Luzern – Frau wirft Viva Luzern Staffelnhof happige Missstände vor
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LuzernFrau wirft Viva Luzern Staffelnhof happige Missstände vor

Eine 20-Minuten-Leserin schildert in einem Brief «unhaltbare Missstände» in einem Betagtenheim in Luzern. Viva Luzern weist die Vorwürfe entschieden zurück.

von
Rochus Zopp
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Das Betagtenzentrum und Altersheim Staffelnhof in Luzern. Hier sollen laut einer Leserin die Bewohnerinnen und Bewohner teilweise schlecht versorgt werden.

Das Betagtenzentrum und Altersheim Staffelnhof in Luzern. Hier sollen laut einer Leserin die Bewohnerinnen und Bewohner teilweise schlecht versorgt werden.

20min/Nathan Keusch
Teilweise soll über längere Zeitspannen kein Pflegepersonal auf den Etagen anzutreffen sein. Auch das Stationsbüro sei zum Teil verwaist.

Teilweise soll über längere Zeitspannen kein Pflegepersonal auf den Etagen anzutreffen sein. Auch das Stationsbüro sei zum Teil verwaist.

20min/Nathan Keusch
Die Mutter der Leserin wohnt schon seit mehreren Jahren im Betagtenzentrum und Altersheim Staffelnhof.

Die Mutter der Leserin wohnt schon seit mehreren Jahren im Betagtenzentrum und Altersheim Staffelnhof.

20min/Nathan Keusch

Darum gehts

  • Eine Leserin meldete sich bei 20 Minuten, weil die Zustände im Betagtenzentrum und Altersheim Staffelnhof in Luzern schrecklich sein sollen.

  • Die Mutter der Leserin lebt bereits seit mehreren Jahren in dem Heim. In den letzten zwei Jahren soll sich die Situation aber verschlechtert haben.

  • Auf den Stationen finde man zum Teil über längere Zeit kein Personal, so die Leserin.

  • Viva Luzern weist die Vorwürfe entschieden zurück. «Grundsätzlich ist im Tagdienst immer mindestens eine Pflegemitarbeitende im Wohnbereich tätig.»

  • Viva Luzern gehe allen Rückmeldungen von Mitarbeitern, Angehörigen und Bewohnenden nach und suche mit den Personen, die sich an sie wenden, das Gespräch, schreiben sie auf Anfrage

Verwaiste Stationen, unterversorgte Bewohnerinnen und Bewohner und zu wenig Personal. So beschreibt eine Leserin die Situation im Betagtenzentrum und Altersheim Staffelnhof in Luzern in einem Brief an 20 Minuten. Die Mutter der Leserin wird seit mehreren Jahren in diesem Heim betreut. «Wenn man sich als Besucherin auf das Stockwerk der jeweiligen Angehörigen begibt, trifft man sehr häufig nicht eine einzige Pflegeperson an», schreibt die Frau. Dies soll laut der Leserin teilweise über längere Zeitspannen hinweg der Fall sein. Auch das Stationsbüro sei öfters über einen längeren Zeitraum hinweg total verwaist.

Verzweifelter Mann sucht Hilfe in fremdem Zimmer

Die Frau berichtet auch von einem erschreckenden Erlebnis. Vor einigen Tagen habe sie im Zimmer ihrer Mutter einen Mann angetroffen, der komplett verstuhlt war. Der Bewohner habe vorausgehend verzweifelt nach einer Pflegeperson gerufen, aber keine gefunden. «In seiner Verwirrung hatte er die nächstbeste Zimmertüre genommen, um dort Hilfe zu erhalten», so die 20-Minuten-Leserin. Die herbeigerufene Pflegeperson war aber laut der Frau alleine auf der Station. Bis eine Kollegin gefunden wurde, habe sich der Mann schon wieder zurück ins Zimmer ihrer Mutter begeben, so die Leserin weiter.

Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes kann sich Viva Luzern nicht zum beschriebenen Vorfall äussern. Ramona Helfenberger, Mediensprecherin von Viva Luzern, hält aber auf Anfrage fest: «Wir sind uns der Verletzlichkeit unserer Bewohnenden bewusst und es ist unser Ziel, sie zu schützen. Falls sich eine Bewohnerin oder ein Bewohner in einer unpässlichen Situation befindet, betreuen wir sie oder ihn schnellstmöglich.»

Seit rund zwei Jahren habe sich die Situation im Viva Luzern Staffelnhof allmählich verschlechtert, schreibt die Angehörige auf Anfrage von 20 Minuten. Es habe zahlreiche Situationen gegeben, in der auch ihre Mutter unter dem Personalnotstand gelitten habe. Wenn ihr zum Beispiel die Zimmerglocke auf den Boden gefallen sei, konnte es vorkommen, dass ihre Mutter stundenlang alleine im Zimmer gewesen sei, so die Leserin.

Viva Luzern hat das Schreiben ebenfalls erhalten und weist die Vorwürfe eines Missstandes entschieden zurück. Mediensprecherin Helfenberger schreibt: «Grundsätzlich ist im Tagesdienst immer mindestens eine Pflegemitarbeitende im Wohnbereich tätig. Die Anzahl des Pflegepersonals, das auf einer Station tätig ist, hängt von der Pflegebedürftigkeit und der Anzahl der Bewohnenden ab. Beim Anteil des Fachpersonals richten wir uns nach den städtischen Vorgaben.» Auch, dass die Bewohnerinnen und Bewohner über längere Zeit alleine auf ihren Zimmern sind, trifft laut dem Altersheim nicht zu. Helfenberger sagt: «Der Tag besteht aus gemeinschaftlichen Teilen wie dem Essen und Aktivitäten oder auch Pflegeverrichtungen. Wenn eine Bewohnerin oder ein Bewohner wünscht, den Tag für sich zu verbringen, schauen Pflegemitarbeitende regelmässig im Zimmer vorbei.»

Häufige Wechsel beim Personal

Auch die Mitarbeitenden des Heims sind laut der 20-Minuten-Leserin stark belastet. Immer wieder höre sie davon, dass das Personal bis zur Erschöpfung arbeiten müsse und vor allem am Personal gespart werde. Die Leserin berichtet auch von vielen Wechseln bei den Pflegenden: «Ständig trifft man neue Gesichter unter dem Personal an, was auf viele Kündigungen oder extrem kurzfristige Anstellungsverhältnisse schliessen lässt.»

Auch da widerspricht die Viva Luzern. «Viva Luzern spart nicht am Personal, im Gegenteil. So verfügen wir als einziges Betagtenzentrum in der Zentralschweiz über geriatrische Pflegeexpertinnen», schreibt Helfenberger und ergänzt: «Die Personalwechsel bei Viva Luzern liegen aktuell weit unter dem Branchenschnitt» Viva Luzern gehe allen Rückmeldungen von Mitarbeitenden, Angehörigen und Bewohnenden nach und suche mit den Personen, die sich an sie wenden, das Gespräch. «Zudem steht den Bewohnenden und Angehörigen mit der ‹unabhängigen Beschwerdestelle für das Alter› auch eine Stelle zur Verfügung, an die sie sich bei Bedarf wenden können. Aktuell sind dort keine Beschwerden hängig.»

Das Betagtenzentrum und Altersheim Staffelnhof ist eines von fünf Betagtenheimen, das zu Viva Luzern gehört. Mit rund 830 Bewohnerinnen und Bewohnern ist sie die führende Anbieterin von Wohn- und Pflegeangebot im Alter in der Zentralschweiz. Eigentümerin der gemeinnützigen Aktiengesellschaft ist die Stadt Luzern.

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