21.09.2019 12:04

Methämoglobinämie

Frau verfärbt sich wegen Schmerzmittel blau

Weil sie Zahnweh hatte, schluckte eine 25-Jährige reichlich Schmerzmittel. Das hatte Auswirkungen auf ihre Hautfarbe.

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Mit verfärbter Haut und blauen Fingernägeln suchte eine 25-Jährige ein Spital auf. Die Blutentnahme im Spital zeigte: Auch das Blut war dunkelblau.

Mit verfärbter Haut und blauen Fingernägeln suchte eine 25-Jährige ein Spital auf. Die Blutentnahme im Spital zeigte: Auch das Blut war dunkelblau.

The New England Journal of Medicine
Es stellte sich heraus, dass die Patientin ein benzocainhaltiges Schmerzmittel eingenommen hatte. Dies führte zu einer Methämoglobinämie. Davon spricht man bei einer ungewöhnlich hohen Konzentration von Methämoglobin im Blut.

Es stellte sich heraus, dass die Patientin ein benzocainhaltiges Schmerzmittel eingenommen hatte. Dies führte zu einer Methämoglobinämie. Davon spricht man bei einer ungewöhnlich hohen Konzentration von Methämoglobin im Blut.

The New England Journal of Medicine
Das Problem: Das Methämoglobin kann zwar Sauerstoff transportieren, aber nicht effektiv an das Gewebe abgeben.

Das Problem: Das Methämoglobin kann zwar Sauerstoff transportieren, aber nicht effektiv an das Gewebe abgeben.

Wikimedia Commons/Cornelia Csuk/CC BY-SA 3.0

Eine 25-jährige Frau aus Rhode Island meldete sich beim Notfall des Miriam Hospital in Providence. Sie gab an, sich schwach und «blue» zu fühlen. Auf Englisch bedeutet der Ausdruck «feeling blue» traurig sein. Der Notfallarzt merkte schnell, dass das bei seiner Patientin im wortwörtlichen Sinn gemeint war.

Wie der behandelnde Arzt in der Fachzeitschrift «New England Journal of Medicine» berichtet, hatte die junge Frau ein Mittel gegen ihre Zahnschmerzen eingenommen. Das handelsübliche Schmerzmittel enthielt Benzocain. Kurz nach der Einnahme hätten sich die Haut und die Fingernägel der Frau bläulich verfärbt. Die Blutentnahme im Spital zeigte: Auch das Blut der Patientin war dunkelblau.

«Eine ganze Menge Schmerzmittel genommen»

Der Notfallarzt diagnostizierte bei der 25-Jährigen eine Methämoglobinämie. Davon spricht man bei einer ungewöhnlich hohen Konzentration von Methämoglobin im Blut. Das in den roten Blutkörperchen vorhandene Hämoglobin, das dem Sauerstofftransport dient, wird dabei in das funktionsunfähige Methämoglobin umgewandelt. Das heisst, es kann zwar Sauerstoff transportieren, aber nicht effektiv an das Gewebe abgeben.

Die Patientin konnte keine genauen Angaben zur Dosierung des Schmerzmittels machen. Es sei aber «schon nicht die ganze Flasche» gewesen, sagte sie. Für den Arzt war es dennoch offensichtlich, dass «sie eine ganze Menge davon genommen» hatte, wie er dem Sender NBC News erklärte.

Benzocainhaltige Produkte sind nicht zu unterschätzen

Der Arzt führte seiner Patientin schliesslich intravenös Methylenblau zu. Nur wenige Minuten später ging es ihr viel besser. Sie bekam noch eine zweite Dosis und musste zur Beobachtung eine Nacht im Spital verbringen. Am nächsten Morgen riet ihr der Arzt, dringend ihren Zahnarzt aufzusuchen.

In seinem Bericht warnt der Mediziner vor benzocainhaltigen Produkten. «Die Leute haben keine Ahnung, dass bei der Einnahme von Benzocain etwas sehr Gefährliches passieren kann», sagte er. «Das sind keine milden Nebenwirkungen.»

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