05.09.2020 12:02

«Ich glaub das gar nicht»Frau zieht Hund Hygienemaske über

Am Hauptbahnhof in Zürich entdeckte ein Passant ein Hündchen, das wie sein Frauchen eine Hygieneschutzmaske trug. Eine Tierschutzstiftung warnt eindringlich davor, dies nachzuahmen.

von
Bettina Zanni

Diese Frau legte nicht nur sich, sondern auch ihrem Hündchen eine Maske an.

Facebook/Stiftung Katzentierheim Schnurrli/20 Min

Darum gehts

  • Ein Passant hält die Welt für «immer bescheuerter».
  • Zu dieser Aussage treibt ihn ein Hund, dem das Frauchen eine Maske anlegte.
  • Die Stiftung Katzentierheim Schnurrli appelliert an die Halter, die Tiere artgerecht zu halten.

Ein Passant am Zürcher Hauptbahnhof traute seinen Augen nicht. «Leute, ich muss euch unbedingt was zeigen. Ich glaub das gar nicht», sagt er. Wenige Sekunden später schwenkt seine Kamera auf eine Frau, die ein Hündchen im Arm hält. Was dabei speziell ist: Wie sein Frauchen trägt auch das Tier eine Hygieneschutzmaske. Trocken fügt der Beobachter an: «Die Menschheit geht zu Ende. Unglaublich, Schweizer Hauptbahnhof Zürich.»

Die Stiftung Katzenheim Schnurrli postete das Video kürzlich auf Facebook. Zahlreiche User reagieren in den Kommentaren mit Unverständnis und Mitleid. «Tiere und Masken geht gar nicht. Das ist Tierquälerei», schreibt eine Userin. Eine andere findet: «Der arme Hund.» Und eine weitere Nutzerin fordert: «Denkpflicht vor Maskenpflicht.»

Reaktion auf Spott

Im August warnten die Stiftung Katzenheim Schnurrli und die Stiftung für das Tier im Recht bereits davor, Haustieren Masken anzulegen. Mit dem Video des Hündchens will sich die Stiftung Katzenheim Schnurrli gegen spöttische Reaktionen darauf wehren. Nach ihrer Warnung seien sie ausgelacht, diffamiert, mit E-Mails und Telefonaten überschwemmt und vereinzelt sogar bedroht worden, schreibt die Stiftung auf Facebook.

Man habe ihnen vorgeworfen, dass ihre Aussagen haltlos seien und niemand in der Schweiz so bescheuert sei, seinen Haustieren Masken anzuziehen, und sie Falschmeldungen verbreiten würden, so die Tierfreunde. Die Anfragen, Bilder und Videos, die sie erhielten, zeigten jedoch, dass immer mehr Menschen in der Schweiz genau das täten. «Bitte quälen Sie Ihre Tiere nicht. Sie sind keine Überträger und benötigen Fürsorge und eine artgerechte Haltung und keine Masken!», appelliert die Stiftung an die Tierhalter.

Gefahr von Stress und Atemnot

Christine Künzli, stellvertretende Geschäftsleiterin der Stiftung für das Tier im Recht, machte im August darauf aufmerksam, dass Masken bei Tieren zu erheblichem Stress führen, Atemnot und Panik auslösen können. Auch bestehe die Gefahr, dass sie sich darin verhedderten. «Masken gefährden das Tierwohl. Wer ihnen eine solche aufzwingt, handelt tierquälerisch.» Begegnet man dennoch einer Katze oder einem Hund mit Maske, empfahl Künzli, das Gespräch mit dem Besitzer zu suchen. «Zeigt er keine Einsicht, ist eine Anzeige beim Veterinäramt oder der Polizei nötig.»

Vergiftete Tiere

Die Angst vor dem Coronavirus inspiriert Tierhalter immer wieder zu fragwürdigen Ideen. In Frankreich zum Beispiel warnten Tierärzte davor, das Haustier zu desinfizieren. Zahlreiche Hundebesitzer hatten gefragt, wie sie ihr Tier nach dem Spaziergang desinfizieren sollten. Für Pfoten und Zunge zogen sie Javelwasser in Betracht. Einige Tiere mussten notfallmässig behandelt werden: Hunde und Katzen erlitten Vergiftungen und Verbrennungen, weil sie mit Desinfektionsmittel behandelt worden waren. Bei Katzen griffen Halter zu hydroalkoholischem Gel. In der Folge fielen die Katzen ins Alkoholkoma.

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