Aktualisiert 26.08.2012 11:31

Wieder nichtsFrauen als chancenlose Schmusetiere

Frauen taugen nicht zum Töffrennsport. Die Spanierin Elena Rosell (26) blamiert sich in der Moto2-WM auch beim GP von Tschechien. Die Erklärung ist womöglich einfach.

von
Klaus Zaugg, Brünn

Der GP-Zirkus ist eine der frauenfeindlichsten Sportwelten. Hinter so mancher grossen Rennfahrer-Karriere steht zwar eine starke Frau. Aber eine aktive Rolle gibt es für die Frauen höchstens als Managerinnen, in dem Werbe- und Medienabteilung oder als Grid-Girls.

Und doch gibt es hin und wieder Versuche, auch die Rennpiste in den Soloklassen zu erobern:

- Die Finnin Taru Rinne fuhr 1988 und 1989 in der 125er-WM mit einem 7. Platz als Bestleistung.

- Die Japanerin Tomoko Igata blochte 1994 und 1995 in der 125er-WM - ebenfalls mit Rang 7 als Bestresultat.

- Die Deutsche Katja Poensgen gilt als erfolgreichste Töff-Frau aller Zeiten. Sie kam 2001 beim GP von Italien in Mugello bei den 250ern auf den 14. Platz.

Selbst bei politischer Korrektheit: Blamabel

Das waren Heldinnen. Für die zwei letzten Versuche einer Frau, den GP-Zirkus zu erobern, gibt es hingegen selbst bei grösster politischer Korrektheit nur eine Bezeichnung: Blamabel.

Die Ungarin Nikolett Kovacs (24) vermochte sich beim GP der Türkei 2007 nicht mal zu qualifizieren. Sie verlor auf die Bestzeit 12,4 Sekunden und wurde aus Sicherheitsgründen zum 125er-Rennen nicht zugelassen. Sie gilt seither wenigstens als bisher schönste Töff-Frau. Mit einer Bildstrecke in der ungarischen Ausgabe des Magazines «Penthouse».

Beste Klassierung: Rang 25

In dieser Saison blamiert sich die Spanierin Elena Rosell bei jedem GP in der Moto2-Klasse. Im Training ist sie noch nie über einen 30. Platz hinausgekommen. Die beste Rennklassierung ist ein 25. Rang. Bei fünf von bisher zehn Rennen hat sie das Ziel nicht gesehen. Sie ist nun umgestiegen: Ab dem GP von Tschechien fährt sie auf «Speed up» statt «Moriwaki» weit hinterher. Sie startet auch in Brünn vom letzten Startplatz aus (31.) – nach mehreren Trainingsstürzen mit 5,472 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit.

Die Töff-Frauenförderung auf höchstem Niveau betreibt ein Land, in dem Frauen eher wenig zu sagen haben: Der Töff-Sportverband von Katar ermöglicht Elena Rosell den Einsatz in der zweitwichtigsten WM. Verbandspräsident Nasser Khalifa Al Attiyah sagte unter anderem, der Einsatz von Elena Rosell möge die Frauen inspirieren.

Spanische Medien sind freundlich mit ihrer Landsfrau

Die spanischen Medien gehen mit ihrer Töff-Heldin recht pfleglich um. Zwei Beispiele von Fragen und Antworten aus dieser Saison: Willst Du, dass man Dich Pilotin oder Pilot nennt? «Pilot, ich bin keine Feministin.» – Wie würdest Du Deinen Fahrstil charakterisieren? «Meine Stärke sind die Kurven.» Ob Elena Rosell denn tatsächlich geantwortet hat oder ob es eine Boshaftigkeit ist, wissen wir nicht. So oder so stellt sich ohne jede Boshaftigkeit die Frage: Warum fahren die Frauen hinterher?

Der legendäre britische Fahrinstruktor Andy Ibbott – er hatte unter anderem Tom Lüthi während der Weltmeistersaison 2005 betreut - hat sich intensiv mit dieser Thematik beschäftigt und eine politisch korrekte Theorie entwickelt.

Warum Frauen langsamer fahren

Vom Körperbau her gebe es, so Ibbott gegenüber 20 Minuten Online, keinen Grund, warum Frauen ein Bike nicht so schnell wie ein Mann fahren könnten. «Motorradfahren ist keine Frage der Muskelkraft.»

Was ist es dann? Ibbott weiss es: «Es gibt sicherlich Ausnahmen. Aber grundsätzlich gilt: Der Mann ist als Jäger konzipiert. Das macht die Differenz. Als Jäger reagiert der Mann schneller und bedenkenloser auf Gefahrensituationen. Er setzt im Gehirn schneller um, was er sieht. Das war einst eine Frage des Überlebens. Auf den Rennsport übertragen: Je mehr Informationen ein Pilot aufnehmen und sofort verarbeiten kann, desto schneller ist er. Die Frauen sind eher darauf programmiert, sich um den Nachwuchs zu kümmern, und verhalten sich eher passiver. Sie fühlen auch die Geschwindigkeit anders. Tempo 150 empfindet eine Frau vielleicht als Tempo 200. Das erklärt, warum sie in der Regel vorsichtiger fahren.» Oder warum sie ihre Partner vom Beifahrersitz aus oft mahnen, vorsichtiger zu fahren.

Oder um die Forschungsarbeit des Briten salopp auf den Punkt zu bringen: Männer sind auf der Rennstrecke Raubtiere. Frauen hingegen Schmusetiere.

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