Aktualisiert 13.10.2014 08:52

Arbeit mit Toten

Frauen entdecken den Beruf der Bestatterin

Der Lehrgang zum Bestatter ist bei Frauen hoch im Kurs. Der persönliche Umgang mit dem Tod wird im Privatleben oft vernachlässigt.

von
Lorenz von Meiss

In Helgisried bei Bern unterrichtet Beni Hochuli den zweitägigen Lehrgang für zukünftige Bestatter. Bei der letzten Durchführung des Kurses waren vier von fünf Absolventen weiblich. Auch wenn nicht jede Kursteilnehmerin zwangsläufig Bestatterin wird, ist das Interesse von Frauen zum Thema Tod und Bestattung steigend. «Frauen gehen im allgemeinen viel feinfühliger mit dem Thema Tod und der Betreuung der Trauernden um», sagt Hochuli.

Grund für das zunehmend weibliche Interesse am Berufsbild des Bestatters ist laut Hochuli, dass es Frauen im Privatleben oftmals schwierig fällt, sich zufriedenstellend mit Themen wie Tod und wie man damit umzugehen hat, auseinanderzusetzen. «Die Frauen, die bei mir den Lehrgang zur Bestatterin machen, finden privat oft nicht die Antworten zum Thema Tod, die sie suchen», so Hochuli weiter.

Die grosse Angst

Für Kursteilnehmerin Adriana Etter war der Beruf des Bestatters jahrelang mit beängstigenden Gefühlen verbunden. Als sich in ihrem familiären Umfeld mehrere Todesfälle ereignet haben, fürchtete sie sich stets vor dem Mann mit dem grossen Leichenwagen: «Immer als der Bestatter zu uns nach Hause kam, überkam mich die Angst. Jahrelang musste ich wegschauen, als ich den Leichenwagen bei uns vorbeifahren sah», sagt Adriana Etter.

Kursleiter Hochuli zeigt den Teilnehmern verschiedenste Abbildungen von toten Menschen, um die Realität des Berufes des Bestatters aufzuzeigen und sie mit den verschiedenen Gesichtern des Todes zu konfrontieren. «Ich möchte in meinem Kurs verschiedenste Seiten des Todes aufzeigen, die in den Nachrichten niemals gezeigt werden», erklärt Hochuli weiter.

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