Ärztepfusch: Frau verliert Arme und Beine nach Abtreibung
Aktualisiert

ÄrztepfuschFrau verliert Arme und Beine nach Abtreibung

Die Französin Priscilla Dray hat nach einem Schwangerschaftsabbruch im Spital von Bordeaux hohes Fieber. Die Ärzte nahmen die Sache aber nicht ernst genug.

von
kle
1 / 3
Im Unispital von Bordeaux kam es im Juli 2011 zu einem schrecklichen Ärztepfusch: Priscilla Dray, damals 36 Jahre alt, verlor nach einem Schwangerschaftsabbruch beide Beine und Arme.

Im Unispital von Bordeaux kam es im Juli 2011 zu einem schrecklichen Ärztepfusch: Priscilla Dray, damals 36 Jahre alt, verlor nach einem Schwangerschaftsabbruch beide Beine und Arme.

Twitter
Von der Frau gibt es keine Bilder. Interviews mit französischen Medien gibt sie nur telefonisch.

Von der Frau gibt es keine Bilder. Interviews mit französischen Medien gibt sie nur telefonisch.

Screenshot Facebook
Heute kann sie mithilfe von Prothesen wieder gehen. Der Pariser Arzt Laurent Lantieri leitet eine Klinik, die Patienten wie Priscilla Dray helfen, ein neues Leben aufzubauen.

Heute kann sie mithilfe von Prothesen wieder gehen. Der Pariser Arzt Laurent Lantieri leitet eine Klinik, die Patienten wie Priscilla Dray helfen, ein neues Leben aufzubauen.

Facebook

Priscilla Dray war 36 Jahre alt und bereits Mutter dreier Kinder, als sie sich im Juli 2011 zu einem Schwangerschaftsabbruch in der Uniklinik in Bordeaux entschied. Dieser Tag sollte ihr Leben komplett verändern, denn kurz darauf mussten ihr beide Unterbeine, der linke Unterarm und Teile der rechten Hand amputiert werden. Der Zeitschrift «L' Obs» erzählt sie nun von ihrem unvorstellbaren Leidensweg.

«Am Tag nach der Abtreibung wachte ich mit 40 Grad Fieber auf», erzählt die Frau. Weil sich die Familie gerade in den Ferien in Cap Ferret befand, zögerte Dray zunächst, die 75 Kilometer weite Reise nach Bordeaux zu machen. Schliesslich dachte sie aber: «Es stand in den Anweisungen, dass man sich bei hohem Fieber zum Notfall begeben sollte.» Also fuhr die Frau wieder nach Bordeaux.

Eine Infektion im Anmarsch

Im Notfall entfernten die Ärzte die Spirale, die sie der Frau nach der Abtreibung eingesetzt hatten, und schickten diese zur Analyse ins Labor. Zudem wurde Dray Blut entnommen. Während sie auf die Resultate wartete, rief sie ihre Schwägerin an. Ihr Mann ist Arzt, eine zweite Meinung konnte nicht schaden.

Er riet ihr, sofort Antibiotika zu verlangen. Als Dray dies den Ärzten im Notfall mitteilte, hielten die das aber nicht für nötig. Damit würde man nur Symptome kaschieren, bevor eine Diagnose erstellt werden könne, sagten sie Dray. Das war der erste grosse Fehler.

Am Abend, schon zurück in Cap Ferret, wurde es der Frau schlecht. «Ich schwitzte stark und fühlte mich krank.» Am nächsten Morgen suchte sie das lokale Gesundheitszentrum auf. Dort wurde sie von einem Allgemeinmediziner untersucht, der die Situation rasch erkannte: Die Patientin habe offenbar eine Septikämie erlitten, also eine Infektion, die durch Bakterien oder Toxine im Blut verursacht wird. Sie müsse dringend eingeliefert werden, meinte er.

Jung, arrogant – und dumm

Eine Ambulanz brachte die Frau zurück in den Notfall nach Bordeaux, diesmal mit einem Begleitbrief des Arztes aus Cap Ferret. Das nützte aber wenig. «Eine etwa 25-jährige Assistenzärztin nahm sich meiner an. Sie war äusserst arrogant und sehr unfreundlich zu mir.»

Als Dray ihr sagte, der Allgemeinarzt habe eine Einlieferung empfohlen, lachte die junge Ärztin: «Ich werde mir doch nicht von einem Dorfarzt sagen lassen, was ich zu tun habe», meinte sie.

Zu diesem Zeitpunkt waren Drays Schwägerinnen eingetroffen. Schockiert, Dray in einem solchen Zustand zu sehen, forderten sie die Notfallärztin auf, etwas zu unternehmen. «Das sind nur psychologische Folgen der Abtreibung», meinte jedoch die Frau. Als Erklärung dafür, dass die Hände der Patientin stark geschwollen waren, sagte sie: «Sie wird sich wohl angeschlagen haben.»

Stunden später wachte sie ohne Arme und Beine auf

Zwölf Stunden später lag Priscilla Dray im OP-Saal. Zwischen den Betäubungen informierten die Chirurgen die Frau, dass ihr Körper von fleischfressenden Bakterien befallen sei und ihr nun alle vier Extremitäten amputiert werden müssten.

Heute kann Priscilla Dray mit Hilfe von Prothesen wieder gehen. Sie wartet zudem auf eine Handtransplantation, die im Unispital Philadelphia durchgeführt werden soll. Vor wenigen Wochen gewann sie einen Prozess gegen das Spital in Bordeaux, das ihr eine Entschädigung von über 300'000 Euro bezahlen muss. Die beiden Ärzte, die sie im Notfall behandelt hatten, kann sie jedoch rechtlich nicht belangen. «Ich würde am liebsten den Arzt, der mir ein paar Milligramm Antibiotika verweigerte, hinter Gittern sehen.»

Deine Meinung