BIP-Wachstum: Frauen beflügeln die Wirtschaft

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BIP-WachstumFrauen beflügeln die Wirtschaft

Mehr arbeitende Frauen braucht das Land: Wäre in der Schweiz der Anteil berufstätiger Frauen und Männer ausgeglichen, so könnte das Bruttoinlandsprodukt laut einer Studie fünf Prozent höher liegen.

von
sas
Während bei den männlichen Schweizer Arbeitnehmenden 24 Prozent eine Führungsfunktion haben, sind es bei den Frauen nur 15 Prozent.

Während bei den männlichen Schweizer Arbeitnehmenden 24 Prozent eine Führungsfunktion haben, sind es bei den Frauen nur 15 Prozent.

Binnen zehn Jahren werden zusätzlich weltweit bis zu drei Milliarden Menschen am Wirtschaftsgeschehen teilnehmen. Eine Milliarde dieses Wachstums könnte auf die Frauen entfallen. Der Wirtschaft käme dies gelegen, denn es gibt laut einer Studie der Unternehmensberatung Booz&Co. einen Zusammenhang zwischen Frauenerwerbsquote und Wirtschaftswachstum.

Hätte die Schweiz mehr Managerinnen, Chefinnen und Arbeitnehmerinnen und wärer der Anteil berufstätiger Frauen und Männer ausgeglichen, so könnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) laut der Booz-Studie trotz Konjunkturflaute und Eurokrise um 5 Prozent höher liegen. Zum Vergleich: In Dänemark wären es drei Prozent und in Frankreich vier Prozent. Noch viel grössere Auswirkungen hätte ein ausgeglichener Anteil berufstätiger Frauen und Männer in Ägypten: Hier stiege das BIP um ganze 34 Prozent.

Mässige Voraussetzungen in der Schweiz

Die weltweiten strukturellen Voraussetzungen für die Teilnahme der Frauen am wirtschaftlichen Leben bemisst der «Third Billion Index 2012». In diesem rangiert die Schweiz auf Platz 17 (Indexwert: 62,8) von 128 untersuchten Nationen und liegt damit recht deutlich hinter der Spitzengruppe mit Australien (70,6), Norwegen (70,6), Schweden (69,5) und Finnland (69,3).

Trotz des über 30 Jahre alten Verfassungsartikels und dem vor 16 Jahren in Kraft getretenen Gleichstellungsgesetz hat es die Schweiz laut Booz&Co. bezüglich Gleichbehandlung von Mann und Frau in der Wirtschaft noch nicht in die Spitzengruppe geschafft. «Mit einer konsequenteren Umsetzung der rechtlichen Grundlagen in der Praxis könnte die Schweiz zusätzliches Wachstum realisieren», erklärt Christine Rupp von Booz & Co. Schweiz.

Lohngleichheit: Schweiz ist fortschrittlich

«Die kontroverse Diskussion über die Einführung einer Frauenquote bei der Verwaltung der Stadt Bern hat die Uneinigkeit über die Art und Weise der praktischen Umsetzung der Gleichstellung in der Schweiz einmal mehr bestätigt», so Rupp. Das gelte insbesondere auch für den Ausbildungsbereich, wo die Schweiz trotz Fortschritten erst im breiten Mittelfeld der Rangliste auftauche. Die Abnahme des Frauenanteils von über 50 Prozent bei den Studienanfängerinnen über rund einen Drittel bei den Doktoraten auf unter 20 Prozent bei den Professoren spreche eine deutliche Sprache.

Im Bereich Lohngleichheit gehört die Schweiz zwar zu den fortschrittlichsten Nationen und liegt im globalen Ranking auf dem 9. Rang. Trotzdem verdienen Männer gemäss Bundesamt für Statistik nominell immer noch rund 18 Prozent mehr als Frauen. Bereinigt um Faktoren wie häufigere und längere Auszeiten oder Teilzeitpensen zugunsten von Familienarbeit und niedrigere Verdienstmöglichkeiten in Branchen mit hohem Frauenanteil dürfte diese Lohnlücke jedoch faktisch unter zehn Prozent liegen.

Teppichetage als Männerdomäne

Das Booz-&-Co-Ranking belegt: Gerade aufstrebende Wirtschaftsnationen wie China (Rang 58), Indien (Rang 115) oder die Vereinigten Arabischen Emirate (Rang 109) oder haben bezüglich gleicher Karrierechancen von Männern und Frauen noch grossen Aufholbedarf.

Aber auch in der Schweiz zeigen sich noch erhebliche Defizite, wenn es darum geht, berufstätigen Frauen die gleichen Karrierechancen wie ihren männlichen Kollegen zu ermöglichen. So besteht heute bei den Hochschulabsolventen quasi Geschlechterparität, aber während bei den Männern 24 Prozent der Arbeitnehmenden eine Führungsfunktion haben, sind es bei den Frauen nur 15Prozent. «Das Verhältnis auf Geschäftsleitungs- und Verwaltungsratsebene ist noch einmal deutlich schlechter», hält Rupp fest.

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