Jobsuche: Frau trotz gefühlt 1000 Bewerbungen erfolglos
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JobsucheFrau trotz gefühlt 1000 Bewerbungen erfolglos

In den sozialen Medien geht derzeit die frustrierende Jobsuche einer Frau mit Behinderung viral. Viele sprechen ihr Mut zu.

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mig
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Trotz gefühlt 1000 Bewerbungen hat eine Frau mit einer Behinderung noch keinen neuen Job gefunden. (Symbolbild)

Trotz gefühlt 1000 Bewerbungen hat eine Frau mit einer Behinderung noch keinen neuen Job gefunden. (Symbolbild)

iStock/Chinnapong
Beim Verband Procap sind die Schwierigkeiten bei der Jobsuche für Menschen mit einer Behinderung bekannt.

Beim Verband Procap sind die Schwierigkeiten bei der Jobsuche für Menschen mit einer Behinderung bekannt.

Facebook/Procap
Unterstützung bietet auch die IV. Sie übernimmt gewisse Kosten bei der Einarbeitung. (Symbolbild)

Unterstützung bietet auch die IV. Sie übernimmt gewisse Kosten bei der Einarbeitung. (Symbolbild)

Marcel Kusch

Der Post der Frau beginnt mit den Worten «Ich brauche eure Hilfe». Die 38-Jährige wurde mit einer cerebralen Behinderung geboren. Dies hinderte sie nicht, eine Lehre an einem normalen Arbeitsplatz zu absolvieren und Berufserfahrung zu sammeln. Zurzeit sei sie in einer Buchhandlung tätig für fünf Franken in der Stunde. Nun möchte sie einen neuen Job im 1. Arbeitsmarkt.

Sie beschreibt sich als selbstständig, fleissig und zuverlässig. Und trotz dem bereits Geleisteten und gefühlten 1000 Bewerbungen finde sie einfach keine neue Stelle, was sehr frustrierend sei.

Post geht viral

Ihre Worte wurden auf Facebook innert wenigen Tagen fast 15'000 mal geteilt und über 1000 Kommentare wurden verfasst. Viele User unterstützen die Ostschweizerin bei der Jobsuche. Sie wünschen ihr Glück, machen Angebote die Bewerbungsunterlagen unter die Lupe zu nehmen oder gar Einladungen für ein Bewerbungsgespräch.

Die Frau selbst bedankt sich auf Facebook für die Unterstützung. Gegenüber 20 Minuten will sie sich nicht äussern.

Integration im 1. Arbeitsmarkt schwierig

Sonja Wenger, Medienverantwortliche bei Procap, einem Verband für Menschen mit Behinderungen, sagt: «Menschen mit Behinderungen haben grosse Schwierigkeiten, einen Job im ersten Arbeitsmarkt zu bekommen. Das zeigen Fälle aus unserem Alltag.» Es brauche Arbeitgeber mit dem Willen, solche Personen einzustellen.

Unterstützung biete auch die Invalidenversicherung, ergänzt Daniel Schilliger, Anwalt bei Procap. Er sagt: «Die IV zahlt für einige Monate sogenannte Arbeitsversuche. So können die Menschen mit einer Einschränkung bei einer Firma arbeiten und beide Seiten können sich gegenseitig kennenlernen.» Der Arbeitgeber sehe so auch, was für eine dauerhafte Anstellung für Massnahmen nötig sind.

Akzeptanz steigt

Die Stiftung Profil hilft Menschen mit Behinderungen direkt bei der Stellensuche. Laut Geschäftsführerin Eva Meroni ist dafür aber auch die Offenheit der Betroffenen notwendig: «Wir müssen wissen, wo sie bereits gearbeitet haben und was für Einschränkungen sie haben.» Dafür seien auch Gespräche mit Ärzten oder Therapeuten notwendig. Im aktuellen Fall etwa mit einem Ergotherapeuten.

Seit 20 Jahren gibt es die Stiftung. Meroni sagt, die Akzeptanz bei den Arbeitgebern für Menschen mit Behinderung sei gestiegen. Allerdings würde sie sich noch mehr Offenheit bei Grossunternehmen wünschen. «Oft sind es Kleinunternehmen oder KMUs, die solche Leute anstellen. Es braucht einen Chef, der Ja sagt und selbst alles genau beobachtet.» Trotz der positiven Entwicklung sagt sie aber auch, dass es nach wie vor Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen gebe.

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