Konsum sinkt: «Frauen, die Bier trinken, sind einfach unsexy»
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Konsum sinkt«Frauen, die Bier trinken, sind einfach unsexy»

Frauen trinken laut dem Suchtmonitoring weniger Bier. Eine Showmixerin erklärt, es sei nicht weiblich, wenn eine Frau zum Bierglas greife.

von
bz

Frauen, die im Ausgang eine Stange Bier bestellen, tanzen aus der Reihe. Bier ist beim weiblichen Geschlecht weniger beliebt geworden. Laut dem Suchtmonitoring Schweiz des Bundesamts für Gesundheit hat der Bierkonsum bei Frauen um sechs Prozent abgenommen. Während 2011 noch 17 Prozent des konsumierten Reinalkohols in Form von Hopfensaft getrunken wurden, waren es 2015 nur noch 11 Prozent. Gerne trinken Frauen hingegen Wein. Zwischen 2011 und 2015 nahm der Konsum um neun Prozent zu.

Für Showmixerin Liane Arnold ist klar, warum Frauen häufiger vom Malzgetränk die Finger lassen: «Biertrinken ist einfach nicht so sexy.» Frauen mit einer Bierflasche oder -dose in der Hand hätten etwas Männliches und erinnerten an Bauarbeiter.

«Bier aus der Dose ist ganz übel»

Aber auch mit dem Schluck aus dem Glas machen sie keine bessere Figur. «Biergläser sind meist grösser und wuchtiger als Wein- oder Proseccogläser und wirken in Frauenhänden unelegant», sagt Arnold. Besonders unpassend sei es, wenn man dabei schön gekleidet sei. Und sie habe schon oft von Männern gehört, dass sie Frauen und Bier als «unpassend» empfänden.

Für Stilexperte Jeroen van Rooijen haben Biertrinkerinnen dagegen nichts Abstossendes. Im Gegenteil: «Frauen, die Bier trinken, sind meist die Cooleren.» Oft sei das, was vom Klischee abweiche, auch interessanter. Zudem hat er bezüglich Trinkbehälter bei beiden Geschlechtern Vorbehalte. «Bier aus der Flasche zu trinken ist unelegant – und aus der Dose ganz übel.» Nur auf Grillfesten oder Botellónes möge das Trinken aus Packungen akzeptabel sein.

K.-o.-Tropfen machen Angst

Dass Frauen weniger Bier trinken, hat aber auch andere Gründe. «Das Angebot an süssen Mixgetränken, die speziell für Frauen gemacht sind, ist sehr gross geworden», sagt Philipp Frei, Mediensprecher Blaues Kreuz. Zudem seien viele Frauen mit Bier, das vor allem im Ausgang getrunken werde, vorsichtiger geworden. «Sie haben Angst, dass ihnen K.-o.-Tropfen in die Getränke gemischt werden.»Laut Liane Arnold verzichten Frauen aber auch auf Bier, um nicht zuzunehmen, denn: «Bier wirkt appetitanregend.»

Für Vertreter der Bierbranche bilden die neuen Daten nicht die Realität ab. Er habe den Eindruck, dass gerade Frauen in den letzten Jahren das Getränk in seiner Vielfalt vermehrt entdecken und schätzen gelernt hätten, sagt Marcel Kreber, Direktor des Schweizer Brauerei-Verbands. Zudem würden ihre Bier-Sommelier-Ausbildungen in den letzten Jahren einen wachsenden Frauenanteil verzeichnen.

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