Einwanderung: Frauen leiden an «Expat-Blues»

Aktualisiert

EinwanderungFrauen leiden an «Expat-Blues»

Viele Expat-Frauen kämpfen mit Depressionen. Die Zürcher Integrationsbeauftragte will ihnen nun helfen.

von
Deborah Sutter
Die Beauftragte Julia Morais.

Die Beauftragte Julia Morais.

Sie können kein Deutsch, kennen niemanden in Zürich und arbeiten nicht: Die Frauen von sogenannten Expats – gut ausgebildeten Ausländern, die für den Job in die Schweiz kommen – fühlen sich oft isoliert und ­alleine. «Psychologen meldeten sich bei uns und berichteten uns von den vielen Expat-Frauen, die wegen Depressionen in Behandlung sind», sagt Julia Morais, die kantonale Beauftragte für Integrationsfragen. Darauf reagiert die Fachstelle nun, wie die «NZZ am Sonntag» berichtete: Am 31. Mai organisiert sie im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe für Expats einen Anlass zum Thema Depression. «Wir wollen verhindern, dass die Frauen unglücklich sind und ihre Männer zur Rückkehr in die Heimat drängen», so Morais.

90 Prozent der Patienten, die die psychologische Beraterin Martina Famos behandelt, sind Expats. Sie sagt zum «Expat-Blues»: «Zunächst ist im neuen Land alles rosa und toll, doch bald kann man in ein Loch ­fallen.» Die Frauen seien den ihnen fremden Schweizer Eigenheiten ausgesetzt, ohne ihre Familie oder Freunde zur Seite zu haben, so Famos. Kontakte zu knüpfen sei schwierig – zum Kulturschock komme Einsamkeit hinzu. Aus diesem Strudel herauszukommen sei schwierig:

«Da spielt es eine grosse Rolle, wie man sich vorbereitet hat, welche persönlichen Ziele man hat und wie gut die Ehe ist.» Famos rät darum jeder Expat: «Ein Sprachkurs in der Heimat und am neuen Ort eine Gesprächsberatung – das kann präventiv wirken und verhindern, dass man sich hilflos und überfordert fühlt.»

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