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NeuseelandFrau wartet einen Monat in Berghütte auf Hilfe

Der Tscheche Ondrej Petr (27) stürzte auf dem Routeburn-Track in Neuseeland in den Tod. Seine Freundin überlebte einen Monat lang in einer abgelegenen Berghütte.

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Pavlina Piova (33) und ihr Partner Ondrej Petr (27) brachen am 26. Juli 2016 zu einer Wanderung auf dem Routeburn-Track im neuseeländischen Fiordland-Nationalpark auf.

Pavlina Piova (33) und ihr Partner Ondrej Petr (27) brachen am 26. Juli 2016 zu einer Wanderung auf dem Routeburn-Track im neuseeländischen Fiordland-Nationalpark auf.

New Zealand Police
Petr stürzte zwei Tage später im Schnee einen steilen Abhang hinunter und wurde zwischen Ästen und Steinen eingeklemmt. Er starb kurz danach.

Petr stürzte zwei Tage später im Schnee einen steilen Abhang hinunter und wurde zwischen Ästen und Steinen eingeklemmt. Er starb kurz danach.

New Zealand Police
Die Frau verbrachte drei Nächte unter freiem Himmel. Am vierten Tag fand sie eine abgelegene Hütte und brach in diese ein.

Die Frau verbrachte drei Nächte unter freiem Himmel. Am vierten Tag fand sie eine abgelegene Hütte und brach in diese ein.

New Zealand Police

Pavlina Pižova (33) konnte die Tränen nicht zurückhalten, als sie am Freitag an einer Pressekonferenz in Queenstown in Neuseeland ihre Geschichte erzählte. Die Tschechin harrte fast einen Monat in einer Hütte in der Wildnis aus, nachdem ihr Partner beim Wandern tödlich verunglückt war.

Die Frau und ihr Partner Ondrej Petr (27) waren am 26. Juli zu einer Wanderung auf dem Routeburn-Track im Fiordland-Nationalpark aufgebrochen – gut ausgerüstet für eine Wanderung, aber nicht für eine Gebirgstour im neuseeländischen Winter. Nach zwei Tagen stürzte Petr im Schnee einen steilen Abhang hinunter und wurde zwischen Ästen und Steinen eingeklemmt. Er starb kurz danach.

Drei Nächte im Freiem verbracht

«Wir waren vom Weg abgekommen, weil die Markierungen mit Schnee bedeckt waren», berichtete die Frau. Die erste Nacht verbrachte Pižova unter freiem Himmel. Sie wollte ihren Freund nicht allein lassen. Auch die nächsten zwei Nächte verbrachte sie draussen, da sie wegen der Witterung nicht weiterkam.

«Ich stopfte alles, was ich dabeihatte, in meinen Schlafsack, um mich warm zu halten. Ich massierte ständig meine Füsse, um die Blutzirkulation aufrecht zu erhalten», so Pižova. Am vierten Tag fand die Frau eine abgelegene Hütte und brach in diese ein. «Angesichts ihrer Erfahrung und der Lawinengefahr entschied sie, es sei für sie das Sicherste, in der Hütte zu bleiben», sagte Polizeiinspektor Olaf Jensen. «Und das war die richtige Entscheidung.»

Es herrschten extreme Bedingungen

Nach ihrer Ankunft in der Hütte stampfte Pižova ein «H» für Hilfe in den Schnee und wartete. Jensen sagte, andere Wanderer hätten den Wanderweg, der zu den zehn beliebtesten Neuseelands zählt, wegen Eis und Schnee gemieden. Niemand sei gekommen. «Er war nicht passierbar», erklärte er. «Es herrschten extreme Bedingungen.»

Die Frau ernährte sich von Vorräten der Wildhüter. Es dauerte aber fast einen Monat, bis das tschechische Konsulat Alarm schlug und das Paar am Mittwoch vermisst meldete. Dann ging es schnell: Die Polizei fand das Auto des Paares, das am Beginn des Wanderwegs geparkt war. Ein Helikopter flog die Route ab. Die Frau sei ausser sich vor Freude gewesen, ihre Retter nach dem traumatischen Erlebnis zu sehen. Die Helfer brachten sie ins Spital.

Keiner bemerkte, dass die beiden fehlten

«Es ist sehr ungewöhnlich, dass jemand so lange in der neuseeländischen Wildnis vermisst wird, ohne dass es gemeldet wird», fügte Jensen hinzu. In der Hütte sei ein Funkgerät gewesen, die Frau habe es aber nicht benutzen können.

Geoff Owen, ein Leiter der Naturschutzbehörde in der Region, sagte, in der von der Tschechin gefundenen Lake-Mackenzie-Hütte hätten Ranger vermutlich etwas Brennholz und einige Lebensmittel zurückgelassen.

Leiche des Partners wird jetzt obduziert

Im Sommer wird der Routeburn-Track von vielen Wanderern gegangen. In den Wintermonaten von Juni bis August hat er aber seine Tücken. Wenn Schnee liegt, wird er in der Regel nur von professionell ausgerüsteten Bergsteigern gegangen – wenn keine Lawinenwarnung besteht.

Pavlina Pižova wurde mittlerweile aus dem Spital entlassen. Abgesehen von einigen Erfrierungen, Austrocknung und kleineren Verletzungen geht es ihr physisch relativ gut. Sie steht aber noch unter Schock. Am Freitagnachmittag sei die Leiche von Ondrej Petr geborgen worden, schreibt der «Guardian». Eine Obduktion soll klären, was genau zu seinem Tod geführt hat.

(Quelle: Youtube/RNZ)

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