Weibliche Chefs: Frauen machen Firmen erfolgreicher
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Weibliche ChefsFrauen machen Firmen erfolgreicher

Der Frauenanteil in Schweizer Verwaltungsräten ist im europäischen Vergleich gerade mal halb so hoch. Dabei steigt mit der Frauenquote auch die Profitabilität.

von
D. Vollenweider
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Die wichtigsten Chefinnen der Schweiz: Dazu gehört etwa Monika Rühl, Direktorin des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten. Die 50-jährige Diplomatin ist eine unkonventionelle Wahl. Sie gilt als ehrgeizige, diskrete und stille Schafferin. Rühl ist als Generalsekretärin von Bundesrat Johann Schneider-Ammann bestens in Bundesbern vernetzt - was ihr zum Vorteil für ihren künftigen Posten gereichen dürfte.

Die wichtigsten Chefinnen der Schweiz: Dazu gehört etwa Monika Rühl, Direktorin des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten. Die 50-jährige Diplomatin ist eine unkonventionelle Wahl. Sie gilt als ehrgeizige, diskrete und stille Schafferin. Rühl ist als Generalsekretärin von Bundesrat Johann Schneider-Ammann bestens in Bundesbern vernetzt - was ihr zum Vorteil für ihren künftigen Posten gereichen dürfte.

Keystone/Ennio Leanza
Suzanne Thoma (52) ist CEO der BKW AG, der grössten Verteilnetzbetriebsgesellschaft der Schweiz, die eine Million Menschen mit Strom versorgt. Seit 2013 leitet die Chemieingenieurin das Unternehmen. Sie stellte mit Monica Dell'Anna, Leiterin des Bereichs Markt, eine Frau an einer Schaltstelle der Geschäftsleitung ein.

Suzanne Thoma (52) ist CEO der BKW AG, der grössten Verteilnetzbetriebsgesellschaft der Schweiz, die eine Million Menschen mit Strom versorgt. Seit 2013 leitet die Chemieingenieurin das Unternehmen. Sie stellte mit Monica Dell'Anna, Leiterin des Bereichs Markt, eine Frau an einer Schaltstelle der Geschäftsleitung ein.

Keystone/Peter Klaunzer
Simona Scarpaleggia (54) fing als Personalmanagerin bei Ikea Italien an und entwickelte ein Diversity-Programm. Dann stiess sie ins Management von Ikea Italien vor und übernahm 2013 die Leitung von Ikea Schweiz mit 3000 Angestellten und einem Umsatz von 1 Milliarde Franken.

Simona Scarpaleggia (54) fing als Personalmanagerin bei Ikea Italien an und entwickelte ein Diversity-Programm. Dann stiess sie ins Management von Ikea Italien vor und übernahm 2013 die Leitung von Ikea Schweiz mit 3000 Angestellten und einem Umsatz von 1 Milliarde Franken.

Keystone/Alessandro Della Bella

Weibliche Chefs machen Firmen erfolgreich. Das zeigt eine neue Studie des Credit Suisse Research Institute. Auf internationaler Ebene zeichnen die Zahlen ein deutliches Bild: Wo mindestens 15 Prozent der höheren Führungsebene weiblich sind, ist die Profitabilität um 50 Prozent höher als dort, wo der Frauenanteil unter 10 Prozent liegt.

Dasselbe gilt laut den Studienverfassern auch für die Schweiz: Je höher die Geschlechterdiversität, desto höher die Profitabilität und der Börsenwert der Unternehmen. «In Firmen, bei denen Frauen die Mehrheit der Geschäftsleitung ausmachen, ist zudem ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum und ein tieferer Verschuldungsgrad zu beobachten», sagt Lucia Waldner, Leiterin des Credit Suisse Research Institute, zu 20 Minuten.

Tiefe Frauenquote

Für weibliche Führungskräfte wie Simone Scarpaleggia, CEO von Ikea Schweiz, ist das eine gute Nachricht. Bloss: Frauen wie sie gibt es in der Schweiz noch immer viel zu wenig. Die Frauenquote in den Teppichetagen ist im internationalen Vergleich noch immer sehr tief: In den hiesigen Verwaltungsräten machen Frauen laut der Studie derzeit rund 13,4 Prozent aus, was zwar einem Anstieg von 55 Prozent seit 2008 entspricht – europaweit ist die Frauenquote jedoch etwa doppelt so hoch. Auch im Senior Management hinkt die Schweiz mit einem Frauenanteil von 6,7 Prozent deutlich hinterher. Zum Vergleich: Der Schnitt liegt weltweit bei 13,8 Prozent, der europäische Schnitt bei 12,6 Prozent.

Das Problem: «Die Schweiz hat ein viel zu kleinen Talent-Pool für Management-Funktionen», so Waldner. Die Schweiz bräuchte laut Waldner dreimal so viele Managerinnen in strategisch zentralen Bereichen, sei es im Kundengeschäft oder Finanzwesen, um überhaupt beim europäischen Durchschnitt mitzuhalten.

Weibliche Frauen im Bereich Finanzen

Die Studie hebt ein weiteres Problem hervor: 54 Prozent aller Frauen in höheren Führungspositionen sind in der Schweiz im Bereich Personal tätig. Doch in solchen Positionen sei eine Beförderung auf die nächste Führungsebene höchst selten. Anders sieht es beispielsweise bei Chief Financial Officers (CFO) aus, diese Position dient oft als Sprungbrett für den CEO-Posten oder Verwaltungsratsmandate. Doch in diesem Bereich arbeiten in der Schweiz nicht einmal fünf Prozent aller Frauen mit Führungsposition – rund 70 Prozent weniger als im Ausland.

Wenigstens bei der Frauenquote auf CEO-Ebene kann die Schweiz im internationalen Vergleich mithalten: Rund 3,8 Prozent der hiesigen CEOs sind weiblich – international sind es 3,9 Prozent. Zudem ist in der Schweiz der Frauenanteil in mittelgrossen Firmen am höchsten. Im internationalen Vergleich sind es vor allem Grossunternehmen, die eine hohe Frauenquote aufweisen. Für die Studie wurden weltweit 3000 Unternehmen untersucht, 78 davon mit Sitz in der Schweiz.

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