienischer KussFrau stirbt fast, weil Hund ihr das Gesicht ableckte

Viele Menschen knuddeln ihren Hund nicht nur, sondern lassen sich auch von ihm ablecken. Welche Folgen das haben kann, zeigt ein Fall aus London.

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Mit einem Hund zu schmusen, ist nicht ganz ungefährlich.

Mit einem Hund zu schmusen, ist nicht ganz ungefährlich.

Chris Sembrot Photography
Das musste eine Britin schmerzhaft erfahren: Wegen Verwirrung, Starre, Fieber, Durchfall und mehrfachem Organversagen verbrachte sie mehrere Wochen auf der Intensivstation. Schuld daran war ein Bakterium namens Capnocytophaga canimorsus.

Das musste eine Britin schmerzhaft erfahren: Wegen Verwirrung, Starre, Fieber, Durchfall und mehrfachem Organversagen verbrachte sie mehrere Wochen auf der Intensivstation. Schuld daran war ein Bakterium namens Capnocytophaga canimorsus.

Helmut Fohringer
Infiziert hatte sich die Patientin, als ihr Hund, ein Italienisches Windspiel, ihr das Gesicht abgeleckt hatte. Das Problem: Während der Erreger für Tiere unschädlich ist, kann er beim Menschen schwerwiegende Infektionen auslösen - so wie im Fall der Londonerin. (Symbolbild)

Infiziert hatte sich die Patientin, als ihr Hund, ein Italienisches Windspiel, ihr das Gesicht abgeleckt hatte. Das Problem: Während der Erreger für Tiere unschädlich ist, kann er beim Menschen schwerwiegende Infektionen auslösen - so wie im Fall der Londonerin. (Symbolbild)

Es hätte ein kurzes Telefonat werden sollen, in dem sich die Beteiligten kurz auf den neusten Stand bringen. Doch daraus wurde nichts, denn die Angerufene begann plötzlich zu lallen. Als sie dann irgendwann gar nicht mehr reagierte, riefen die Anrufer den Notarzt. Dieser traf die Betroffene wenige Minuten später nahezu bewusstlos an.

Im Spital verschlechterte sich der Zustand der 70-jährigen Londonerin weiter. Nach vier Tagen schliesslich musste sie wegen Verwirrung, Starre, Fieber, Durchfall und mit mehrfachem Organversagen auf die Intensivstation verlegt werden. Die Ursache: eine lebensbedrohliche Blutvergiftung, ausgelöst durch das Bakterium Capnocytophaga canimorsus (siehe Box).

«Interessanter Fall»

Infiziert hatte sich die Patientin, nachdem sie ihrem Hund, einem Italienischen Windspiel (siehe Bildstrecke), nahegekommen war: Er hatte ihr das Gesicht abgeleckt, wie die behandelnden Ärzte im Fachjournal «BMJ Case Reports» schreiben.

Für die Mediziner war die Diagnose überraschend, denn in der Regel gelangt das Bakterium über Bisse in den menschlichen Körper. Aber Bissspuren und Kratzer konnten die Forscher nicht ausmachen, deshalb sprechen sie von einem «interessanten Fall».

Nicht züngeln und Hände waschen

Die Mediziner nehmen an, dass das hohe Alter der Patientin eine besondere Rolle gespielt hat. Schliesslich ist bei älteren Menschen das Immunsystem schwächer. Doch auch junge Leute sollten beim Kontakt mit ihren Haustieren Vorsicht walten lassen: Damit die Keime nicht übertragen werden, sei es wichtig, dass Tierhalter «die Grundregeln der Hygiene beachten», sagt Roger Stephan vom Institut für Lebensmittelsicherheit an der Universität Zürich. Dazu zählt, sich nach direktem Kontakt mit den Haustieren stets gut die Hände zu waschen und darauf zu achten, keinen Speichel auszutauschen.

Die erkrankte Londonerin hatte Glück: Sie kam mit dem Schrecken davon. Nach zwei Wochen auf der Intensivstation war sie wieder vollständig genesen. Ob sie ihrem Liebling jedoch jemals wieder ein Küsschen geben wird, ist fraglich.

Capnocytophaga canimorsus

Das Bakterium kommt im Maul von Hunden und Katzen vor und ist für das Tier ungefährlich. Wird es aber auf den Menschen übertragen, kann es bei ihm zu schwerwiegenden Infektionen kommen, darunter Wundbrand, Blutvergiftung, Hirnhautentzündung und Endokarditis, einer Entzündung der Herzinnenhaut.

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