Sucht-Experten warnen: Frauen heiss auf Sex-Chats

Aktualisiert

Sucht-Experten warnenFrauen heiss auf Sex-Chats

Während Männer Pornos konsumieren, sitzen Frauen keineswegs unschuldig zu Hause rum – sondern vergnügen sich in Sex-Chats. Experten warnen vor Suchtgefahr.

von
Désirée Pomper

Nicht nur Männer, auch Frauen kommen per Tastatur zum Orgasmus. «Wir waren erstaunt, dass Online-Sex nicht nur eine Männer-, sondern durchaus auch eine Frauenangelegenheit ist», sagt Markus Theunert, Generalsekretär des Fachverbandes für Sucht. Dass nicht wenige Frauen das Internet aus sexuellen Motiven nutzen, war an der gestrigen Fachtagung «Online, Sex und Sucht» ein heiss diskutiertes Thema. Während Männer fleis­sig Pornos konsumieren, führen Frauen lieber erotische Chats. Laut einer schwedischen Online-Untersuchung haben rund ein Drittel der 25- bis 35-jährigen Frauen Sex-Chat-Erfahrung. In der Schweiz bewegen sich die Zahlen laut Theunert wohl auf ähnlichem Niveau.

«Die Frauen brauchen zur sexuellen Erregung im Gegensatz zu den Männern keine Bilder», erklärt Paartherapeut Klaus Heer. Sie stellten sich die Szenen lieber im Kopf vor und liessen ihrer Phantasie freien Lauf. Doch Marie-Louise Ernst von der Förderung gendergerechter Suchtarbeit beim Bundesamt für Gesundheit warnt: «Die Suchtgefahr kann bei Sex-Chats genauso gross sein wie bei Pornos.» Die Folge seien Isolation und Verlust sozialer Kontakte. Deshalb sei es umso wichtiger, so rasch wie möglich repräsentative Daten zu erheben, um eine sinnvolle Therapiestrategie zu entwickeln. «Eine solche fehlt in der Schweiz nämlich noch gänzlich», so Ernst.

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