10.07.2015 18:19

Stäfa ZH

Frau wie Besitz behandelt – zehn Jahre Knast

Ein Transportunternehmer aus Stäfa muss für zehn Jahre ins Gefängnis. Der Mann hatte seine Ehefrau mehrmals vergewaltigt, bedroht und fast mit dem Auto überfahren.

von
Attila Szenogrady
Am Bezirksgericht Meilen ist ein gewalttätiger Ehemann zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

Am Bezirksgericht Meilen ist ein gewalttätiger Ehemann zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

Ein heute 28-Jähriger aus Stäfa ZH wurde am Freitag vom Bezirksgericht Meilen wegen schwerer Freiheitsberaubung an seiner Ehefrau zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Ebenso wurde er der mehrfachen einfachen Freiheitsberaubung, der mehrfach versuchten schweren Körperverletzung, der mehrfachen einfachen Körperverletzung, der Gefährdung des Lebens, der gewerbsmässigen Erpressung, der mehrfachen Drohung, mehrfachen Nötigung, mehrfachen Vergewaltigung, versuchten Vergewaltigung und Drogendelikten für schuldig befunden.

Die Haftstrafe gilt abzüglich von 672 Tagen, die er bereits in Sicherheitshaft verbüsst hat. Lediglich von den Vorwürfen der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie der Pornografie wurde er freigesprochen. Der Mazedonier wurde verpflichtet, seiner Ehefrau ein Schmerzensgeld von 17'000 Franken zu bezahlen. Eine Schadenersatzforderung von über 258'000 Franken wurde auf den Weg eines Zivilprozesses verwiesen.

Ehefrau vergewaltigt und beinahe überfahren

Mit diesem Entscheid ist das Bezirksgericht Meilen in weiten Teilen den Darstellungen der Anklage gefolgt. Allerdings hatte die Staatsanwaltschaft wegen mehrfach versuchter vorsätzlicher Tötung eine höhere Strafe von zwölf Jahren gefordert. Die eingeklagten Tötungsversuche gingen auf den 7. September 2013 zurück.

Damals war die geschädigte Frau aus der gemeinsamen Wohnung in Stäfa geflohen. Daraufhin stieg der Beschuldigte in sein Auto und nahm die Verfolgung seiner Ehefrau auf. Dabei soll er gleich zweimal versucht haben, in sie hineinzufahren. Einmal konnte sie sich vor einer Hauswand mit einem hohen Sprung in Sicherheit bringen. Beim zweiten Versuch rettete sie sich hinter das Heck eines anderen Fahrzeugs. Kurz darauf konnte die Polizei den Mann festnehmen.

Während der Untersuchung kam heraus, dass der Drogenkonsument seine Frau wiederholt geschlagen, massiv bedroht und gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr gezwungen hatte. Das stellte der Beklagte vor Gericht vehement in Abrede und unterstellte seiner Noch-Ehefrau falsche Anschuldigungen. Sie habe sich mit ihren erfundenen Vorwürfen bloss leichter von ihm trennen wollen, zeigte er sich überzeugt.

Ehefrau als Eigentum behandelt

Das Gericht folgte aber den glaubhaften und auch zurückhaltenden Belastungen des Opfers. «Der Beschuldigte hat seine Frau als Eigentum behandelt», brachte der Gerichtsvorsitzende Jürg Meier den Fall auf den Punkt. Einzig die Tötungsversuche und zwei Nebendelikte sah das Gericht aufgrund der äusseren Umstände als nicht erwiesen an und würdigte die Hetzjagd mit dem Auto als versuchte schwere Körperverletzungen.

Der weitgehend nicht geständige Beschuldigte kann das Urteil an das Zürcher Obergericht weiterziehen. Bei Rechtskraft des Entscheides droht ihm nach der Haftentlassung die Ausschaffung in seine Heimat.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.