Betrug: Frau verstümmelte sich für IV-Rente
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BetrugFrau verstümmelte sich für IV-Rente

Mit selbst zugefügten Verletzungen soll eine 55- jährige Serbin von den Sozialwerken und Versicherungen mehrere hunderttausend Franken erschlichen haben. In Mendrisio steht sie nun deswegen zusammen mit ihrem Ehemann vor dem Strafgericht.

Die Tessiner Staatsanwältin Fiorenza Bergomi wirft dem Ehepaar vollzogenen und versuchten Betrug sowie Urkundenfälschung vor. Die Deliktsumme beläuft sich auf rund 1,5 Mio. Franken, wie der Anklageschrift zu entnehmen ist.

Die 55-jährige Frau wies den Vorwurf des IV-Betrugs am Mittwoch vor Gericht zurück. Sie wünsche sich sehnlichst, endlich gesund zu werden. Sie wolle keine Rente, sondern wieder arbeiten können, sagte die zweifache Mutter.

Ihre umstrittene Leidensgeschichte begann am 24. Mai 1993. Damals veräzte sie sich bei der Arbeit in der Küche eines Hotels in Porto Ronco bei Ascona mit Natronlauge Hände und Arme. Einige Wochen später erklärten sie die Ärzte für genesen.

Plötzlich waren die Narben aufgeplatzt

Im August 1993 suchte die Frau erneut den Arzt auf: Ihre Narben waren aufgeplatzt. Sämtliche Heilungsversuche schlugen in der Folge fehl. Die Frau beklagte sich über zunehmende Schmerzen. Sie könne ihre Arme und Hände nicht mehr bewegen; sie sei arbeitsunfähig.

Nach und nach erhielt sie Entschädigungen: Knapp 30 000 Franken von der Kompensationskasse, 180 000 Franken von der Versicherung und 35 000 Franken von den Sozialwerken, heisst es in der Anklageschrift.

Vor Gericht erstritt sie sich im Juli 2003 zudem noch 630 000 Franken, weil ihr Arbeitsplatz nicht genügend gesichert war. Als das in Locarno wohnhafte Paar vom Unfallversicherer Lloyd's weitere 600 000 Franken forderte, begann sich das Blatt zu wenden.

Detektive überführten das Paar

Von Lloyd's beauftragte Detektive filmten die Frau im Frühjahr 2007 heimlich in Serbien, als sie sich völlig normal bewegte. Sie erledigte dort die Wäsche, goss den Garten und ging auf dem Markt einkaufen. Von Richter Marco Villa auf diese Aufnahmen angesprochen, verstrickte sie sich in Widersprüche.

Dass die Frau ihre Schmerzen simuliert, legen auch Beobachtungen der Aufseher und des medizinischen Personals des Gefängnisses in Lugano nahe. Seit ihrer Festnahme am 30. Juni 2008 befinden sich die beiden Angeklagten in U-Haft.

Über 500 000 Franken beschlagnahmt

Staatsanwältin Bergomi schreibt in der Anklageschrift, dass sich die Frau schon kurz nach dem Arbeitsunfall in der Hotelküche selbst Verletzungen zugefügt habe, um Ärzte und Gutachter arglistig zu täuschen.

Ihr fünf Jahre älterer Gatte - der zeitweise im selben Hotel als Hilfskoch arbeitete - soll ihr dabei aktiv geholfen haben. Ziel sei es gewesen, sich «eine regelmässige Erwerbsquelle zu sichern».

Auf den Konten der beiden Angeklagten liess Bergomi über eine halbe Million Franken sperren. Es laufen zudem Bestrebungen, das Haus des Ehepaares in Serbien zu konfiszieren. Wann das Strafgericht sein Urteil fällen wird, stand am Mittwoch nicht fest.

(sda)

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