Aktualisiert 09.04.2014 19:04

Mit dem Handy gefilmtFrau vergewaltigt – Täter zu drei Jahren verurteilt

Ein 27-jähriger Limmattaler hat eine 19-jährige Frau zusammen mit seinem Cousin in einem Waldstück vergewaltigt und dabei gefilmt. Dafür erhielt er nun eine Freiheitsstrafe.

von
Attila Szenogrady

Der heute 27-jährige Beschuldigte wurde am Mittwoch wegen mehrfacher Vergewaltigung, Freiheitsberaubung, versuchter Nötigung, Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs sowie sexueller Belästigung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten sowie zu 2000 Franken Busse verurteilt.

Zwölf Monate der Strafe wurden unbedingt festgelegt. Diese hat der im Limmattal wohnhafte Kosovo-Albaner mit einer bisherigen Haftdauer von 367 Tagen bereits verbüsst. 24 Monate wurden bedingt auferlegt – bei einer Probezeit von drei Jahren. Der Lagermitarbeiter wurde verpflichtet, der 19-jährigen Privatklägerin ein Schmerzensgeld von 10'000 Franken zu entrichten. Weitere Forderungen nach Schadenersatz wurden auf den Weg eines Zivilprozesses verwiesen.

Entführt, vergewaltigt und gefilmt

Mit diesem Entscheid war das Bezirksgericht Dietikon im Wesentlichen den Darstellungen der Anklagebehörden gefolgt. Demnach hatten der Beschuldigte und sein Cousin die 19-jährige Geschädigte am 15. März 2013 an ihrem Wohnort aufgesucht und die junge Frau gegen ihren Willen in das mitgebrachte Auto gezerrt. Dann fuhr das Duo mit dem Opfer nach Schlieren, wo sich die Beteiligten in einer Bar aufhielten.

In den frühen Morgenstunden hegte die Geschädigte die Hoffnung, dass die beiden Männer sie wieder nach Hause fahren würden. Stattdessen brachten sie die Schweizerin in ein Waldstück in Weiningen, wo sie die junge Frau nacheinander im Fahrzeug vergewaltigten – wobei der Beschuldigte einen Teil der Übergriffe mit seinem Mobiltelefon filmisch festhielt. Besonders bedenklich war dabei, dass der Haupttäter das Opfer bereits eine Woche zuvor an derselben Stelle und ebenfalls im Personenwagen massiv sexuell belästigt hatte.

Einvernehmlichen Sex geltend gemacht

Der Fall flog auf, als der Lagermitarbeiter nach dem Vorfall der Geschädigten androhte, den Sexfilm nicht nur ihrem Freund, sondern auch ihrem Arbeitgeber zu zeigen. Worauf die Frau Anzeige erstattete und der Limmattaler im Gefängnis landete.

An der Prozesseröffnung letzte Woche beteuerte der Mann seine Unschuld und machte einvernehmlichen Sex geltend. Auch der Verteidiger verlangte Freisprüche von den Hauptvorwürfen und sprach von einem Seitensprung der Geschädigten. Aus Angst vor ihrem Freund habe sie seinen Klienten zu Unrecht belastet.

Durch Video überführt

Das Gericht glaubte aber dem Opfer. Es stufte die Aussagen der Geschädigten als im Kern widerspruchsfrei, detailliert, zurückhaltend und differenziert ein. Im Gegensatz zum Beschuldigten, dessen Darstellungen der sexbesessenen Frau klischeehaft ausgefallen seien.

Zudem sahen die Richter den nicht Geständigen auch durch das sichergestellte Video als überführt an. «Ich vertraue euch nie mehr, lasst mich, hört auf!», äusserte sich die Geschädigte während der Übergriffe. Die Aufnahme habe ihre Darstellungen entscheidend unterstützt, führte der Gerichtsvorsitzende Stephan Aeschbacher dazu aus. Es sei keine Freiwilligkeit von sexuellen Handlungen erkennbar.

Bei der Strafzumessung ging das Gericht von einem erheblichen Verschulden aus, wich aber vom Strafantrag der Staatsanwaltschaft auf viereinhalb Jahre Gefängnis deutlich ab. Innerhalb des Straftatbestandes bewege sich die Tat im unteren Rahmen, sagte Aeschbacher. So habe der Beschuldigte keine unnötige Brutalität angewendet oder Drohungen ausgestossen. Er habe das Vertrauen einer naiven, jungen Frau ausgenutzt. Als perfid stuften die Richter dagegen die versuchte Nötigung mit dem Film ein.

Der Beschuldigte wird wohl in den nächsten Tag wieder freigelassen. Allerdings wird er nach der Rechtskraft des Urteils mit seiner Ausschaffung aus der Schweiz rechnen müssen.

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